NRW weist das Rheinische Revier als Net Zero Valley aus – Beschluss soll Ansiedlungen von Zukunftsindustrien beschleunigen und den Strukturwandel auf die nächste Stufe heben
Ein wichtiger Meilenstein für den Strukturwandel im Rheinischen Revier ist erreicht: Das Land Nordrhein-Westfalen weist das Rheinische Revier per Kabinettsbeschluss als Net Zero Valley aus. Damit wird die Region nach der Lausitz und Niedersachsen zum dritten europäischen Net Zero Valley. Grundlage ist der europäische Net Zero Industry Act (NZIA), mit dem die Europäische Union die Produktion strategischer Zukunftstechnologien in Europa stärken und deren Ansiedlung und Ausbau beschleunigen will.
Mit der Ausweisung bekommt das Rheinische Revier einen wirkungsvollen Hebel, um den Strukturwandel zu beschleunigen. Denn der Status als Net Zero Valley verbindet zwei Entwicklungen unmittelbar miteinander: den Ausstieg aus der Braunkohle und den Aufbau einer neuen industriellen Zukunft. Wo heute noch die Folgen des Kohleausstiegs den Strukturwandel prägen, sollen morgen Produktionsstätten für die Technologien der klimaneutralen Wirtschaft entstehen.
Aus dem Ausstieg wird damit der Einstieg: in Wasserstoff- und Batterietechnologien, moderne Stromnetze, elektrische Antriebe und transformative Technologien für die industrielle Dekarbonisierung.
„Mit der Ausweisung zum europäischen Net Zero Valley setzt das Land NRW ein starkes Signal für unsere industrielle Zukunft. Wir wollen im Rheinischen Revier nicht nur CO₂-Emissionen einsparen, sondern das bauen, was Europa für seine Unabhängigkeit und Resilienz braucht“, sagt Bodo Middeldorf, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier. „Als Net Zero Valley bündeln wir unsere strategischen Flächen und starken Unternehmen zu einem einzigartigen industriellen Ökosystem. So sorgen wir dafür, dass aus dem Strukturwandel eine echte wirtschaftliche Erfolgsgeschichte mit neuen, nachhaltigen Wertschöpfungsketten wird.“
Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „Aus einer Kohleregion wird eine Zukunftsregion für Wasserstoff und Stromnetztechnologien. Die Ausweisung als Net Zero Valley holt Investoren ins Rheinische Revier – und mit ihnen Arbeitsplätze, die bleiben. Das Rheinische Revier bietet die besten Voraussetzungen für Unternehmen und Forschende, Schlüsseltechnologien der Energiewende voranzutreiben und uns stärker, unabhängiger und wettbewerbsfähiger zu machen. Die Ausweisung als Net Zero Valley ermöglicht schnellere Genehmigungen und Sichtbarkeit auf europäischer Ebene und wird dafür sorgen, dass kluge Ideen zügiger umgesetzt werden.“
Europas neue Industrie entsteht nicht irgendwo – sondern hier
Das Rheinische Revier bringt dafür Voraussetzungen mit, die in dieser Kombination nur wenige Regionen in Europa bieten können: große Industrie- und Gewerbeflächen, eine leistungsfähige Wissenschafts- und Forschungslandschaft, starke Unternehmen und Cluster sowie ein international sichtbares Innovationsökosystem.
Diese Stärken sollen nun gezielt zusammengeführt werden. Das Rheinische Revier will den Status als Net Zero Valley nutzen, um Investoren für strategische Zukunftstechnologien nach Nordrhein-Westfalen zu holen und neue industrielle Wertschöpfungsketten in der Region aufzubauen. Die Landesgesellschaft NRW.Global Business unterstützt dabei gezielt die internationale Ansprache potenzieller Investoren.
Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um Technologieentwicklung und Forschung. Die entscheidende nächste Etappe des Strukturwandels ist die Produktion. Neue Fabriken und industrielle Anlagen sollen Wertschöpfung und zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen.
„Wir haben die Flächen. Wir haben die Menschen. Wir haben die Forschung und wir haben die Unternehmen. Das sind Pfunde, mit denen wir wuchern können. Jetzt müssen wir daraus industrielle Wertschöpfung machen“, sagt Frank Rock, Landrat des Rhein-Erft-Kreises. „Wir wollen nicht dabei zusehen, wie die Technologien der Zukunft anderswo produziert werden. Wir wollen, dass diese Industrie hier entsteht – und zwar schnell. Mit dem Net Zero Valley schaffen wir dafür europäische Sichtbarkeit. Jetzt müssen wir den Status als Valley auch nutzen.“
Bürokratie abbauen, Investitionen beschleunigen
Der Net Zero Industry Act schafft dafür einen europäischen Rahmen. Für Investoren in Net Zero Valleys ermöglicht die Verordnung unter anderem vereinfachte und besser koordinierte Verfahren sowie beschleunigte Genehmigungsprozesse. Genau hier setzt die Ausweisung des Rheinischen Reviers an. Denn für Investoren entscheidet nicht allein die Verfügbarkeit geeigneter Flächen. Entscheidend ist auch, wie schnell aus einer Investitionsentscheidung ein genehmigter und realisierter Industriestandort werden kann.
Der Status als Net Zero Valley soll deshalb zu einem echten Beschleuniger für den Strukturwandel werden. Verwaltungen und Unternehmen sollen schneller zusammenkommen, Verfahren besser gebündelt und Ansiedlungen effizienter begleitet werden.
„Wir haben in Europa lange genug darüber gesprochen, dass wir strategische Technologien wieder selbst produzieren müssen. Jetzt geht es darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen“, so Middeldorf. „Das Rheinische Revier hat mit dem Net Zero Valley die Chance, zu einem der Standorte zu werden, an denen diese neue industrielle Realität tatsächlich entsteht.“
Vom Kohlerevier zum Produktionsstandort der Zukunft
Mit der Ausweisung als Net Zero Valley wird damit ein neues Kapitel des Strukturwandels aufgeschlagen. Das Rheinische Revier soll nicht lediglich die Folgen des Braunkohleausstiegs bewältigen. Es soll zu einem europäischen Produktionsstandort für die nächste Generation industrieller Technologien werden.
Die Botschaft des Net Zero Valley richtet sich deshalb weit über die Region hinaus: Das Rheinische Revier ist offen für neue Industrie – mit Flächen, Know-how, Innovationskraft und künftig noch schnelleren Verfahren.
Der Strukturwandel wird damit zur Chance, die industrielle DNA der Region weiterzuentwickeln: weg von der fossilen Energieerzeugung und hin zu einer neuen, resilienten und klimaneutralen Industrie.

