Vom Forschungsprojekt zur ausgezeichneten Innovation: Das Konsortium des Projekts NALYSES ist mit der Circular One Eco Headlamp für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 nominiert. Drei Jahre lang entwickelten Partner aus Industrie und Forschung gemeinsam neue Methoden und Technologien, um Nachhaltigkeit systematisch in die Produktentwicklung zu integrieren. Das Fraunhofer IEM brachte dafür insbesondere seine Expertise in Life Cycle Assessment und digitalen Produktzwillingen ein.

Wie lassen sich komplexe technische Produkte von Beginn an so entwickeln, dass sie über ihren gesamten Lebenszyklus möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und CO₂ verursachen? Dieser Frage gingen Forvia Hella, BMW, Covestro, Geba, Miele, die Hochschule Hamm-Lippstadt, das Heinz Nixdorf Institut und das Fraunhofer IEM im Forschungsprojekt NALYSES nach.

52 Prozent weniger CO₂-Äquivalent

Am Beispiel eines Fahrzeugscheinwerfers entwickelte und erprobte das Konsortium dafür neue Ansätze. Das Ergebnis: Der im Projekt entstandene Scheinwerfer verursacht über seinen Lebenszyklus 52 Prozent weniger CO₂-Äquivalent. Er besteht vollständig aus nachhaltigen Polymeren, ist reparierbar und sortenrein recyclingfähig. Zudem ist er deutlich leichter und benötigt fast 50 Prozent weniger Energie als derzeit verbaute Scheinwerfer.

Nominiert im Transformationspfad Klima

Nun ist die daraus hervorgegangene Circular One Eco Headlamp für den 19. Deutschen Nachhaltigkeitspreis Produkte im Transformationsfeld Klima nominiert. Der Wettbewerb zeichnet Produkte, Dienstleistungen und Systeme aus, die einen besonderen Beitrag zur nachhaltigen Transformation leisten. Die Sieger werden am 3. Dezember 2026 in Düsseldorf bekannt gegeben.

„Die Nominierung ist für uns vor allem eine Auszeichnung für die gemeinsame Forschungsarbeit. Sie zeigt, was entstehen kann, wenn Unternehmen und Forschung Nachhaltigkeit von Anfang an gemeinsam im Engineering verankern. Aus Methoden und Prototypen wird so eine Innovation, die den Weg in die industrielle Praxis findet“, betont Stephan Stieren, Projektleiter am Fraunhofer IEM.

Nachhaltigkeit entscheidet sich früh im Engineering

Für das Fraunhofer IEM lag ein Schwerpunkt des Projekts darauf, Nachhaltigkeit messbar und damit zu einer konkreten Entscheidungsgröße in der Entwicklung zu machen. Denn gerade bei komplexen mechatronischen Produkten werden viele spätere Umweltwirkungen bereits durch frühe Entscheidungen zu Konstruktion, Materialien oder Reparierbarkeit festgelegt.

Dafür entwickelte das Fraunhofer IEM ein Life-Cycle-Assessment-Modell (LCA), das die Umweltwirkungen des Scheinwerfers von der Herstellung über die Nutzung bis zum Recycling abbildet. Entwicklungsingenieur:innen können damit beispielsweise unterschiedliche Materialien oder Konstruktionsvarianten vergleichen und deren Auswirkungen auf den CO₂-Fußabdruck frühzeitig bewerten. Die Grundlage dafür bildet ein digitaler grüner Zwilling. Er führt Informationen aus dem gesamten Produktlebenszyklus zusammen – von Stücklisten und Materialien über Transportwege bis zu Prozess- und Nutzungsdaten. Eine Hotspot-Analyse macht sichtbar, wo besonders große Umweltwirkungen entstehen und wo Veränderungen entsprechend viel bewirken können.

Die Circular One Eco Headlamp wurde prototypisch für ein Elektrofahrzeug von BMW entwickelt – und kann nun in die Serienproduktion gehen.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik