Das Aachener Zentrum für Holzbauforschung (AZH) am Eifelcampus Simmerath
wird heute feierlich eröffnet. Die FH Aachen bündelt dort ihre Kompetenzen in
der Holzbauforschung und entwickelt mit moderner Technik innovative Lösungen
für das Bauen mit Holz. Gemeinsam mit dem Handwerk bringt sie Forschung
direkt in die Anwendung.

Der nachwachsende Rohstoff Holz ist der Baustoff der Stunde – die Nutzung hat
in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Aktuell steht der Holzbau vor neuen
Herausforderungen. „Zukünftig werden verstärkt Laubhölzer im Bauwesen
eingesetzt“, sagt Prof. Dr. Thomas Uibel. Für die Nutzung von Birke, Bergahorn
und Roteiche müssten das Trag- und Verformungsverhalten erforscht,
Bauprodukte entwickelt und Normen überarbeitet werden. Gleiches gilt für
komplexe Bauvorhaben wie mehrstöckige Holzhäuser und große
Gewerbebauten. Wie innovative Lösungen für den Einsatz von Holz als Baustoff
aussehen können, erforscht die FH Aachen im neuen AZH. Die Bandbreite der
Projekte reicht von der Entwicklung dauerhaft haltbarer Holzbrücken über
Wandelemente und mehrgeschossigen Holzbau bis hin zu unterschiedlichen
Verbindungselementen.

Die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-
Westfalen, Silke Gorißen, betont: „An Holz als Rohstoff und der effizienten
Holzverwendung führt kein Weg vorbei. Wir brauchen unsere Wälder und das
aus ihnen nachhaltig gewonnene Holz im Klimawandel mehr denn je. Unser Ziel
in Nordrhein-Westfalen ist es, die Wälder zu klimastabilen Mischwäldern
umzubauen, was zu einem höheren Laubbaumanteil führen wird. Insbesondere
mit Blick auf die Entwicklung innovativer Laubholzverwendungen im Holzbau
sind die Leistungen und die hochmodernen Möglichkeiten des neuen Aachener
Holzbauzentrums wichtig.“

Zwei Aspekte machen Holzbauforschung – und die Arbeit im AZH – besonders
spannend. Zum einen ist Holz ist ein lebendiger Werkstoff, jede Holzart verhält
sich aus bautechnischer Sicht unterschiedlich. Und selbst innerhalb der einzelnen
Arten gibt es Unterschiede, etwa aufgrund der Herkunftsregion oder des Alters
der Bäume. All diese Faktoren werden bei den Forschungsprojekten
berücksichtigt. Die andere Herausforderung ist, dass Versuche mit Holz
grundsätzlich im Bauteilmaßstab gemacht werden – ergänzt um aufwendige
Simulationen und Berechnungen. Um auch Bauteile und Verbindungen in
„Originalgröße“ testen zu können, verfügen die FH-Forschenden im AZH über
beeindruckende Maschinen: Die Zug-Druck-Spindelmaschine etwa ist rund 8
Meter hoch. Sie belastet die Prüfkörper mit bis zu 600 Kilonewton (kN); das
entspricht einem Gewicht von 60 Tonnen. Ebenso können im AZH
Wandelemente aus Holz getestet werden, die eine Fläche von bis zu 6 mal 4
Metern haben. Auf dem Biegeprüfstand schließlich werden Holzträger von bis zu 15 Metern Spannweite geprüft, die etwa im gewerblichen Hallenbau zum Einsatz
kommen. Gemeinsam mit seinen Holzbauprofessorenkollegen Leif Arne Peterson
und Wilfried Moorkamp übernimmt Uibel die wissenschaftliche Leitung des AZH.
Sie betonen: „Diese Versuchsergebnisse dienen der Validierung von analytischen
sowie numerischen Untersuchungen und bilden somit eine Basis für zukünftige
Normen und Zulassungen von Bauprodukten im Holzbau.“

Wenn es um mehrgeschossiges Bauen mit Holz geht, spielen Verbindungen eine
entscheidende Rolle. Ein Ziel der FH-Fachleute ist, klebstofffreie Lösungen zu
entwickeln, die seriell gefertigt werden können. Im Handwerk sind etwa
Schwalbenschwanzverbindungen seit Langem im Einsatz – nun geht es darum,
diese tradierte Technik mit modernen digitalen Produktionsmethoden zu
kombinieren. In einem Forschungsprojekt geht es um die Frage, wie solche
Methoden zur klebstofffreien Herstellung von Balkenschichtholz eingesetzt
werden können. Das kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn Balken mit großer
Spannweite benötigt werden. Ein zweiter Forschungsbereich sind
Systemlösungen für den mehrgeschossigen Holzbau. Vielfach wiederkehrende
Bauteile und Anschlüsse werden typisiert und standardisiert; hierdurch werden
technisch ausgereifte, wirtschaftliche und einfach berechenbare Konstruktionen
ermöglicht.

„Hier in Simmerath arbeiten Forschung, Innovation und Praxis Hand in Hand.
Wir spielen uns die Bälle gegenseitig zu“, sagt Prof. Dr. Thomas Ritz, Rektor der
FH Aachen. Das AZH ist Teil des neuen Eifelcampus: Er soll den Transfer von
akademischen Forschungsergebnissen in die Baupraxis ermöglichen und
gleichzeitig dem Handwerk Wege zur Nutzung neuer Technologien und Verfahren
aufzeigen. „Der Eifelcampus in Simmerath eröffnet uns ganz neue
Möglichkeiten“, sagt Prof. Uibel. „In enger Zusammenarbeit von Wissenschaft
und Wirtschaft können wir das Bauen mit Holz entscheidend voranbringen.“
Ein wichtiger Teil des Eifelcampus ist das Bildungszentrum BGZ Simmerath der
Handwerkskammer Aachen (HWK). Das Aufgabenspektrum im Handwerk
verschiebt sich derzeit. Digitalisierung und Vernetzung halten auch hier Einzug –
das lässt sich etwa am Beispiel BIM (Building Information Modeling) illustrieren.
Die verschiedenen Gewerke sowie Architekt:innen und Bauingenieur:innen
tauschen sich auf der Baustelle mit Hilfe von virtuellen 3-D-Modellen aus, etwa
wenn es um die fachmännische Umsetzung von Bauplänen in der Praxis geht.
Die enge Kooperation am Eifelcampus soll gewährleisten, dass der gegenseitige
Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Handwerk
funktioniert.

Der Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung ist nur in
gemeinschaftlicher Anstrengung möglich. Neben der FH und der HWK sind auch
zahlreiche Unternehmen, Betriebe, Institutionen und Verbände beteiligt, die die
gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von der Forstwirtschaft über
Planungs- und Ingenieurbüros bis hin zu verarbeitenden Betrieben und
Bauunternehmen. Gerade in der Eifel spielt die Branche eine große
wirtschaftliche Rolle. Bernd Goffart, Bürgermeister der Gemeinde Simmerath,
betont: „Hier entsteht echter Mehrwert für die Region.“ Wie wichtig die
Holzwirtschaft für Nordrhein-Westfalen ist, zeigen Zahlen des Zentrums für Wald
und Holzwirtschaft beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. 12.000
Unternehmen machen landesweit 31 Milliarden Euro Umsatz jährlich, sie
beschäftigen rund 130.000 Erwerbstätige.

Quelle: https://www.fh-aachen.de/aachener-zentrum-fuer-holzbauforschung