Kategorie: News

  • Horizon Europe Cluster 4: Digital 2027 calls now published

    Horizon Europe Cluster 4: Digital 2027 calls now published

    The Horizon Europe 2027 Work Programme establishes one call under the Digital pillar in one destination: HORIZON-CL4-2027-05 (25 million EUR one topic). Annex XIV (Horizontal Activities) establishes the call  HORIZON-BRIDGING-2027-01 (55 million EUR, 4 topics). 

    Learn more about the calls and topics: 

    1. Call reference: HORIZON-CL4-2027-05-DIGITALEMERGING-03
      Opening date: 17/11/2026   Deadline: 18/03/2027
      Destination: Achieving open strategic autonomy in digital and emerging enabling technologies

      Topics:
    1. Call reference:  HORIZON-BRIDGING-2027-01
      Opening date: 20/10/2026   Deadline: 16/02/2027

      Topics:
    • HORIZON-BRIDGING-2027-01-09: EU AI Media Platform – modular multilingual public-interest infrastructure for European news and audiovisual media (IA) – Apply AI
    • HORIZON-BRIDGING-2027-01-10: Autonomous Drive Ambition Cities (IA) – Apply AI
    • HORIZON-BRIDGING-2027-01-12: Large-Scale piloting of next-generation AI-driven digital platforms for a more affordable, secure and sustainable European energy system (IA) – Apply AI
    • HORIZON-BRIDGING-2027-01-13: EU Frontier AI Initiative: Advanced Scaling Frameworks for High-Performance AI Models (RIA) – Apply AI

    Background

    Horizon Europe Cluster 4 Digital covers the development of key digital technologies, supporting a green and digital transformation as well as a human-centred ethical development of emerging digital technologies for competitiveness and the European Green Deal.

    HaDEA supports digital research by managing the Digital part of Cluster 4 ‘Digital, Industry and Space’ of the Horizon Europe programme and the legacy programme Horizon 2020.

    Further details on calls  and  HORIZON-BRIDGING-2027-01 can be found in the amended Horizon Europe Work Programme 2026-2027 and   Annex XIV Horizontal Activities

    More information about the Horizon Europe strategic plan for 2025-2027, which sets out the strategic orientations for the final years of the EU’s largest research and innovation (R&I) programme to date, can be found here .

    Publication date: 5 October 2026

    Author: European Health and Digital Executive Agency

    Programme Sector: Digital

    Programme: Horizon Europe Cluster 4: Digital

    Quelle: https://hadea.ec.europa.eu/news/horizon-europe-cluster-4-digital-2027-calls-now-published-2026-10-05_en?prefLang=de

  • Neue Impulse für Wasserstoff: BMWE beschließt zehn Maßnahmen für Hochlauf des Wasserstoffmarktes

    Neue Impulse für Wasserstoff: BMWE beschließt zehn Maßnahmen für Hochlauf des Wasserstoffmarktes

    Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat zehn Maßnahmen für den Wasserstoffmarkt beschlossen. Sie setzen neue Impulse, um den Aufbau des Wasserstoffmarktes in Deutschland entlang der gesamten Wertschöpfungskette pragmatisch und realistisch voranzubringen.
    Der Aufbau des Wasserstoffmarktes steht derzeit vor großen Herausforderungen und verzögert sich, insbesondere da die Erzeugungskosten noch deutlich über den Zahlungsbereitschaften vieler potentieller Anwendungssektoren liegen.
    Das Paket beinhaltet Maßnahmen in vier Bereichen:

    1. Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff
      Das BMWE will mit verschiedenen Maßnahmen die Verfügbarkeit von Wasserstoff verbessern und die Kosteneffizienz erhöhen. Sowohl heimisch erzeugter als auch importierter Wasserstoff spielt dabei eine wichtige Rolle. Das BMWE setzt daher auf eine pragmatische Anpassung der europäischen Anforderungen an erneuerbaren Wasserstoff, auf verlässliche Stromnetzentgelte und auf kostengünstige Importe aus diversifizierten Lieferländern.
    2. Bedarfsorientierter Infrastrukturaufbau
      Das BMWE verfolgt den bedarfsorientierten und kosteneffizienten Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur als Grundvoraussetzung für den Wasserstoffhochlauf. Neben dem Wasserstoff-Kernnetz beinhaltet das Importkorridore und Wasserstoff-Speicher sowie die Ermöglichung der Transformation von Verteilernetzen durch die Umsetzung des EU Gas-Wasserstoff-Binnenmarktpakets.
    3. Stimulierung der Nachfrage und Reduzierung der Kostenlücke
      Das BMWE setzt gezielt auf eine Stärkung der Nachfrage:
      • Das BMWE legt ein neues Wasserstoff-Fenster im CO2-Differenzkosten (CCfD) Programm für industrielle First Mover mit Haushaltsmitteln von mindestens 1,5 Mrd. EUR auf. Darüber hinaus stehen die CCfD, für die insgesamt bis zu 8,7 Mrd. EUR eingeplant sind, offen für die Teilnahme von Wasserstoff-Projekten.
      • Um die Umstellung von Kraftwerken auf Wasserstoff gezielt anzureizen, fördert das BMWE künftig wie im StromVKG angekündigt die technische Umrüstung von insgesamt 4 GW Kraftwerksleistung. Die Gesetzesgrundlage wird derzeit erarbeitet.
      • Das BMWE schafft darüber hinaus erstmalig einen Leitmarkt für emissionsarmen Stahl. Offshore-Windkraftanlagen müssen nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) Stahl nutzen, der mit erneuerbarem bzw. kohlenstoffarmem Wasserstoff produziert wird, was den Wasserstoffmarkt nachfrageseitig stimuliert.
    4. Stärkung von Governance und Technologieführerschaft
      Der Nationale Wasserstoffrat wird wieder näher an den Beratungsbedarf der Bundesregierung herangeführt. Das BMWE setzt die hierzu im Juni 2026 beschlossene Reform um. Um Technologieführerschaft Deutschlands zu stärken, erstellt das BMWE eine Roadmap für Wasserstoff-Technologien im Rahmen der Hightech-Agenda Deutschland.

    Das Maßnahmenpapier sehen sie hier: Wasserstoff für Resilienz und Zukunftsfähigkeit Deutschlands: Zehn Impulse für den Markthochlauf | BMWE (PDF, 241 KB)

    Quelle: BMWE

  • Neue pharmazeutische Wirkstoffe aus Bakterien im Moor

    Neue pharmazeutische Wirkstoffe aus Bakterien im Moor

    Viele der wichtigsten Medikamente – allen voran Antibiotika – basieren auf Stoffen, die Bakterien in der Natur produzieren. Die Mikroorganismen nutzen diese Wirkstoffmoleküle als biochemische Waffen gegen Konkurrenten, oder sie binden mit ihnen Nährstoffe aus der Umgebung. Wie groß der mikrobielle Werkzeugkasten aus extremen Lebensräumen ist, zeigt eine neue Untersuchung eines Forschungsteams des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU), an der die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), die University of Delaware und das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig beteiligt sind. Die Forschenden nahmen dabei das Erbgut von Bakterien aus einem Moor unter die Lupe, wie sie in der Fachzeitschrift Nature Communications berichten.

    Für ihre Analyse untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Torfproben aus dem Schlöppnerbrunnen-Moor im bayerischen Fichtelgebirge. Mithilfe von Hochdurchsatz-Sequenzierungen und sogenannter Metagenomik – hierbei wird das Erbgut einer gesamten Lebensgemeinschaft direkt aus einer Umweltprobe analysiert – entschlüsselten sie das Genom der dortigen Mikroben. 

    Sie stießen, nach Aussonderung unvollständiger Fragmente, auf knapp mehr als 8.000 sogenannte biosynthetische Gencluster: Erbgutabschnitte, die die Maschinerie für die Synthese von biologisch aktiven Verbindungen kodieren. Was die Forschenden überraschte: Etwa 97 Prozent davon ließen sich keiner bisher bekannten Gencluster-Familie zuordnen. Sie stellen eine bislang unkartierte biochemische Landschaft dar. 

    „Schon ein kleines Moor beherbergt eine erstaunliche Vielfalt an Naturstoffbauplänen. Viele stammen von Mikroorganismen, die wir im Labor bisher nur schwer untersuchen können“, erläutert Erstautor Zander Human von der FSU.   

    Ein Bauplan im Erbgut bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der entsprechende Stoff in der Natur auch gebildet wird. Die Studienautoren gingen deshalb einen Schritt weiter und analysierte die sogenannte Boten- oder Messenger-RNA (mRNA), um die aktiv genutzten Gene im Moor zu erfassen. Ihr bemerkenswertes Ergebnis: Nur etwa 9 bis 27 Prozent der nachgewiesenen Gencluster waren überhaupt aktiv. Bakteriengruppen, die ein großes genetisches Potential für Naturstoffe aufwiesen – mit teils über 20 verschiedenen Bauplänen im Genom –, wiesen im Moor dagegen nur eine begrenzte Stoffwechselaktivität auf.   

    Stattdessen dominierten sogenannte Acidobakterien: Obwohl sie im Vergleich kleinere Gen-Repertoires besitzen, stammten gut zwei Drittel der gemessenen Gensignale von ihnen. Die Daten zeigen zudem ein klares Muster: Die Acidobakterien fuhren die Gene, mit denen sie Naturstoffe produzieren, vor allem dann hoch, wenn sie zeitgleich Enzyme zum Abbau komplexer Pflanzenreste nutzten. Beide Prozesse sind also offenbar direkt miteinander gekoppelt.   

    „Die Zahl der Baupläne allein verrät wenig darüber, was ein Mikroorganismus in seinem Lebensraum tatsächlich macht. Wir müssen auch verstehen, unter welchen Bedingungen er diese Gene einschaltet“, betont Korrespondenzautor Dr. Carl-Eric Wegner von der FSU und der HHU; er war einer der Studienleiter. Er leitete ein mit dem Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ assoziiertes Teilprojekt. Der in Jena ansässige Cluster erforscht, wie mikrobielle Gemeinschaften miteinander interagieren und so das Gleichgewicht in komplexen Ökosystemen aufrechterhalten. Wegner setzte seine Arbeiten an dem Thema fort, nachdem er nach Düsseldorf wechselte. 

    „Moore sind dynamische Lebensräume mit scharfen Umweltgradienten – etwa beim Sauerstoffgehalt oder den verfügbaren Nährstoffen. Unsere Studie zeigt eindrücklich, dass die Produktion von Naturstoffen nicht isoliert stattfindet, sondern eng in das physiologische Gleichgewicht und die Stoffkreisläufe der Mikroben eingebunden ist“, erklärt Prof. Dr. Kirsten Küsel von der FSU, Koautorin der Studie und Sprecherin des Exzellenzclusters.   

    Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die pharmazeutische Biotechnologie bei der gezielten Suche nach künftigen Arzneistoffen. Bisher konzentrierte sich die Naturstoffforschung vor allem auf das Genom-Screening bekannter Bakteriengruppen wie Aktinobakterien oder Pseudomonaden, die eine große Zahl biosynthetischer Gencluster in ihrem Genom tragen. Dr. Zander Human von der FSU, Erstautor der Studie: „Es zeigte sich, dass es nicht ausreicht, nur nach den Genomen mit den meisten Bauplänen zu suchen. Entscheidend ist vielmehr, unter welchen ökologischen Bedingungen Mikroben ihre ‚genetische Werkzeugkiste‘ öffnen. So rücken bisher vernachlässigte Gruppen wie die Acidobakterien rücken in den Fokus der Naturstoffforschung.“ 

    Carl-Eric Wegner: „Diese vermeintlich talentierten Produzenten bleiben in ihrer natürlichen Umwelt jedoch meist stumm. Dies bedeutet für die Praxis: Um die stillen Gencluster im Labor aktivieren zu können, müssen wir gezielt die passenden ökologischen Reize ihres natürlichen Lebensraums nachahmen – etwa indem komplexe Pflanzenfasern oder spezifische Nährstoffreize zugesetzt werden. Zudem eröffnen die bisher meist vernachlässigte und schwer kultivierbare Stammgruppen wie die Acidobakterien möglicherweise den Zugang zu völlig neuartigen Molekülklassen, die künftig etwa im Kampf gegen resistente Keime oder schwere Entzündungskrankheiten dienen können.“

    Originalpublikation

    Zander Rainier Human, Rene Hoover, Clara Chan, Kirsten Küsel und Carl-Eric Wegner. High diversity but limited expression of biosynthetic gene clusters in a peatland microbial community. Nature Communications 17:10529 (2026)

    DOI: 10.1038/s41467-026-78121-8

    Bild: © FSU / Kirsten Küsel

    Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

  • Ein zweites Leben für Turbinenschaufeln in Flugzeugturbinen

    Ein zweites Leben für Turbinenschaufeln in Flugzeugturbinen

    Jahre des Einsatzes bei Temperaturen über 1.000 Grad Celsius und extremen mechanischen Belastungen hinterlassen Spuren in Flugzeugturbinen und den darin verbauten Turbinenschaufeln. Im Betrieb verändert sich ihre Mikrostruktur, und im Werkstoff bilden sich Poren als lokale Defekte. Turbinenschaufeln der ersten Stufe werden daher in der Regel nach etwa 5.000 Flugmissionen – etwa drei bis sechs Jahren – ausgetauscht. Ein Bochumer Forschungsteam untersucht, ob sich die Schaufeln stattdessen verjüngen und erneut einsetzen lassen. So ließen sich Energie und Rohstoffe, insbesondere von kritischen Elementen, einsparen.

    An dem Verfahren arbeiten die Forschenden um Prof. Dr. Sebastian Weber und Dr. Louis Becker vom Lehrstuhl Werkstofftechnik der Ruhr-Universität Bochum im Verbundprojekt „Second_Life“. Das Projekt wird seit August 2026 für drei Jahre im Luftfahrtforschungsprogramm LuFo Klima VII-1 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.

    Kooperationspartner

    Neben dem Verbundkoordinator an der Ruhr-Universität Bochum sind an dem Projekt beteiligt: das Institut für Werkstoffforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln sowie als industrielle Partner Lufthansa Technik, Aalberts Surface Technologies und Otto Fuchs.

    Die Mikrostruktur in den Ausgangszustand zurückführen

    Turbinenschaufeln der ersten Stufe werden wegen der hohen Belastungen aus einkristallinen Nickelbasis-Superlegierungen gefertigt. Die Atome sind in ihrem Inneren in einem durchgehenden Kristallgitter angeordnet, sodass es keine Korngrenzen gibt, die bei hohen Temperaturen Schwachstellen darstellen würden. Trotzdem werden die Schaufeln mit der Zeit geschädigt: „Die Schaufeln werden im Betrieb der Turbine bei hoher Temperatur durch die rotationsbedingten Fliehkräfte auf Zug belastet und durch die sogenannte Kriechermüdung geschädigt“, beschreibt Sebastian Weber. Die dabei entstehenden mikrostrukturellen Schädigungen begrenzen ihre Einsatzdauer.

    Das Forschungsteam will die Bauteile einer Verjüngungskur unterziehen. „Die Wiederherstellung der Mikrostruktur und der mechanischen Eigenschaften soll durch heiß-isostatisches Pressen, kurz HIP, erfolgen“, erklärt Forschungsgruppenleiter Louis Becker. Dabei werden die Turbinen unter einem isostatischen Gasdruck erwärmt und dann schnell wieder abgekühlt. So sollen Schädigungen wie Kriechporen ausheilen und zugleich die Einkristallinität erhalten bleiben. „Ziel ist es, den Neuzustand wiederherzustellen, sodass die Schaufeln nach erneuter Beschichtung mit einer wärmedämmenden Schutzschicht wieder verwendet werden können“, so der Forscher.

    Nachhaltigkeit in der Luftfahrt

    Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt werden zunächst definierte Kriech-Ermüdungsschädigungen unter betriebsnahen Hochtemperaturbedingungen erzeugt. Am Lehrstuhl Werkstofftechnik der Ruhr-Universität Bochum werden anschließend geeignete HIP-Prozessparameter entwickelt und die Veränderungen der Mikrostruktur untersucht. Erfolgreich behandelte Proben wollen die Forschenden erneut mechanisch prüfen, um nachzuweisen, ob neben der Mikrostruktur auch die mechanische Leistungsfähigkeit wiederhergestellt werden kann. „Durch eine Verlängerung der Lebensdauer von Turbinenschaufeln können wir sowohl den Bedarf an neu gefertigten Komponenten als auch den damit verbundenen Energie- und Rohstoffeinsatz senken“, so Sebastian Weber.

    Quelle: Ruhr-Universität Bochum

  • Grüne Innovation aus NRW – Weniger CO₂, mehr Möglichkeiten

    Grüne Innovation aus NRW – Weniger CO₂, mehr Möglichkeiten

    Wie aus einer grünen Gründungsidee konkrete Innovation werden kann, zeigt Greenlyte Carbon Technologies in Essen. 

    Umweltminister Oliver Krischer hat am 19.10.26 das Climate-Tech-Unternehmen besucht und die im Rahmen von Grüne Gründungen.NRW geförderte Pilotanlage besichtigt. Mit rund 800.000 Euro aus EU- und Landesmitteln konnte Greenlyte einen wichtigen Entwicklungsschritt seiner Technologie zur CO₂-Entnahme aus der Luft (Direct Air Capture) realisieren. Die Technologie eröffnet Perspektiven für klimafreundliche Kohlenstoffquellen und synthetische Kraftstoffe, beispielsweise für den Luftverkehr. Greenlyte treibt die Forschung und Entwicklung mit hoher Dynamik voran: Neben der Pilotanlage in Essen ist bereits eine zweite Anlage in Duisburg entstanden. Anfang 2027 soll der Bau einer dritten Anlage in Marl beginnen. So geht es Schritt für Schritt darum, die Technologie weiterzuentwickeln und den Weg in die industrielle Anwendung zu ebnen. 

    Grüne Gründungen. NRW zeigt, wie öffentliche Förderung Innovationen für Klima und Umwelt voranbringen kann. 

    Quelle: Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen

  • JUPITER AI Factory kooperiert mit NVIDIA, um Startups and SMEs zu unterstützen

    JUPITER AI Factory kooperiert mit NVIDIA, um Startups and SMEs zu unterstützen

    Mit ihrer Rechenleistung auf Exascale-Niveau bietet die JUPITER AI Factory (JAIF) einzigartige Möglichkeiten zum Training von KI-Modellen in Europa. Sie eröffnet Start-ups und KMU sowie Forschenden und der Industrie einen kostenlosen, schnellen und einfachen Zugang zu Rechenzeit. Nun erweitert JAIF ihre Infrastruktur und ihr Leistungsspektrum durch die Zusammenarbeit mit dem NVIDIA Inception-Programm für Start-ups.

    JAIF basiert auf JUPITER, Europas erstem Exascale-Supercomputer. Indem JAIF mit NVIDIA Inception zusammenarbeitet – das Start-ups ebenfalls Zugang zu Entwicklertools, Schulungen und einem Netzwerk aus Investoren und technischen Experten bietet – bringt sie ihre enorme Rechenleistung direkt in ein größeres, rasch wachsendes Ökosystem für KI-Innovation ein. Damit erhöht sie ihre Sichtbarkeit bei Start-ups und KMU im deutschen und europäischen KI-Umfeld.

    Diese Kooperation ergänzt die bestehenden Partnerschaften von JAIF und erweitert das Angebot an offenem, herstellerneutralem Zugang zu europäischen KI- und HPC-Ressourcen.

    Wissenstransfer und Kompetenzaufbau für KI und HPC

    Von der Zusammenarbeit profitieren soll die gesamte JAIF-Forschungs- und Entwicklungs-Community, bestehend aus Wissenschaft, Start-ups und KMU. Im Rahmen der geplanten Initiativen werden gezielte Schulungs- und Mentoring-Angebote über Programme von NVIDIA Training für Entwickler:innen und Administrator:innen, das NVIDIA AI Technology Center sowie die Open-Hackathon-Initiative bereitgestellt. Diese Aktivitäten sollen den Wissensaustausch fördern und praktische Kompetenzen für die Entwicklung von KI- und HPC-Anwendungen vermitteln.

    Zudem werden durch die Kooperation die Rechenressourcen und Serviceangebote von JAIF über das NVIDIA Inception-Portal noch sichtbarer. Start-ups und KMU steht eine leistungsstarke, hochmoderne KI-Infrastruktur offen – sowohl über die regulären Antragswege von JAIF als auch über das NVIDIA Inception-Portal als ergänzenden Zugangsweg. Durch diese Kombination sollen für das JAIF-Ökosystem neue Nutzergruppen gewonnen und bestehende Dienstleistungsangebote stärker genutzt werden. JAIF-Anwender erhalten ergänzende Expertise im Wissenstransfer und in den jeweiligen Fachdisziplinen, was die effektive Nutzung der vorhandenen Rechenkapazitäten fördert. Die Verknüpfung eines größeren Ökosystems für KI-Innovation mit europäischen KI- und HPC-Ressourcen soll dazu beitragen, den Einsatz und die Skalierung von KI-Anwendungen in zahlreichen Feldern voranzutreiben – darunter im Gesundheitswesen, in der Energieversorgung, der Fertigung, in den Bereichen Klima und Umwelt, Bildung, Kultur und Medien sowie im öffentlichen Sektor und im Finanz- und Versicherungswesen.

    JUPITER – Schlüsselinfrastruktur für KI und Hochleistungsrechnen

    Integriert in eine breitere, herstellerneutrale Dienstleistungslandschaft ergänzen diese neuen Angebote das Fachwissen der deutschen und europäischen Partner von JAIF. Gleichzeitig treiben sie die KI-Innovation mit JUPITER, Europas erstem Exascale-Supercomputer, voran. Das im September 2025 eingeweihte EuroHPC-System wird von rund 24.000 NVIDIA Grace Hopper-Superchips angetrieben und bildet das zentrale technologische Rückgrat des JAIF-Ökosystems. JUPITER stellt eine Schlüsselinfrastruktur für KI und Hochleistungsrechnen in Deutschland und Europa dar. Um Training und praktische Anwendungen nahtlos miteinander zu verbinden, umfasst das JAIF-Ökosystem zudem JARVIS, eine spezialisierte Cloud-Plattform für fortschrittliche KI-Inferenz und skalierbare Nutzerdienste.

    Langjährige Zusammenarbeit im Bereich Hochleistungsrechnen und GPU-gestützter Forschung

    Das JSC arbeitet in den Bereichen Hochleistungsrechnen und GPU-gestützter Forschung seit vielen Jahren eng mit NVIDIA zusammen. Dazu gehören Entwicklungs- und Optimierungsarbeiten für KI- und HPC-Anwendungen sowie der Betrieb von Forschungs- und Entwicklungslabors, darunter ein NVIDIA Application Lab am Standort Jülich.

    Diese Zusammenarbeit trägt dazu bei, JAIF als eines der führenden KI-Innovationszentren Deutschlands zu stärken und fördert die wirtschaftliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Deutschland und Europa.

    JAIF hat das Ziel, Dienstleistungen anzubieten, die Start-ups und KMU den Zugang zu KI-Anwendungen in großem Maßstab erleichtern. Unsere Zusammenarbeit mit NVIDIA und dessen Inception-Programm trägt maßgeblich dazu bei. Die Partnerschaft stellt sicher, dass die Stärken von JUPITER einerseits und die Flexibilität von JARVIS andererseits voll ausgeschöpft werden können.

    Prof. Dr. Dr. Thomas Lippert, Jülich Supercomputing Centre (JSC), Koordinator von JAIF

    „Deutschlands Forschungseinrichtungen bringen Gründer hervor, die ihre eigenen Modelle trainieren wollen, und dieser Anspruch stößt schon früh an infrastrukturelle Grenzen“, sagt Tobias Halloran, Direktor für EMEAI-Start-ups bei NVIDIA. „Durch diese Zusammenarbeit erhalten Start-ups und KMU im NVIDIA Inception-Programm über JAIF ebenfalls Zugang zu JUPITER für das Training und zu JARVIS für die Inferenz sowie fachkundige Unterstützung bei deren Nutzung. Damit erweitert JAIF seinen Nutzerkreis unter Start-ups und KMU weiter.“

    Über das Jülich Supercomputing Centre (JSC) am Forschungszentrum Jülich

    Das Jülich Supercomputing Centre (JSC) betreibt Systeme für das Hochleistungsrechnen und stellt Wissenschaft und Industrie in Deutschland und Europa Zugang zu modernster Supercomputing-Infrastruktur bereit. Als eines der führenden Supercomputing-Zentren Europas ermöglicht das JSC Forschenden, komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen mit innovativen Methoden aus Simulation, Data Science und Künstlicher Intelligenz anzugehen. Mit seinen Systemen – darunter Europas erster Exascale-Supercomputer JUPITER – unterstützt das JSC interdisziplinäre Forschung in einer Vielzahl wissenschaftlicher Felder und entwickelt Methoden für Recheninfrastrukturen der nächsten Generation. Darüber hinaus betreibt das JSC JUNIQ, eine europäische Quantencomputer-Infrastruktur, die Zugang zu modernsten Quantencomputern bietet und die frühe Erforschung sowie den Einsatz von Quantentechnologien unterstützt. Das JSC ist Teil des Forschungszentrums Jülich (FZJ), Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft.

    Über die JUPITER AI Factory (JAIF)

    Die JUPITER AI Factory (JAIF) ist Teil eines Netzwerks von KI-Fabriken in ganz Europa, das von der EuroHPC JU kofinanziert wird. Im Rahmen dieser Initiative betreut die EuroHPC JU den Aufbau von 19 KI-Fabriken, ergänzt durch 13 KI-Fabrik-Antennen, um die Einführung künstlicher Intelligenz in Start-ups, KMU, der Industrie, der Forschung und im öffentlichen Sektor zu beschleunigen. Basierend auf JUPITER, Europas erstem Exascale-Supercomputer, der von EuroHPC beschafft wurde und vom JSC betrieben wird, bietet JAIF Zugang zu hochmoderner KI-Infrastruktur für Training und Inferenz sowie fachliche Unterstützung, Schulungen und Innovationsangebote, die Organisationen bei der Entwicklung, Skalierung und dem Einsatz von KI-Lösungen unterstützen. Als zentrale Anlaufstelle für KI-Innovation ermöglicht JAIF Anwendungen in Bereichen wie Gesundheit, Energie, Klima, Fertigung, Finanzen, Bildung, Medien und dem öffentlichen Sektor.

    Die JUPITER AI Factory wird vom FZJ koordiniert und vereint die RWTH Aachen University, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT), das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS), hessian.AI sowie AI Factory Antennas in Belgien und Ungarn, um die KI-Innovation und -Anwendung in Europa zu unterstützen.

    Förderung

    JAIF wird durch das EuroHPC Joint Undertaking (JU) finanziert, mit Kofinanzierung durch die Bundesregierung sowie die Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen. Das Gesamtvolumen der Förderung für die AI Factory beträgt 25 Millionen Euro. Zusätzlich wird das mit JAIF verbundene KI-Inferenzsystem JARVIS mit 30 Millionen Euro durch die Bundesregierung und das Land Nordrhein-Westfalen finanziert.

    JUPITER, der „Joint Undertaking Pioneer for Innovative and Transformative Exascale Research“, wird zur Hälfte von der europäischen Supercomputing-Initiative EuroHPC Joint Undertaking (EuroHPC JU) und zu je einem Viertel vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, vormals BMBF) sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) finanziert.

    Quelle: https://www.fz-juelich.de/de/aktuelles/news/pressemitteilungen/2026/jupiter-ai-factory-kooperiert-mit-nvidia-um-startups-and-smes-zu-unterstuetzen

  • KIMIPA: Nachrüstbare Edge-KI soll Pseudoausschuss reduzieren

    KIMIPA: Nachrüstbare Edge-KI soll Pseudoausschuss reduzieren

    Zum Auftakt der Forschungsarbeiten kamen die Projektpartner am 30. September 2026 bei der SDC Control GmbH in Neuenrade zusammen. Dort stimmten Fraunhofer IMS, Scemtec und SDC Control Arbeitspakete, Schnittstellen und die ersten Entwicklungsschritte ab.

    Warum feste Prüfregeln an Grenzen stoßen

    Heutige kamerabasierte Prüf- und Sortieranlagen arbeiten überwiegend mit festen Regeln und Schwellenwerten. Verschmutzungen, wechselnde Lichtverhältnisse oder Fokusabweichungen führen daher regelmäßig dazu, dass einwandfreie Bauteile als Ausschuss deklariert werden. Starre Schwellenwerte können solche Veränderungen nicht ausgleichen, weil sie den Zustand der Anlage nicht kennen.

    »Pseudoausschuss heißt: Wir prüfen und sortieren dieselben Teile mehrfach und kalibrieren zwischendurch von Hand nach. Das mindert die Effizienz der ganzen Linie. Besonders deutlich zeigt sich das in der Lohnsortierung: Wer Bauteile im Kundenauftrag prüft und sortiert, rechnet pro Teil ab, jeder Fehlausschuss kostet unmittelbar Geld«, sagt Dennis Freudenreich, Geschäftsführer der SDC Control.

    © SDC Control GmbH
    Automatisierte optische Bauteilprüfung: Eine Schraube wird auf einem Drehteller unter Auflicht Beleuchtung rundum erfasst. Dies bildet die Grundlage für die KI-gestützte Optimierung des Prüfprozesses

    Edge-KI: Lernen direkt an der Anlage

    Im Zentrum von KIMIPA steht eine universell nachrüstbare Hardwareplattform, auf der KI-Modelle nicht nur ausgeführt, sondern direkt vor Ort nachtrainiert werden. Das System ordnet geprüfte Bauteile den Klassen »in Ordnung«, »nicht in Ordnung« und »Pseudoausschuss« zu und erkennt parallel die Ursache einer Fehlbewertung, zum Beispiel Verschmutzungen, ungünstige Beleuchtung oder eine Prozessabweichung. Angestrebt wird eine Klassifikationsgenauigkeit von mindestens 90 Prozent.

    Die technische Grundlage dafür liefert das Fraunhofer IMS: Mit dem am Institut entwickelten Open-Source-Framework AIfES lassen sich neuronale Netze ausführen, direkt auf Mikrocontrollern trainieren und anpassen. Damit gehört das Fraunhofer IMS zu den wenigen Einrichtungen, die selbstadaptives Lernen auf ressourcenbeschränkter Hardware beherrschen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass KIMIPA ohne Cloud auskommt.

    Erfahrungswissen fließt in das Training ein

    Über eine digitale Benutzeroberfläche kennzeichnen Anlagenmechaniker fehlerhaft aussortierte Teile und bringen so ihr Erfahrungswissen unmittelbar in das KI-Training ein. Umgekehrt liefert das System konkrete Handlungsempfehlungen zur Nachsteuerung, etwa zur Beleuchtung, zur Zuführgeschwindigkeit oder zur Reinigung von Anlagenkomponenten. Perspektivisch soll die Plattform ausgewählte Prozessparameter selbst anpassen und auf Abweichungen in weniger als einer Sekunde reagieren.

    Herstellerunabhängig und nachrüstbar

    Da vorhandene Anlagen weiter genutzt werden sollen, setzt das Konsortium konsequent auf offene Standards und gängige Industrieschnittstellen wie OPC UA und MQTT. Die Lösung ist modular aufgebaut und soll sich herstellerunabhängig in vorhandene Produktions-, Prüf- und Sortierlinien integrieren lassen. Vergleichbare Systeme sind derzeit nicht am Markt verfügbar: Bestehende Ansätze arbeiten entweder regelbasiert, cloudgestützt oder branchenspezifisch geschlossen.

    Vom Prüfaufbau in die Serienfertigung

    In den kommenden Projektphasen werden die entwickelten Verfahren zunehmend unter realen Produktionsbedingungen erprobt. Geplant sind Messreihen an realen Prüfaufbauten sowie die schrittweise Integration in bestehende Anlagen. Im Fokus steht dabei die Übertragbarkeit der KI-Modelle auf unterschiedliche Bauteile, Prüfmerkmale und Anlagentypen.

    Mit KIMIPA leisten die Partner einen Beitrag zur ressourcenschonenden Produktion: Weniger Pseudoausschuss bedeutet kürzere Prüfzeiten, geringeren Material- und Energieeinsatz sowie eine Entlastung des Bedienpersonals. Da die Plattform ohne Cloud-Backend arbeitet, entstehen zudem keine laufenden Betriebskosten für externe Rechenleistung und Datenübertragung. Im Fokus stehen die Lohnsortierung und die optische Qualitätssicherung in der Serienfertigung.

    KIMIPA wird von einem Konsortium aus Mittelstand und Forschung getragen. Neben dem Fraunhofer IMS sind die SDC Control GmbH (Neuenrade) und die Scemtec Hard- und Software für Mess- und Steuerungstechnik GmbH (Reichshof-Wehnrath) beteiligt. Das Fraunhofer IMS erhält eine Fördersumme von 279.720 Euro. KIMIPA läuft seit dem 01. Juni 2026 bis zum 31. Mai 2028. Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) gefördert (Förderkennzeichen: 16KN126526).

    Quelle: https://www.ims.fraunhofer.de/de/Newsroom/Presseinformationen/2026/kimipa–nachruestbare-edge-ki-soll-pseudoausschuss-reduzieren.html

  • Ein molekulares Pendel für effiziente Wasserstoffbildung

    Ein molekulares Pendel für effiziente Wasserstoffbildung

    Enzyme, die besonders effizient Wasserstoff herstellen, müssen dafür extrem schnell Protonen aus dem Lösungsmittel einfangen. Bochumer Forschende haben herausgefunden, wie sie das bewerkstelligen.

    Fast alle Stoffwechselprozesse benötigen Protonen – positiv geladene Wasserstoffatome. Obwohl diese in der Zellflüssigkeit reichlich vorhanden sind, brauchen die beteiligten Biokatalysatoren Mechanismen, um Protonen effizient einzufangen und sie zum Ort der Katalyse zu transportieren. Enzyme aus Mikroorganismen können Wasserstoff (H2) herstellen, indem sie Elektronen mit Protonen kombinieren. Sogenannte Hydrogenasen sind dabei so effizient, dass ein Biokatalysator fast 10.000 Protonen pro Sekunde einfangen kann. Wie sie das machen, hat ein Team der Photobiotechnologie der Ruhr-Universität Bochum aufgeklärt. Die Forschenden berichten im Journal of the American Chemical Society vom 17. Oktober 2026.

    Wie ein Hemmstoff helfen kann, Biokatalysatoren zu verstehen

    Zink ist natürlicherweise in vielen Biokatalysatoren enthalten und wird dort für den Reaktionsmechanismus benötigt. Dabei bindet das Metallion an reaktive Gruppen bestimmter molekularer Bausteine der Enzyme, die Aminosäuren. „Genau durch diese Bindung kann Zink aber auch Biokatalysatoren blockieren“, erklärt Dr. Jifu Duan, Erstautor der aktuellen Arbeit. „Es kann nämlich auch unspezifisch an Stellen andocken, die für die Bindung von Protonen benötigt werden.“

    Forschende der Ruhr-Universität Bochum haben untersucht, wie sich Zink auf die Wasserstoffbildung durch [FeFe]-Hydrogenasen auswirkt. Dabei machten sie eine interessante Entdeckung: „Obwohl wir anhand von Kristallstrukturen sehen konnten, dass Zink an verschiedenen Stellen der [FeFe]-Hydrogenasen bindet, führte die Interaktion an nur einer ganz bestimmten Stelle zur Hemmung“, so Jifu Duan. Diese Stelle liegt ganz in der Nähe des bisher bekannten Protonentransportweges der Hydrogenasen.

    Zink blockiert ein Protonen-transportierendes Pendel

    Das Team um Jifu Duan und Prof. Dr. Thomas Happe konnte zeigen, dass die Bindung von Zink und anderen Metallionen ganz bestimmte Aminosäuren blockiert, nämlich zwei Histidine auf der Oberfläche von [FeFe]-Hydrogenasen. Histidine in Enzymen sind bekannt dafür, Protonen zu binden. Ihre Rolle in [FeFe]-Hydrogenasen war aber bisher nicht untersucht worden. Wenn die Forschenden eines dieser Histidine durch eine andere Aminosäure ersetzten, war der Biokatalysator noch sehr aktiv, aber unempfindlich gegen Zink. Wenn sie jedoch das andere Histidin austauschten, konnte die [FeFe]-Hydrogenase nur noch sehr langsam Wasserstoff bilden.

    Mit Hilfe verschiedener Methoden – Proteinkristallografie, Wasserstoffproduktionstests, Elektrochemie und Molekularsimulationen – konnte das Team zeigen, dass eines dieser beiden Histidine eine Art Pendel bildet. Wenn es zur Enzymoberfläche schwingt, kann es von dem anderen Histidin ein Proton entgegennehmen, und wenn es in das Enzyminnere schwingt, gibt es das Proton an einen bekannten Protonentransportpfad ab. Dabei besitzt dieses Pendel auch einen fixen Drehpunkt: eine weitere Aminosäure, die den Forschenden erst durch die genaue Analyse der Kristallstrukturen aufgefallen war.

    Führte die Evolution des Protonenpendels zu besonders effizienten Hydrogenasen?

    Heute kennt man viele verschiedene Gruppen von [FeFe]-Hydrogenasen. Dabei scheinen nur Mitglieder der Gruppe A die besonders hohen Umsatzraten zu leisten, die diese Biokatalysatoren auch für biotechnologische Anwendungen so spannend machen. „Wir haben auch in anderen Gruppen von [FeFe]-Hydrogenasen nach unserem Pendel gesucht, aber es scheint nur in der Gruppe A vorzukommen“, berichtet Thomas Happe. „Wir glauben, dass die beiden Histidine für ihr schnelles Einfangen von Protonen und damit für ihre hohe Aktivität verantwortlich sind.“

    In der Evolution könnte dies zur Spezialisierung dieser Gruppe von Hydrogenasen geführt haben. Die Erkenntnisse können helfen, molekulare Mechanismen anderer Hydrogenasen besser zu verstehen und vielleicht besser geeignete Biokatalysatoren für biobasierte Industrieprozesse herzustellen. Aber sie sind auch wichtig für das Verständnis des H2-Stoffwechsels in lebenden Organismen, der für viele Ökosysteme eine wichtige Rolle spielt.

    Quelle: https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2026-10-19-biologie-ein-molekulares-pendel-fuer-effiziente-wasserstoffbildung

  • Von der Forschung in die Anwendung:neues Zentrum für Holzbauforschung

    Von der Forschung in die Anwendung:neues Zentrum für Holzbauforschung

    Das Aachener Zentrum für Holzbauforschung (AZH) am Eifelcampus Simmerath
    wird heute feierlich eröffnet. Die FH Aachen bündelt dort ihre Kompetenzen in
    der Holzbauforschung und entwickelt mit moderner Technik innovative Lösungen
    für das Bauen mit Holz. Gemeinsam mit dem Handwerk bringt sie Forschung
    direkt in die Anwendung.

    Der nachwachsende Rohstoff Holz ist der Baustoff der Stunde – die Nutzung hat
    in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Aktuell steht der Holzbau vor neuen
    Herausforderungen. „Zukünftig werden verstärkt Laubhölzer im Bauwesen
    eingesetzt“, sagt Prof. Dr. Thomas Uibel. Für die Nutzung von Birke, Bergahorn
    und Roteiche müssten das Trag- und Verformungsverhalten erforscht,
    Bauprodukte entwickelt und Normen überarbeitet werden. Gleiches gilt für
    komplexe Bauvorhaben wie mehrstöckige Holzhäuser und große
    Gewerbebauten. Wie innovative Lösungen für den Einsatz von Holz als Baustoff
    aussehen können, erforscht die FH Aachen im neuen AZH. Die Bandbreite der
    Projekte reicht von der Entwicklung dauerhaft haltbarer Holzbrücken über
    Wandelemente und mehrgeschossigen Holzbau bis hin zu unterschiedlichen
    Verbindungselementen.

    Die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-
    Westfalen, Silke Gorißen, betont: „An Holz als Rohstoff und der effizienten
    Holzverwendung führt kein Weg vorbei. Wir brauchen unsere Wälder und das
    aus ihnen nachhaltig gewonnene Holz im Klimawandel mehr denn je. Unser Ziel
    in Nordrhein-Westfalen ist es, die Wälder zu klimastabilen Mischwäldern
    umzubauen, was zu einem höheren Laubbaumanteil führen wird. Insbesondere
    mit Blick auf die Entwicklung innovativer Laubholzverwendungen im Holzbau
    sind die Leistungen und die hochmodernen Möglichkeiten des neuen Aachener
    Holzbauzentrums wichtig.“

    Zwei Aspekte machen Holzbauforschung – und die Arbeit im AZH – besonders
    spannend. Zum einen ist Holz ist ein lebendiger Werkstoff, jede Holzart verhält
    sich aus bautechnischer Sicht unterschiedlich. Und selbst innerhalb der einzelnen
    Arten gibt es Unterschiede, etwa aufgrund der Herkunftsregion oder des Alters
    der Bäume. All diese Faktoren werden bei den Forschungsprojekten
    berücksichtigt. Die andere Herausforderung ist, dass Versuche mit Holz
    grundsätzlich im Bauteilmaßstab gemacht werden – ergänzt um aufwendige
    Simulationen und Berechnungen. Um auch Bauteile und Verbindungen in
    „Originalgröße“ testen zu können, verfügen die FH-Forschenden im AZH über
    beeindruckende Maschinen: Die Zug-Druck-Spindelmaschine etwa ist rund 8
    Meter hoch. Sie belastet die Prüfkörper mit bis zu 600 Kilonewton (kN); das
    entspricht einem Gewicht von 60 Tonnen. Ebenso können im AZH
    Wandelemente aus Holz getestet werden, die eine Fläche von bis zu 6 mal 4
    Metern haben. Auf dem Biegeprüfstand schließlich werden Holzträger von bis zu 15 Metern Spannweite geprüft, die etwa im gewerblichen Hallenbau zum Einsatz
    kommen. Gemeinsam mit seinen Holzbauprofessorenkollegen Leif Arne Peterson
    und Wilfried Moorkamp übernimmt Uibel die wissenschaftliche Leitung des AZH.
    Sie betonen: „Diese Versuchsergebnisse dienen der Validierung von analytischen
    sowie numerischen Untersuchungen und bilden somit eine Basis für zukünftige
    Normen und Zulassungen von Bauprodukten im Holzbau.“

    Wenn es um mehrgeschossiges Bauen mit Holz geht, spielen Verbindungen eine
    entscheidende Rolle. Ein Ziel der FH-Fachleute ist, klebstofffreie Lösungen zu
    entwickeln, die seriell gefertigt werden können. Im Handwerk sind etwa
    Schwalbenschwanzverbindungen seit Langem im Einsatz – nun geht es darum,
    diese tradierte Technik mit modernen digitalen Produktionsmethoden zu
    kombinieren. In einem Forschungsprojekt geht es um die Frage, wie solche
    Methoden zur klebstofffreien Herstellung von Balkenschichtholz eingesetzt
    werden können. Das kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn Balken mit großer
    Spannweite benötigt werden. Ein zweiter Forschungsbereich sind
    Systemlösungen für den mehrgeschossigen Holzbau. Vielfach wiederkehrende
    Bauteile und Anschlüsse werden typisiert und standardisiert; hierdurch werden
    technisch ausgereifte, wirtschaftliche und einfach berechenbare Konstruktionen
    ermöglicht.

    „Hier in Simmerath arbeiten Forschung, Innovation und Praxis Hand in Hand.
    Wir spielen uns die Bälle gegenseitig zu“, sagt Prof. Dr. Thomas Ritz, Rektor der
    FH Aachen. Das AZH ist Teil des neuen Eifelcampus: Er soll den Transfer von
    akademischen Forschungsergebnissen in die Baupraxis ermöglichen und
    gleichzeitig dem Handwerk Wege zur Nutzung neuer Technologien und Verfahren
    aufzeigen. „Der Eifelcampus in Simmerath eröffnet uns ganz neue
    Möglichkeiten“, sagt Prof. Uibel. „In enger Zusammenarbeit von Wissenschaft
    und Wirtschaft können wir das Bauen mit Holz entscheidend voranbringen.“
    Ein wichtiger Teil des Eifelcampus ist das Bildungszentrum BGZ Simmerath der
    Handwerkskammer Aachen (HWK). Das Aufgabenspektrum im Handwerk
    verschiebt sich derzeit. Digitalisierung und Vernetzung halten auch hier Einzug –
    das lässt sich etwa am Beispiel BIM (Building Information Modeling) illustrieren.
    Die verschiedenen Gewerke sowie Architekt:innen und Bauingenieur:innen
    tauschen sich auf der Baustelle mit Hilfe von virtuellen 3-D-Modellen aus, etwa
    wenn es um die fachmännische Umsetzung von Bauplänen in der Praxis geht.
    Die enge Kooperation am Eifelcampus soll gewährleisten, dass der gegenseitige
    Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Handwerk
    funktioniert.

    Der Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung ist nur in
    gemeinschaftlicher Anstrengung möglich. Neben der FH und der HWK sind auch
    zahlreiche Unternehmen, Betriebe, Institutionen und Verbände beteiligt, die die
    gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von der Forstwirtschaft über
    Planungs- und Ingenieurbüros bis hin zu verarbeitenden Betrieben und
    Bauunternehmen. Gerade in der Eifel spielt die Branche eine große
    wirtschaftliche Rolle. Bernd Goffart, Bürgermeister der Gemeinde Simmerath,
    betont: „Hier entsteht echter Mehrwert für die Region.“ Wie wichtig die
    Holzwirtschaft für Nordrhein-Westfalen ist, zeigen Zahlen des Zentrums für Wald
    und Holzwirtschaft beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. 12.000
    Unternehmen machen landesweit 31 Milliarden Euro Umsatz jährlich, sie
    beschäftigen rund 130.000 Erwerbstätige.

    Quelle: https://www.fh-aachen.de/aachener-zentrum-fuer-holzbauforschung

  • Neue Einblicke in die Chemie der Sternentstehung

    Neue Einblicke in die Chemie der Sternentstehung

    Wie verändern junge Sterne die Wolken, aus denen sie entstanden sind? Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Dr. Brandt Gaches von der Universität Duisburg-Essen hat ein hochauflösendes 3D-Modell entwickelt, das neue Einblicke ermöglicht: Es zeigt, wie Schatten in Sternentstehungsgebieten chemische Prozesse verändern. Das beeinflusst auch die Infrarotstrahlung, die das James-Webb-Weltraumteleskop beobachtet. Die Ergebnisse sind jetzt in Astronomy & Astrophysics erschienen.

    Sterne entstehen in riesigen Wolken aus kaltem Gas und Staub. Beginnen junge, massereiche Sterne zu leuchten, trifft ihre intensive ultraviolette Strahlung auf das umgebende Material: Sie heizt das Gas auf, spaltet Moleküle und setzt in den äußeren Schichten der Wolken zahlreiche chemische Reaktionen in Gang. Fachleute sprechen hier von Photodissoziationsregionen oder photondominierten Regionen. Das Licht aus diesen Zonen verrät Astronom:innen viel darüber, wie Sterne entstehen und wie Gas später erneut zur Grundlage für neue Sterne und Planeten wird – in unserer eigenen Galaxie ebenso wie in weit entfernten Galaxien.

    „Die Orion Bar ist ein ideales natürliches Labor, um diese Prozesse zu untersuchen“, sagt Dr. Brandt Gaches. Die markante Struktur im Orionnebel liegt rund 1.350 Lichtjahre von der Erde entfernt. „Wir blicken nahezu von der Seite auf sie, sodass sich ihre unterschiedlichen chemischen Schichten besonders gut unterscheiden lassen. Deshalb gilt sie als wichtiger Referenzfall, um Modelle photondominierter Regionen zu überprüfen“, erklärt Gaches, der an der Universität Duisburg-Essen (UDE) eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe zur Molekül-Astrophysik leitet.

    Bisherige Modelle stellten die Orion Bar meist als Abfolge eindimensionaler Schichten dar. Tatsächlich sind interstellare Wolken jedoch unregelmäßig: Dichte Bereiche wechseln sich mit weniger dichtem Material ab. Das neue Modell bildet diese komplexe dreidimensionale Struktur mit hoher räumlicher Auflösung nach. So lässt sich unter anderem verfolgen, wie molekularer Wasserstoff – das häufigste Molekül im Universum – auf die intensive Strahlung junger Sterne reagiert.

    Zu berechnen, wie sich die Strahlung durch diese komplexe 3D-Struktur ausbreitet, erfordert allerdings enorme Rechenleistung. „Wir haben einen neuen, besonders effizienten Algorithmus entwickelt, um diesen rechnerischen Engpass zu überwinden. Dadurch konnten wir die Orion Bar erstmals dreidimensional mit einer bisher unerreichten räumlichen Auflösung modellieren“, ergänzt Dr. Zhengping Zhu vom Zhejiang Lab in China, der den dafür eingesetzten Raytracing-Algorithmus entwickelt hat.

    Die Simulationen zeigen, wo wichtige chemische Veränderungen stattfinden: etwa dort, wo aus atomarem Wasserstoff molekularer Wasserstoff entsteht oder ionisierter Kohlenstoff zu neutralem Kohlenstoff wird. Zugleich zeigen sie, wie die ungleichmäßige Bögen und Filamente hervorbringen kann, wie sie auch das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) beobachtet. Besonders dichte Bereiche blockieren einen Teil der einfallenden Strahlung. Dahinter entstehen Schatten und geschützte Zonen, in denen andere chemische Bedingungen herrschen.

    „Die dreidimensionale Struktur des Gases macht einen entscheidenden Unterschied“, sagt Gaches. „Sie erzeugt Schatten und schützt Teile der Wolke vor der intensiven Strahlung. Das verändert die Chemie – und hinterlässt deutliche Spuren in der Strahlung, die wir vom Infrarot- bis in den Radiowellenbereich beobachten.“

    Das Modell kann außerdem vorhersagen, wie eine solche Region für das JWST aussehen müsste. Diese simulierten Bilder können die Forschenden direkt mit den tatsächlichen Beobachtungen des Teleskops vergleichen. So lässt sich genauer nachvollziehen, wie die räumliche Struktur von Sternentstehungsgebieten ihre Chemie prägt – und was einfachere eindimensionale Modelle dabei übersehen.

    Weitere Informationen

    Originalpublikation:https://doi.org/10.1051/0004-6361/202660769

    Bildunterschrift: Modell und Beobachtung im Vergleich: Das neue 3D-Modell eines Orion-Bar-Analogons (links) zeigt die Dichteverteilung in der Wolke und wo wichtige chemische Prozesse ablaufen. Rote Konturen markieren Bereiche, in denen molekularer Wasserstoff (H₂) entsteht; blaue Konturen zeigen, wo ionisierter Kohlenstoff (C⁺) zu neutralem Kohlenstoff (C) rekombiniert. Rechts sind Daten des James-Webb-Weltraumteleskops von der Orion Bar zu sehen. Der Rahmen markiert ungefähr den Ausschnitt und die Ausrichtung, die das Modell abbildet.

    Kontakt:

    Dr. Brandt Gaches, Fakultät für Physik, Universität Duisburg-Essen, E-Mail: brandt.gaches@uni-due.deWebsite: https://www.brandt-gaches.space/

    Dr. Brandt Gaches leitet an der Universität Duisburg-Essen die Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „Towards the Next Generation in Cosmic Ray Astrochemistry“. Dort untersucht er, welche Rolle kosmische Strahlung bei der Sternentstehung und in der Astrochemie spielt. Seine Forschung verbindet dreidimensionale chemische Modelle mit Beobachtungen des James-Webb-Weltraumteleskops. So untersucht er die Chemie dichter Molekülwolken und die Umgebung junger Sterne.

    Quelle: https://www.uni-due.de/2026-10-13-pulikation-astronomy-and-astrophysics-3d-model