Aus dem Investitionspaket „Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur“ der Landesregierung fließen Mittel in Höhe von circa 18,8 Millionen Euro in den Ausbau der Erdwärme auf dem Technologie-Campus Steinfurt. Zur symbolischen Förderübergabe besuchte Ministerin Ina Brandes nun die Hochschule.
Denn der Technologie-Campus Steinfurt ist weiterhin im Wandel: Neue Gebäude entstehen, ein Parkhaus samt Energiezentrale hat im vergangenen Sommer geöffnet. Die Energie zur Versorgung gewinnt die FH Münster dabei direkt aus dem Boden. Bohrungen aus 150 Metern Tiefe liefern Grundwärme, um damit Wärmepumpen zu betreiben, die im Winter heizen und im Sommer kühlen. Die Arbeit mit Erdwärme – oder auch Geothermie – ist eine klimafreundliche Alternative zur fossilen Energieversorgung mit Öl und Gas, denn die Wärmepumpe gewinnt etwa 75 Prozent der Energie direkt aus der Natur.
„Wir investieren das Geld aus dem NRW-Plan für gute Infrastruktur konsequent in die großen Zukunftsthemen und die hervorragende Ausstattung unserer Hochschulen. Die Geothermie-Anlage in Steinfurt erfüllt sogar einen doppelten Nutzen: Sie wird dafür sorgen, dass sich der Campus weitgehend selbst mit Energie zum Heizen und Kühlen versorgen kann. Und darüber hinaus wird die Wärmepumpe auch in der Forschung und Lehre eingesetzt. An der eigenen Anlage können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie solche Anlagen im Alltag der Menschen noch effizienter und nachhaltiger eingesetzt werden können“, sagt Wissenschaftsministerin Ina Brandes MdL.
„Auf dem Technologie-Campus Steinfurt setzen wir konsequent auf Erdwärme aus eigener Produktion: Zukünftig werden unsere Hochschulgebäude geothermisch im Umfang von rund 64 Prozent des Gesamtwärmebedarfs beheizt, während wir zugleich erforschen, wie Wärmepumpen noch effizienter und alltagstauglicher betrieben werden können“, sagt Prof. Dr. Frank Dellmann, Präsident der FH Münster. Als Hochschule für Angewandte Wissenschaften betreibt die FH Münster ein Reallabor: Die Erdwärme versorgt das Labor für Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik des Fachbereichs Energie – Gebäude – Umwelt sowie eine große Versuchslüftungsanlage. Ein Forschungsteam untersucht die Energieversorgung, Studierende können an einer Anlage mit Daten unter realistischen Betriebsbedingungen arbeiten. Möglich machen dies Sonden, die mit in die Bohrlöcher eingelassen worden sind. Durch sie sehen die Nachwuchsingenieur*innen in Echtzeit, was die Wärmepumpe macht – auch, wenn sie Volumenströme verändern oder Vorlauftemperaturen optimieren.
„Wir entwickeln einen klimaneutralen Hochschulstandort für die Fachkräfteausbildung in Schlüsseltechnologien und leisten einen konkreten Beitrag zur angestrebten Klimaneutralität 2030 des Landes Nordrhein-Westfalen“, so Dellmann. „Zugleich ist der Technologie-Campus Steinfurt ein zentraler Standort für die Fachkräfteentwicklung von morgen und ein wichtiger Player für die Region – getragen von hoch engagierten Kolleginnen und Kollegen in Lehre und Forschung, die hier gemeinsam an den Technologien der Zukunft arbeiten.“
Die Förderung möglich macht der Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur. Mit den 18,8 Millionen Euro kann unsere Hochschule die Geothermie weiter ausbauen und die Gebäude auf dem Technologie-Campus Steinfurt zu großen Teilen per Erdwärme versorgen. Dazu soll die Bohrung auf 250 Meter erweitert werden, 80 weitere Sonden sollen der Erforschung dienen. Die Bestandsgebäude und insbesondere die Wärmeverteilung müssen hierfür an das niedrigere Temperaturniveau der Geothermie durch unterschiedliche bauliche und technische Maßnahmen angepasst werden. Die Baumaßnahmen führt die Hochschule gemeinsam mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW durch.
Fünf Bestandsgebäude werden auf dem Campus nach Fertigstellung der Neubauten C und Q an die Geothermie angeschlossen. Gleichzeitig werden BLB und Hochschule ein neues Geothermiefeld erschließen. „Der Technologie-Campus Steinfurt entwickelt sich zu einem Vorzeigeprojekt im Hochschulbereich“, sagt Rainer Leuders, Key Account Manager beim BLB NRW. „Für uns ist die Geothermieanpassung der richtige Baustein zur richtigen Zeit.“
Quelle: FH Münster

