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  • Schlüsseltechnologie für photonische Quantum Prozessor Units: Universität Paderborn koordiniert neues Verbundprojekt

    Schlüsseltechnologie für photonische Quantum Prozessor Units: Universität Paderborn koordiniert neues Verbundprojekt

    Quantentechnologien in Deutschland machen enorme Fortschritte, insbesondere im Computing, in der Kommunikation und Sensorik. Die Forschenden und Entwickler*innen stehen jedoch vor vielen technischen sowie geopolitischen Herausforderungen in der Neu- und Weiterentwicklung. Mit der Fördermaßnahme „Enabling Technologies für resiliente F&E-Lieferketten in den Quantentechnologien“ fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) vorwettbewerbliche Verbundprojekte, die sich mit der Neu- und Weiterentwicklung der Grundlagentechnologien für Quantencomputer und Quantensensorik beschäftigen. Unter Koordination der Universität Paderborn startete jetzt das Verbundprojekt „Detector Engineering to Enable Quantum Technology” (DETEQT) und wird über einen Zeitraum von drei Jahren mit rund sechs Millionen Euro gefördert. 

    Projekt definiert Skalierbarkeit und Interoperabilität neu

    Photonische Quantum Prozessor Units (QPUs) sind unentbehrlich im photonischen Quantencomputing, der Quantenkommunikation und Sensorik. Sie können zwar einen Vorteil gegenüber klassischen Elementen aufweisen, sind allerdings durch ihre Einzelphotonendetektorsysteme in ihrer Funktionalität oft eingeschränkt. Das Projekt „DETEQT“ hat das Ziel, diese Einschränkungen aufzuheben und die QPUs auf Basis von sogenannten Nanodrahteinzelphotonendetektoren (SNSPDs) ganzheitlich weiterzuentwickeln. 

    „Obwohl einzelne SNSPDs separat die strengen Leistungsmerkmale erreichen, photonische QPUs zu ermöglichen, bleibt es eine große Herausforderung, diese Leistung integriert in der QPU zu erhalten, und zwar auf der benötigten Skala. Aktuell stoßen photonische QPUs deswegen an klare Grenzen, sei es durch die begrenzte Detektor-Ausbeute, die kryogene Wärmebelastung, die verlustarme Integration mit anderen Bauteilen oder die mangelnde Photonenzahlauflösung, kurz PNR. Mit unserem Projekt wollen wir diese technischen Hürden ganzheitlich überwinden und das Problem der mangelhaften Interoperabilität lösen. So schaffen wir die Voraussetzung für eine praxistaugliche Integration“, erklärt Prof. Dr. Tim Bartley, Koordinator des Verbundprojekts und Gruppenleiter am Institut für Photonische Quantensysteme (PhoQS) und dem Department Physik der Universität Paderborn. 

    Starkes Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft

    Gemeinsam entwickeln und forschen in diesem Projekt die Universität Paderborn, die Technische Universität München, die Universität Heidelberg, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, die Swabian Instruments GmbH, die Munich Quantum Instruments GmbH, das Leibniz-Institut für Photonische Technologien, die Single Quantum Germany GmbH, die Universität Münster, die Pixel Photonics GmbH, die Quandela GmbH und der assoziierte Partner attocube systems GmbH.

    Zeitgleich startet auch das Cluster „Photonische Systemtechnik“ welches insgesamt sieben Verbundprojekte der Förderlinie umfasst und ebenfalls von der Universität Paderborn, unter Leitung von Prof. Bartley, koordiniert wird. Das Cluster repräsentiert die gebündelte Kraft von Forschungsinstituten, Universitäten, Start-ups und dem Mittelstand unter einer Dachmarke. Dieses Netzwerk steht für die strategische Bedeutung der Photonik als „Enabling Technology“ der Quantenforschung, das nicht nur den Wissenstransfer zwischen den Verbundprojekten fördern, sondern auch Brücken zu anderen Projekten im Bereich Quantentechnologie in Deutschland schlagen möchte.

    Quelle: Universität Paderborn

  • Quantencomputer JION in Jülich feierlich in Betrieb genommen

    Quantencomputer JION in Jülich feierlich in Betrieb genommen

    Das Forschungszentrum Jülich und das Siegener Start-up eleQtron haben JION eingeweiht. Der in Nordrhein-Westfalen entwickelte Quantencomputer soll künftig über die Nutzer-Infrastruktur JUNIQ Forschung und Industrie offenstehen und hybride Berechnungen mit den Jülicher Supercomputern ermöglichen. Ministerpräsident Hendrik Wüst MdL und Wissenschaftsministerin Ina Brandes MdL würdigten JION als technologischen Meilenstein.

    Feierliche Einweihung mit Gästen der Landesregierung

    Im Mittelpunkt der Zeremonie am Jülich Supercomputing Centre (JSC) des Forschungszentrums Jülich stand der gemeinsame politische, wissenschaftliche und technologische Aufbruch. Ministerpräsident Wüst und Ministerin Brandes unterstrichen die Bedeutung von JION für den Forschungs- und Industriestandort Nordrhein-Westfalen. Die Einweihung verdeutlichte den Schulterschluss von Politik, Forschung und Wirtschaft. Als symbolischer Teil der Zeremonie wurde erstmals öffentlich eine Rechenoperation auf JION demonstriert.

    JION – kurz für „Jülich trapped-ION quantum computer“ – ist ein digitaler, gatterbasierter Ionenfallen-Quantencomputer. Seine Qubits bestehen aus ionisierten Ytterbium-Atomen, die durch elektromagnetische Felder im Vakuum gehalten und für die Berechnungen gezielt kontrolliert werden. Anders als bei supraleitenden Systemen muss der Quantenprozessor nicht bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt betrieben werden. Zur Steuerung der Qubits setzt JION auf die in Siegen entwickelte MAGIC-Technologie („Magnetic Gradient Induced Coupling“). Dabei sorgen Mikrowellen und gezielt erzeugte Unterschiede im Magnetfeld dafür, dass sich die Qubits einzeln kontrollieren und direkt miteinander verbinden lassen. Das vereinfacht die Steuerung und kann in Zukunft den Bau größerer, leistungsfähigerer Quantensysteme erleichtern.

    Vom Projektstart zum integrierten System

    JION wird im Rahmen des Projekts „Entwicklungspartnerschaft Ionenfallen-Quantencomputer in NRW“ (EPIQ) realisiert. Beim Projektstart im März 2024 in Siegen hatten das JSC und eleQtron angekündigt, gemeinsam einen modularen Superrechner zu entwickeln, der aus einem Quantenmodul und mehreren klassischen digitalen Modulen aufgebaut ist. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fördert die auf viereinhalb Jahre angelegte Partnerschaft mit rund 21 Millionen Euro. EPIQ ist aus dem Netzwerk „EIN Quantum NRW“ hervorgegangen.

    Mit der heutigen Einweihung ist aus diesem Vorhaben ein betriebsbereites System am Forschungszentrum Jülich geworden. JION soll neue Perspektiven für Anwendungen in Wissenschaft und Industrie eröffnen, etwa bei Optimierungsaufgaben in Logistik, Verkehr und Verfahrenstechnik, in Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Materialforschung sowie beim maschinellen Lernen.

    UNIQ: Zugang und hybride Nutzung

    JION wird in die JUelicher Nutzer-Infrastruktur für Quantencomputing (JUNIQ) eingebunden und dadurch Teil der modularen Supercomputer-Architektur des Forschungszentrums Jülich. JUNIQ bündelt den Zugang zu unterschiedlichen Quantensystemen und verbindet sie mit der Hochleistungsrechen (HPC)-Infrastruktur des JSC. Dank JUNIQ können bei der Verwendung klassischer JSC-Supercomputer bestimmte Rechenoperationen gezielt an Quantensysteme ausgelagert werden.

    Forschende und Unternehmen können zukünftig mit JION hybride HPC-Quantencomputing-Arbeitsabläufe testen und Anwendungen vorbereiten. Damit macht JUNIQ den Rechner zu mehr als einem Demonstrator und stärkt Jülich als Integrations-, Referenz- und Nutzerstandort. Im Rahmen von EPIQ werden für JION zudem Service, Support und Training für Wissenschaft und Industrie angeboten.

    Nächster Schritt: Skalierung und industrielle Anwendung

    Im Rahmen der Einweihung überreichte Ministerpräsident Hendrik Wüst den Förderbescheid für SQALING („Skalierbares Quantencomputing aus NRW“). Das eigenständige Entwicklungsprojekt von eleQtron wird vom Land Nordrhein-Westfalen mit bis zu rund 25 Millionen Euro aus Mitteln der EU über das EFRE/JTF-Programm NRW gefördert. Ziel ist es, die in Siegen entwickelte Ionenfallen-Technologie zu skalierbaren, chipbasierten Quantencomputer-Plattformen weiterzuentwickeln, die perspektivisch auch industriell eingesetzt werden könnten. Während JION zeigt, was bereits aufgebaut wurde, steht SQALING für den nächsten Entwicklungsschritt. Gemeinsam sollen beide Projekte dazu beitragen, technologisches Know-how und wirtschaftliche Wertschöpfung in Deutschland zu stärken.

    Ebenso überreicht wurde der Förderbescheid zum neuen Projekt Q-STAR.NRW. Ziel von Q-STAR.NRW ist die Beschaffung und Integration eines skalierbaren-Halbleiter-Quantencomputers in JUNIQ – zur Stärkung von Forschung, Industriekooperationen und Strukturwandel im Rheinischen Revier. Das Projekt, gefördert mit bis zu rund 35 Millionen Euro aus Mitteln der Strukturförderung Rheinisches Revier gemäß Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG) und des Landes NRW, sieht die Integration eines Systems mit bis zu 200 Qubits vor. Wie EPIQ und SQALING stärkt Q-STAR.NRW die Technologiesouveränität Nordrhein-Westfalens, erhöht die internationale Sichtbarkeit des Rheinischen Reviers als Hochtechnologiestandort und etabliert ein leistungsfähiges Innovationsökosystem für Quantencomputing, das langfristig Wertschöpfung, neue Industrien und nachhaltige Beschäftigung in der Region ermöglicht.

    Stimmen zur Einweihung

    „Quantentechnologien bieten riesige Chancen. Nordrhein-Westfalen hat längst vorgelegt. Unser Ziel ist klar: Deutschland soll weltweit führender Quantenstandort werden, mit Nordrhein-Westfalen als starkem Motor. Wir sind das Quanten-Pionierland, hier wurden die ersten Durchbrüche bei Quanten-Hardware in Deutschland erzielt. Der neue JION-Quantencomputer zeigt exemplarisch, was gelingen kann, wenn wir unsere starke Quantencomputing-Start-up-Landschaft mit unserer Spitzenforschung vernetzen. Das Rennen um die Technologieführerschaft im Quantencomputing ist international noch offen. Unser Land hat alle Möglichkeiten, um ganz vorne mitzuspielen. Dazu vernetzen wir Wissenschaft und Wirtschaft im Bereich Quantentechnologien gezielt und systematisch. Wir wollen das Quantenökosystem aus Nordrhein-Westfalen unersetzbar machen.“

    Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen

    „Schnelle, ressourcenschonende Rechner werden künftig DER Schlüssel zu Innovationen sein, die das Leben der Menschen besser und sicherer machen: in der Medizin, in der Materialforschung, in der Cybersicherheit. Mit der Anbindung von JION in das Rechnernetz des Forschungszentrums Jülich schaffen wir deutschlandweit einmalige Möglichkeiten für Wissenschaft und Industrie, Innovationen schneller voranzutreiben. Mein großer Dank gilt allen Beteiligten, die diesen Meilenstein möglich gemacht haben: Dem Forschungszentrum Jülich, eleQtron – dem Start-up, das aus der Universität Siegen gegründet wurde, und der Plattform ‚EIN Quantum NRW’, das mit seiner Vernetzung aller Akteure maßgeblich zum Erfolg dieses Projektes beigetragen hat.“

    Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

    „Ein souveränes Europa braucht technologische Stärke – und die schaffen wir hier im Rheinischen Revier. Quantentechnologien gehören zu den spannendsten und vielversprechendsten Technologien unserer Zeit, da sie enorme Chancen für schnelle und sichere digitale Prozesse bieten und intelligente Lösungen für die wichtigen Herausforderungen unserer Zeit. Hier wird Spitzentechnologie gefördert, die vielen Unternehmen aus Chemie, Pharma, Logistik zugute kommt – und mit ihren Produkten allen Menschen.“

    Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

    „Mit JION bringen wir in Jülich einen in Nordrhein-Westfalen entwickelten Quantencomputer mit unserer leistungsfähigen Supercomputing-Infrastruktur zusammen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für das Zusammenspiel von Quanten- und Hochleistungsrechnen und ermöglichen, Quantencomputing für konkrete Fragestellungen in Forschung und Industrie einzusetzen.“

    Prof. Astrid Lambrecht, Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich

    „JUNIQ öffnet den Zugang zu unterschiedlichen Quantencomputern und macht ihre Leistungsfähigkeit vergleichbar. Mit JION erweitern wir diese einzigartige Nutzerplattform um ein Ionenfallen-System aus Nordrhein-Westfalen und verbinden es mit unserer HPC-Infrastruktur – für Forschung und industrielle Anwendungen.“

    Prof. Kristel Michielsen, Leiterin des Jülich Supercomputing Centre

    „Mit JION bringen wir unsere Ionenfallen- und MAGIC-Technologie in eine der führenden europäischen Nutzerinfrastrukturen für Quantencomputing. Gemeinsam mit dem Jülich Supercomputing Centre schaffen wir die Voraussetzungen, um das System weiterzuentwickeln, in hybride Rechnerarchitekturen einzubinden und perspektivisch für Industrie und Wissenschaft zugänglich zu machen.“

    Jan Henrik Leisse, Mitgründer und CEO von eleQtron

    Quelle: Forschungszentrum Jülich

  • NRW.BANK beteiligt sich erstmals an Defence-Tech-Start-up

    NRW.BANK beteiligt sich erstmals an Defence-Tech-Start-up

    Die NRW.BANK beteiligt sich erstmals an einem Defence-Start-up und investiert im Rahmen einer Finanzierungsrunde 500.000 Euro in Skylance aus Hürth bei Köln. Dazu wandelt die Förderbank ein Wandeldarlehen in eine Beteiligung um und stellt zusätzliches Kapital bereit. Insgesamt sammelte das Start-up in der Finanzierungsrunde mehr als eine Million Euro von Investoren ein. Skylance entwickelt mit dem „DroneHammer“ ein Drohnenabwehrsystem, das aktuell gemeinsam mit der Bundeswehr erprobt und weiterentwickelt wird.
     
    „Start-ups können mit neuen Technologien einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit und Resilienz unseres Landes leisten“, sagt Gabriela Pantring, Vorsitzende des Vorstands der NRW.BANK. „Damit aus solchen Ideen marktfähige Lösungen werden, brauchen junge Unternehmen ausreichend Kapital. Mit unserer Beteiligung an Skylance schaffen wir dafür die nötige finanzielle Grundlage.“
     
    Drohnenabwehr gewinnt an Bedeutung
    Die Bedrohung durch Drohnen ist in Deutschland deutlich gewachsen. Das Bundeskriminalamt erfasste 2025 mehr als 1.000 verdächtige Drohnenflüge. Wie konkret das Risiko ist, zeigte sich erst jüngst am Flughafen Leipzig/Halle, wo eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt wurde. Entsprechend wächst der Bedarf an Technologien, die Drohnen schnell und kosteneffizient abwehren können.
     
    Kosteneffiziente Technologie zur Drohnenabwehr
    An einer solchen Lösung arbeitet Skylance. Das Start-up, das 2025 von Philipp Bohne, Dr. Tobias de Taillez und Dr. Olaf Wollersheim gegründet wurde, entwickelt Technologien zur Drohnenabwehr. Kernprodukt ist der „Dronehammer“, ein lasergesteuerter Lenkflugkörper, der kleinere Drohnen zerstören kann.
     
    Der rund 700 Gramm schwere Flugkörper erreicht eine Geschwindigkeit von mehr als 600 Kilometern pro Stunde. Bei der Zielerfassung und -verfolgung setzt Skylance auf eine Kombination aus Laserenergie, Softwarealgorithmen und Bildverarbeitung. Der Stückpreis für den Dronehammer liegt bei weniger als 3.000 Euro und damit nach Angaben des Unternehmens deutlich unter dem Preis herkömmlicher Systeme. Damit soll auch die Abwehr günstiger Drohnen kosteneffizienter als bislang möglich sein.
     
    Kapital für die weitere Entwicklung
    Die NRW.BANK hat Skylance mit einem Wandeldarlehen über 200.000 Euro unterstützt, das nun in eine Beteiligung an dem Unternehmen gewandelt wird. Darüber hinaus investiert sie im Zuge der Finanzierungsrunde 300.000 Euro zusätzliches Kapital. Neben der NRW.BANK beteiligt sich ein Konsortium aus erfahrenen Unternehmern und Investoren aus dem Investment Advisory Club Düsseldorf „IACD e.V.“.
     
    Skylance erprobt und entwickelt die Technologie aktuell gemeinsam mit der Bundeswehr weiter. Das neue Kapital soll vor allem dazu dienen, diese Entwicklung zu beschleunigen und die nächsten Schritte in Richtung Industrialisierung und Serienfertigung vorzubereiten.

    Quelle: NRW.BANK

  • Zwei zukunftsweisende Projekte aus Duisburg – „CellPort – Network for Smart Logistics“ und „D3AM Field Lab“ erhalten Millionenförderung aus dem 5-StandorteProgramm

    Zwei zukunftsweisende Projekte aus Duisburg – „CellPort – Network for Smart Logistics“ und „D3AM Field Lab“ erhalten Millionenförderung aus dem 5-StandorteProgramm

    Ministerin Neubaur: Mit gleich zwei technologieorientierten Projekten stellt Duisburg die Weichen für den Strukturwandel

    Damit gute Ideen schneller in Anwendung kommen, entwickeln am Duisburger Hafen künftig Start-ups, Unternehmen und Wissenschaft gemeinsam innovative Logistiklösungen für den „Hafen der Zukunft“: Autonome Fahrzeuge zum Warentransport, Echtzeitsteuerung von Kränen, Kameras und Sensoren zur Überwachung von Waren, Fahrzeugen und Maschinen werden hier im Realbetrieb getestet. 

    Wirtschaftsstaatssekretär Paul Höller überreichte für dieses zukunftsweisende Strukturwandelprojekt „CellPort – Network for Smart Logistics“ nun einen Förderbescheid aus dem 5-StandorteProgramm  an Oberbürgermeister Sören Link und Vertreterinnen und Vertreter der Universität Duisburg-Essen, der Duisburg Business & Innovation GmbH und der startport GmbH für Cell Port. Einen weiteren Förderbescheid erhält das Projekt D3AM Field Lab ­ – ein regionales 3D-Druckzentrum für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-Ups an der Universität Duisburg-Essen. 

     Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „Wir müssen kluge Ideen schneller in Anwendung bringen. Es freut mich sehr, dass Duisburg mit gleich zwei Projekten zu Zukunftstechnologien die Weichen für den Strukturwandel stellt. Mit „CellPort – Network for Smart Logistics“ wird der Duisburger Hafen zum Reallabor für die Logistik von morgen und schafft optimale Rahmenbedingungen für technologieaffine Start-ups. Das senkt Kosten und Lieferzeiten, erhöht die Umschlagkapazitäten und stellt sicher, dass der Betrieb auch bei Niedrigwasser läuft. 

    Auch das zweite Strukturwandelprojekt „D3AM Field Lab“ unterstützt den Strukturwandel: Es trägt dazu bei, die Zukunftstechnologie 3D-Druck auch für kleine und mittlere Unternehmen in der Region zugänglich und nutzbar zu machen.“

     Für das Vorhaben „CellPort – Network for Smart Logistics“ schließen sich Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um gemeinsam innovative Logistiklösungen zu entwickeln. Hierzu wird am „Duisburger Gateway Terminal“ ein 5G-Testfeld bereitgestellt. Am „Hafen der Zukunft“ soll unter anderem der Einsatz von autonomen Fahrzeugen zum Warentransport, die Echtzeitsteuerung von Kränen und der Einsatz von Kameras und Sensoren zur Überwachung von Waren, Fahrzeugen und Maschinen erprobt werden. High-Tech-Start-Ups erhalten Unterstützung bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Von den Verbesserungen, die hier erforscht und erprobt werden, können zahlreiche Unternehmen in der Logistikbranche profitieren. Das Projekt wird in den kommenden vier Jahren mit rund 1,9 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm STARK (Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten) gefördert. Die Landesregierung ergänzt die Förderung mit rund 55.000 Euro.

     Das Projekt „D3AM Field Lab“ wird in den kommenden vier Jahren mit rund 4,8 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm STARK gefördert. Die Landesregierung ergänzt die Förderung mit weiteren rund 270.000 Euro.  Mit dem Projekt wird an der Universität Duisburg-Essen ein regionales 3D-Druckzentrum für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-Ups aufgebaut. Das Kompetenzzentrum unterstützt zukünftig Unternehmen in Duisburg und der Region dabei, ihre Prozesse und Produkte mittels 3D-Druck-Verfahren zukunftsfähig aufzustellen. Unternehmen können durch geringeren Materialeinsatz ressourcen- und kostensparender produzieren. Die Angebote des Zentrums sind vielfältig. Sie umfassen zum einen praxisnahe Schulungsangebote, die die Bedarfe verschiedener Branchen, wie z. B. Energie- und Versorgungsbetriebe, Medizintechnik und Mobilität, abdecken. Zum anderen enthalten sie auch die Beratung zur Wirtschaftlichkeit, zum Design und zu technischen Anforderungen von 3D-Druckverfahren. Unternehmen und Start-Ups erhalten hier ein Komplettpaket zur Anwendung und Implementierung der Schlüsseltechnologie.  

    Hintergrund 5-StandorteProgramm:

    Mit dem 5-StandorteProgramm setzt die Landesregierung die Strukturhilfen des Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG) im Zuge der Beendigung der Steinkohleverstromung in Duisburg, Gelsenkirchen, Hamm, Herne und im Kreis Unna um und unterstützt sie bei der Transformation zu innovativen und nachhaltigen Regionen. Der Bund stellt hierfür bis zu 662 Millionen Euro bereit. Die Förderung wird mit Landesmitteln flankiert. Weitere Informationen finden Sie hier.

    Quelle: Wirtschaft NRW

  • Mehr Innovation, weniger Abhängigkeit durch Circular Economy: Landesregierung legt Kreislaufwirtschaftsstrategie vor

    Mehr Innovation, weniger Abhängigkeit durch Circular Economy: Landesregierung legt Kreislaufwirtschaftsstrategie vor

    Nordrhein-Westfalen will Drehscheibe für Circular Economy in Europa werden / Schon jetzt arbeiten mehr als 240.000 Menschen in der Kreislaufwirtschaft

    Wer Wettbewerbsfähigkeit sichern und Resilienz steigern will, muss seine Wirtschaft zirkulär gestalten. Das ist die Idee der Circular Economy: Sie setzt auf ein Design, bei dem Produkte und Dienstleistungen von Anfang an so entwickelt werden, dass sie möglichst lange genutzt, repariert und ihre Materialien dauerhaft im Kreislauf gehalten werden.

    Mit der ersten Kreislaufwirtschaftsstrategie für Nordrhein-Westfalen schafft die Landesregierung jetzt einen Rahmen, um das Land als führenden Standort für zirkuläres Wirtschaften in Europa zu etablieren und die wirtschaftliche Erneuerung voranzutreiben. Die Strategie bündelt bestehende Aktivitäten des Landes, setzt neue Impulse und schafft Orientierung für Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen, um so nachhaltiges Wachstum und zukunftsfeste Jobs sicherzustellen. Die Kreislaufwirtschaft erwirtschaftet bereits heute eine Bruttowertschöpfung von mehr als 20 Milliarden Euro und sichert mehr als 240.000 Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen – Tendenz steigend.

    Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „Die vielfältigen Ansätze der Circular Economy sind schon heute ein starker Innovationsmotor für neue Geschäftsmodelle sowie ein zentraler Wettbewerbs- und Resilienzfaktor für unsere Industrie. Sie helfen uns, wertvolle Ressourcen zu sichern, Kosten zu sparen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Diese Stärke bauen wir jetzt aus. Wir zeigen: Kreislaufwirtschaft ist kein abstraktes Konzept, Sie sichert schon heute mehr als 240.000 Arbeitsplätze alleine in Nordrhein-Westfalen – und macht uns unabhängiger von Rohstoffimporten. Unserem Anspruch, führender Standort für zirkuläres Wirtschaften zu sein, werden wir schon heute gerecht und wollen unsere Stärken weiter ausbauen – so nutzen wir echte Chancen, erschließen neue Märkte und sichern intelligentes Wachstum.“ 

    Umweltminister Oliver Krischer: „Mit der Kreislaufwirtschaftsstrategie NRW setzen wir neue Anreize für zirkuläre Wertschöpfungsketten. Das stärkt die Branchen im Land übergreifend und verbindet Ökonomie und Ökologie: Circular Economy ist für die Zukunft entscheidend, denn sie schont Ressourcen, stärkt unsere Industrie, schafft Arbeitsplätze und macht uns unabhängiger von Rohstoffimporten. Deshalb setzen wir als Land auf gezielte Förderung und vernetzen relevante Akteure, um zirkuläre Innovationen und neue Geschäftsmodelle in die breite Anwendung zu bringen.“

    Mit der Kreislaufwirtschaftsstrategie NRW stellt das Land die Weichen für einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Ressourcen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Ziele der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie und der Europäischen Union. So soll bis 2045 der Rohstoffkonsum in Deutschland auf 6 bis 8 Tonnen pro Kopf und Jahr sinken. Derzeit sind es rund 16 Tonnen. Gleichzeitig will das Land Nordrhein-Westfalen den Anteil zirkulär genutzter Materialien deutlich erhöhen. Beim Ausbau der Recyclingkapazitäten für kritische Rohstoffe will Nordrhein-Westfalen mit seinen vielen Unternehmen in diesem Bereich zum Erreichen des europäischen Ziels beitragen, künftig mindestens 25 Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen durch Recycling zu decken. 

    Die Kreislaufwirtschaftsstrategie NRW im Überblick: 

    • Zirkuläres Bauen: Förderung einer ressourcenschonenden Bauwirtschaft durch zirkuläre Planung, Sanierung, Wiederverwendung und hochwertiges Recycling von Baustoffen sowie den Ausbau digitaler Instrumente, regionaler Stoffkreisläufe und einer kreislaufgerechten öffentlichen Beschaffung.

    • Chemische Industrie und Kunststoffe: Transformation von fossilen zu zirkulären Kohlenstoffquellen durch verbessertes mechanisches und chemisches Recycling, den Einsatz biobasierter Rohstoffe, Carbon Capture and Utilization (CCU; Abscheidung, Transport und anschließende Nutzung von Kohlenstoff) sowie den Aufbau leistungsfähiger Rezyklatmärkte als Grundlage einer wettbewerbsfähigen Chemieindustrie.

    • Metalle: Ziel ist, hochwertige Stoffkreisläufe für Stahl, Aluminium und kritische Rohstoffe zu schließen, um einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffsicherung und zur Dekarbonisierung der Industrie zu leisten.

    • Maschinen- und Anlagenbau: Weiterentwicklung innovativer Maschinen und Anlagen, die die Herstellung zirkulärer Produkte, Wiederaufarbeitung gebrauchter Produkte (sog. Remanufacturing) sowie effiziente Sortier- und Recyclingprozesse in anderen Branchen ermöglichen.

    • Elektrotechnik: Entwicklung langlebiger, reparierbarer und ressourceneffizienter Elektro- und Elektronikprodukte sowie Ausbau der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe und der Rücknahme-, Wiederverwendungs- und Reparaturstrukturen.

    • Circular Cities: Stärkung von Kommunen als urbane Innovationsräume, die durch Planung, öffentliche Beschaffung und Infrastrukturentwicklung wichtige Impulse für zirkuläre Geschäftsmodelle setzen.

    • Sekundärrohstoffe: Ausbau einer leistungsfähigen Sekundärrohstoffwirtschaft als zentrale Grundlage geschlossener Stoffkreisläufe. 

    Kreislaufwirtschaft in Nordrhein-Westfalen: 

    Nordrhein-Westfalen verfügt mit seiner starken Grundstoffindustrie, einem leistungsfähigen Mittelstand, exzellenten Forschungseinrichtungen, innovativen Start-ups sowie einer gut ausgebauten Infrastruktur über hervorragende Voraussetzungen, um eine Vorreiterrolle in der Circular Economy in Deutschland und Europa einzunehmen.  Eine starke Circular Economy ist ein zentraler Baustein für eine erfolgreiche wirtschaftliche und ökologische Transformation. Während Rohstoffe knapper und Lieferketten fragiler werden, geopolitische Unsicherheiten zunehmen und klima- und umweltpolitische Anforderungen auf EU-, Bundes- und Landesebene steigen, ebnet die Landesregierung mit der Kreislaufwirtschaftsstrategie NRW den Weg, Produkte und Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten. Dabei geht die Strategie weit über das Recycling hinaus. So soll der Fokus schon bei der Entwicklung von Produkten auf einem sparsamen Einsatz von Ressourcen und langlebigen, reparierbaren und wiederverwendbaren Lösungen liegen. 

    Bei einer Fachtagung der Leitstelle Circular Economy am 2. September wird die Kreislaufwirtschaftsstrategie der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Weitere Informationen finden Sie hier.

    Die Kreislaufwirtschaftsstrategie können Sie hier herunterladen. 

    Quelle: Wirtschaft NRW

  • Wirkungsweise von Titan in nickelreichen, kobaltfreien Kathoden entschlüsselt

    Wirkungsweise von Titan in nickelreichen, kobaltfreien Kathoden entschlüsselt

    Internationale Forschungskooperation fokussiert sich auf nachhaltige Batterien der nächsten Generation

    Nickelreiche Kathoden ermöglichen eine hohe Energiedichte in Lithium-Ionen-Batterien, sind jedoch auf das kritische Material Kobalt angewiesen, um strukturell stabil zu bleiben. Kobalt ist teuer und kommt nur in wenigen Regionen der Welt vor. Um Batterien nachhaltiger zu produzieren und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen zu verringern, werden deshalb kobaltfreie Materialien intensiv untersucht. Eine internationale Forschungskooperation unter Leitung des MEET Batterieforschungszentrums der Universität Münster hat nun nachgewiesen, dass Kathoden für Hochleistungs-Lithium-Ionen-Batterien mit Titan anstelle von Kobalt hergestellt werden können und dennoch über viele Ladezyklen hinweg stabil bleiben.

    Zwei Mechanismen für stabile Kathoden aufgedeckt

    Titan ist ein häufig vorkommendes und kostengünstiges Element. In bisherigen Studien wurde insbesondere nachgewiesen, dass Titan die Stabilität und Lebensdauer von kobaltfreien, nickelreichen Kathoden verbessern kann. „Unsere Arbeit deckt darauf aufbauend den Mechanismus auf atomarer Ebene auf, der dazu führt, dass die Batteriezellen stabil bleiben“, erklärt MEET Wissenschaftlerin Dr. Bixian Ying den Ansatz ihrer Forschung. Um einen Zusammenhang zwischen elektronischen Veränderungen auf atomarer Ebene und strukturellen Veränderungen während des Batteriebetriebs herzustellen, kombinierte das Team experimentelle Verfahren mit theoretischen Berechnungen.

    Die Forschenden identifizierten zwei Arten, wie Titan eine kobaltfreie, nickelreiche Kathode stabilisieren kann. Zum einen wirkt das Zusammenspiel von Titan und Sauerstoff im Kristall wie kleine „Stoßdämpfer“, die strukturelle Spannungen während des Lade- und Entladevorgangs ausgleichen. Zum anderen verändert Titan seine elektronische Umgebung und macht das Nickel-Sauerstoff-Gerüst weniger anfällig für Verformungen. Im Ergebnis behielten Batteriezellen mit dem angepassten Material nach 431 Zyklen 80 Prozent ihrer Kapazität bei. „Die Wirkungsweise von Titan im Detail zu verstehen ist ein wichtiger Schritt, um langfristig eine neue Generation langlebiger, kobaltfreier Kathoden für Lithium-Ionen-Batterien entwickeln zu können“, fasst Ying zusammen.

    Gesamte Studie online verfügbar

    Die detaillierten Ergebnisse haben die Forschenden Dr. Bixian Ying, Dr. Zhenjie Teng, Dr. Honghong Tian, Charlotte von Petersdorff-Campen, Rommel T. Tolla, Linus Voigt, Dr. Sascha Nowak, Verena Naber und Dr. Karin Kleiner (MEET Batterieforschungszentrum), Dr. Jun Wang (Southern University of Science and Technology, China), Dr. Iuliia Mikulska (Diamond Light Source Ltd, Großbritannien), Dr. Alexander Schökel (Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY), Dr. Yuanming Liu (Tsinghua University, China), Dr. Michael Merz, Dr. Peter Nagel und Dr. Stefan Schuppler (Karlsruher Institut für Technologie, Deutschland), Katja Frenzel, Dr. Adrian Jonas und Dr. Lena Mathies (Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Deutschland) sowie Prof. Dr. Martin Winter (MEET Batterieforschungszentrum und Helmholtz-Institut Münster des Forschungszentrums Jülich, Deutschland) im Fachmagazin „Advanced Science” veröffentlicht.

    Quelle: Universität Münster | MEET – Münster Electrochemical Energy

  • Kreislauffähiger Scheinwerfer im Rennen um Deutschen Nachhaltigkeitspreis

    Kreislauffähiger Scheinwerfer im Rennen um Deutschen Nachhaltigkeitspreis

    Vom Forschungsprojekt zur ausgezeichneten Innovation: Das Konsortium des Projekts NALYSES ist mit der Circular One Eco Headlamp für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 nominiert. Drei Jahre lang entwickelten Partner aus Industrie und Forschung gemeinsam neue Methoden und Technologien, um Nachhaltigkeit systematisch in die Produktentwicklung zu integrieren. Das Fraunhofer IEM brachte dafür insbesondere seine Expertise in Life Cycle Assessment und digitalen Produktzwillingen ein.

    Wie lassen sich komplexe technische Produkte von Beginn an so entwickeln, dass sie über ihren gesamten Lebenszyklus möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und CO₂ verursachen? Dieser Frage gingen Forvia Hella, BMW, Covestro, Geba, Miele, die Hochschule Hamm-Lippstadt, das Heinz Nixdorf Institut und das Fraunhofer IEM im Forschungsprojekt NALYSES nach.

    52 Prozent weniger CO₂-Äquivalent

    Am Beispiel eines Fahrzeugscheinwerfers entwickelte und erprobte das Konsortium dafür neue Ansätze. Das Ergebnis: Der im Projekt entstandene Scheinwerfer verursacht über seinen Lebenszyklus 52 Prozent weniger CO₂-Äquivalent. Er besteht vollständig aus nachhaltigen Polymeren, ist reparierbar und sortenrein recyclingfähig. Zudem ist er deutlich leichter und benötigt fast 50 Prozent weniger Energie als derzeit verbaute Scheinwerfer.

    Nominiert im Transformationspfad Klima

    Nun ist die daraus hervorgegangene Circular One Eco Headlamp für den 19. Deutschen Nachhaltigkeitspreis Produkte im Transformationsfeld Klima nominiert. Der Wettbewerb zeichnet Produkte, Dienstleistungen und Systeme aus, die einen besonderen Beitrag zur nachhaltigen Transformation leisten. Die Sieger werden am 3. Dezember 2026 in Düsseldorf bekannt gegeben.

    „Die Nominierung ist für uns vor allem eine Auszeichnung für die gemeinsame Forschungsarbeit. Sie zeigt, was entstehen kann, wenn Unternehmen und Forschung Nachhaltigkeit von Anfang an gemeinsam im Engineering verankern. Aus Methoden und Prototypen wird so eine Innovation, die den Weg in die industrielle Praxis findet“, betont Stephan Stieren, Projektleiter am Fraunhofer IEM.

    Nachhaltigkeit entscheidet sich früh im Engineering

    Für das Fraunhofer IEM lag ein Schwerpunkt des Projekts darauf, Nachhaltigkeit messbar und damit zu einer konkreten Entscheidungsgröße in der Entwicklung zu machen. Denn gerade bei komplexen mechatronischen Produkten werden viele spätere Umweltwirkungen bereits durch frühe Entscheidungen zu Konstruktion, Materialien oder Reparierbarkeit festgelegt.

    Dafür entwickelte das Fraunhofer IEM ein Life-Cycle-Assessment-Modell (LCA), das die Umweltwirkungen des Scheinwerfers von der Herstellung über die Nutzung bis zum Recycling abbildet. Entwicklungsingenieur:innen können damit beispielsweise unterschiedliche Materialien oder Konstruktionsvarianten vergleichen und deren Auswirkungen auf den CO₂-Fußabdruck frühzeitig bewerten. Die Grundlage dafür bildet ein digitaler grüner Zwilling. Er führt Informationen aus dem gesamten Produktlebenszyklus zusammen – von Stücklisten und Materialien über Transportwege bis zu Prozess- und Nutzungsdaten. Eine Hotspot-Analyse macht sichtbar, wo besonders große Umweltwirkungen entstehen und wo Veränderungen entsprechend viel bewirken können.

    Die Circular One Eco Headlamp wurde prototypisch für ein Elektrofahrzeug von BMW entwickelt – und kann nun in die Serienproduktion gehen.

    Quelle: Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik

  • Fraunhofer IEG lizenziert MTD®-Technologie an Solexperts GmbH

    Fraunhofer IEG lizenziert MTD®-Technologie an Solexperts GmbH

    Brunnenbohrungen erschließen oft nur ein begrenztes Volumen im Untergrund. Die Förderraten von Trinkwasser oder Thermalwasser können dadurch beschränkt sein. Um mehr Volumen zu erreichen, entwickelte Fraunhofer IEG das MTD®-Verfahren, welches seitliche Ablenkbohrungen aus einer bestehenden Hauptbohrung mit geringem technischem Einsatz ermöglicht. Geothermieanlagen, Wasserwerke und Projektentwickler von neuen Wärmeinfrastrukturen könnten mit MTD mehr Gesteinsvolumen erschließen und so mehr Nutzen aus bestehenden Brunnen ziehen. Fraunhofer IEG hat nun seine MTD®-Technologie an den Untergrund-Dienstleister Solexperts GmbH in Bochum lizenziert.

    »Mit der Lizenzierung springt unsere anwendungsnahe Forschung in einen wachsenden Markt«, sagt Dr. Frank Sachse, Leiter Transfer am Fraunhofer IEG. »Der Untergrund wird für die Wärmetransformation zunehmend genutzt. Werkzeuge, die dies effizient und zuverlässig möglich machen, erfahren eine steigende Nachfrage.«

    MTD® steht für Micro Turbine Drilling. Das Verfahren erlaubt es, aus einer bestehenden Hauptbohrung gezielt seitliche Abzweige herzustellen. So lassen sich aus bestehenden Bohrungen zusätzliche Fließwege schaffen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Planung, Erkundung und Betrieb in Wasser- und Energiewirtschaft. »Als Fraunhofer-Einrichtung sind wir langfristiger Entwicklungspartner der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland. Unsere Expertise und Technikums-Infrastruktur stärkt so den Standort und die lokale Wertschöpfung durch viele Kooperationen und Projekte mit Energieversorgern und Bohrindustrie.«

    Vertrag regelt Nutzung und Rechte

    Der Vertrag regelt das Nutzungsrecht, um mithilfe des MTD® eigenständig Anschlüsse von Bohrungen an definierte geologische Schichten herzustellen. Vertragspartner sind die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG mit Hauptsitzen in Bochum und Cottbus sowie die Solexperts GmbH in Bochum. Die nicht-ausschließliche Lizenz umfasst Schutzrechte, technisches Know-how und die Nutzung der Marke MTD®. Grundlage sind die Schutzrechtsfamilien »Bohrturbine und Verfahren zum Richtbohren« aus deutschen, europäischen, US-amerikanischen Patenten bzw. Patentanmeldungen.

    Mehr zum Bohrverfahren Micro Turbine Drilling (MTD®):

    Kern des Bohrverfahrens Micro Turbine Drilling (MTD®) ist eine weniger als fünf Zentimeter lange und keine vier Zentimeter breite Mikro-Bohrturbine, entwickelt von Fraunhofer IEG. Ihre Rotation wird durch Wasserdruck aus einem flexiblen Schlauch angetrieben. Ein Ablenkschuh führt die Turbine in der gewünschten Tiefe seitlich aus dem bestehenden Bohrloch, auch durch das einfassende Stahlrohr. Der diamantbestückte Bohrkopf zerkleinert das Gestein bei hoher Drehzahl, das Bohrklein wird mit Wasser ausgespült. Der Vortrieb liegt je nach Gestein bei rund drei Meter pro Stunde. Kameras, akustische Sensoren und Rückflussanalysen überwachen den Prozess und ermöglichen präzises Arbeiten auch in engen Bohrlöchern.

    Die MTD®-Technologie erzeugt gezielt kleine Seitenbohrungen (»Micro-Sidetracks«) aus bestehenden Brunnen und Bohrlöchern. Dadurch vergrößert sich die Kontaktfläche zwischen Bohrloch und Gestein deutlich. Es verbessert sich der Anstrom an einen Brunnen. Im Vergleich zu konventioneller Perforation reichen diese Bohrungen fünf- bis zehnmal tiefer in die Formation und vermeiden schädigende Effekte im Gestein. Auch kommt das Verfahren ohne klassische und teure Bohranlage aus (»rigless«) und eignet sich besonders für bestehende oder reaktivierte Bohrungen. Das MTD® ist in unterschiedlichen Gesteinstypen einsetzbar, darunter kristalline Hartgesteine wie Granit oder Basalt, Sedimentgesteine wie Sandstein, Tonstein und Kalkstein sowie Evaporite, beispielsweise Steinsalz. Damit eignet sich die Technologie sowohl für Anwendungen im Grundwassermanagement, im Erdöl- und Erdgasbereich als auch für die Erschließung geothermischer Reservoire, für Gewinnung von Rohstoffen wie Lithium und Kupferaus Solen sowie für untertägige Energiespeicher.

    Quelle: Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG

  • Spatenstich für Zukunft der Chemie an der RWTH Aachen

    Spatenstich für Zukunft der Chemie an der RWTH Aachen

    Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen bekommt einen Neubau für die Institute der Anorganischen und Organischen Chemie (AOC) auf dem Campus Hörn. Erkenntnisse aus diesen Schlüsseldisziplinen sind beispielsweise für die nachhaltige Energieversorgung, moderne Arzneimittel und Diagnostik von zentraler Bedeutung. So können etwa innovative Materialien und Werkstoffe für Batterien, Solarzellen oder Katalysatoren entwickelt werden. Von den über 62,2 Millionen Euro Baukosten trägt das Land mit rund 30,6 Millionen Euro ungefähr die Hälfte. Eine Fertigstellung des neuen Forschungs- und Lehrgebäudes ist in 2029 vorgesehen.

    Am Montag, 31. August 2026, setzten Wissenschaftsministerin Ina Brandes, RWTH-Rektor Prof. Dr. Ulrich Rüdiger und Gabriele Willems, Geschäftsführerin des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB NRW) den ersten symbolischen Spatenstich auf dem Campus Hörn.


    Ministerin Ina Brandes MdL sitzend vor einer Pressewand

    MKW I Anja Tiwisina

    „Spitzenforschung ‚made in NRW‘ braucht moderne Gebäude und eine leistungsfähige Ausstattung. Die Exzellenz-Universität RWTH Aachen steht dafür, Erkenntnisse aus der Forschung konsequent in marktfähige Produkte weiterzuentwickeln. Von dem Chemie-Neubau profitiert deshalb sowohl der Wissenschafts- als auch der Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen.“

    Wissenschaftsministerin Ina Brandes


    Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der RWTH Aachen: „Dieses Gebäude ist gleich doppelt ein Gewinn für die RWTH Aachen. Einerseits braucht exzellente Forschung hochmoderne Rahmenbedingungen, die der Ersatzbau uns verschafft. Andererseits passt der ressourceneffiziente Bau sehr gut zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie und zeigt, was im Bausektor in Sachen Nachhaltigkeit bereits alles möglich ist.“


    Gabriele Willems, Geschäftsführerin des BLB NRW: „Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer spürbarer, wie wir in den vergangenen Monaten erlebt haben. Dieses Projekt ist ein starkes Signal für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit durch ressourcenschonende Bauweise und umweltfreundliche Planung.“


    2029 sollen die Chemie-Institute von der Melatener Straße auf den Campus Hörn umziehen. Das betrifft anteilig auch die drei geförderten Exzellenzcluster der RWTH Aachen: The Fuel Science Center, Materie und Licht für Quanteninformation (ML4Q) und CARE – Climate-Neutral and Resource-Efficient Construction.

    Das neue Element auf dem Campus Hörn verbindet komplexe Laborinfrastruktur mit einer besonders ressourcenschonenden Bauweise. Der fünfgeschossige Neubau wird auf einer Fläche von 2.200 Quadratmetern spezialisierte Labor- und Messräume, einen Hörsaal und Büros enthalten. Zudem werden eine Fassade aus farbigem Industrieglas sowie eine markante Freitreppe im Atrium das Erscheinungsbild prägen. Anstelle klassischer Baustoffe sollen CO₂-reduzierter Zement und Stahl aus wiederverwertetem Schrott verbaut werden. Eine Photovoltaikanlage wird künftig Solarstrom in Höhe des jährlichen Bedarfs von zehn durchschnittlichen Privathaushalten produzieren. Heizung, Kühlung und Energieeffizienz sind auf dem neuesten energetischen Standard geplant. So wird beispielsweise eine Wärmerückgewinnungsanlage eingebaut, die Wärme der Abluft aus Laboren, Hörsälen und Sanitärbereichen zum Vorheizen nutzt.

    In Zeiten zunehmender Hitze- und Dürreperioden wird der BLB NRW verstärkt eine Außenbepflanzung setzen, die mit Trockenheit und Starkregen zurechtkommt. Zudem ist eine Begrünung des Daches im späteren Forschungsbetrieb geplant, um die Hochschule nachhaltiger und klimafreundlicher aufzustellen.

    Quelle: Kultur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen

  • Erdwärme aus eigener Herstellung: Landesregierung fördert Geothermie-Ausbau

    Erdwärme aus eigener Herstellung: Landesregierung fördert Geothermie-Ausbau

    Aus dem Investitionspaket „Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur“ der Landesregierung fließen Mittel in Höhe von circa 18,8 Millionen Euro in den Ausbau der Erdwärme auf dem Technologie-Campus Steinfurt. Zur symbolischen Förderübergabe besuchte Ministerin Ina Brandes nun die Hochschule.

    Denn der Technologie-Campus Steinfurt ist weiterhin im Wandel: Neue Gebäude entstehen, ein Parkhaus samt Energiezentrale hat im vergangenen Sommer geöffnet. Die Energie zur Versorgung gewinnt die FH Münster dabei direkt aus dem Boden. Bohrungen aus 150 Metern Tiefe liefern Grundwärme, um damit Wärmepumpen zu betreiben, die im Winter heizen und im Sommer kühlen. Die Arbeit mit Erdwärme – oder auch Geothermie – ist eine klimafreundliche Alternative zur fossilen Energieversorgung mit Öl und Gas, denn die Wärmepumpe gewinnt etwa 75 Prozent der Energie direkt aus der Natur.

    „Wir investieren das Geld aus dem NRW-Plan für gute Infrastruktur konsequent in die großen Zukunftsthemen und die hervorragende Ausstattung unserer Hochschulen. Die Geothermie-Anlage in Steinfurt erfüllt sogar einen doppelten Nutzen: Sie wird dafür sorgen, dass sich der Campus weitgehend selbst mit Energie zum Heizen und Kühlen versorgen kann. Und darüber hinaus wird die Wärmepumpe auch in der Forschung und Lehre eingesetzt. An der eigenen Anlage können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie solche Anlagen im Alltag der Menschen noch effizienter und nachhaltiger eingesetzt werden können“, sagt Wissenschaftsministerin Ina Brandes MdL.

    „Auf dem Technologie-Campus Steinfurt setzen wir konsequent auf Erdwärme aus eigener Produktion: Zukünftig werden unsere Hochschulgebäude geothermisch im Umfang von rund 64 Prozent des Gesamtwärmebedarfs beheizt, während wir zugleich erforschen, wie Wärmepumpen noch effizienter und alltagstauglicher betrieben werden können“, sagt Prof. Dr. Frank Dellmann, Präsident der FH Münster. Als Hochschule für Angewandte Wissenschaften betreibt die FH Münster ein Reallabor: Die Erdwärme versorgt das Labor für Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik des Fachbereichs Energie – Gebäude – Umwelt sowie eine große Versuchslüftungsanlage. Ein Forschungsteam untersucht die Energieversorgung, Studierende können an einer Anlage mit Daten unter realistischen Betriebsbedingungen arbeiten. Möglich machen dies Sonden, die mit in die Bohrlöcher eingelassen worden sind. Durch sie sehen die Nachwuchsingenieur*innen in Echtzeit, was die Wärmepumpe macht – auch, wenn sie Volumenströme verändern oder Vorlauftemperaturen optimieren.

    „Wir entwickeln einen klimaneutralen Hochschulstandort für die Fachkräfteausbildung in Schlüsseltechnologien und leisten einen konkreten Beitrag zur angestrebten Klimaneutralität 2030 des Landes Nordrhein-Westfalen“, so Dellmann. „Zugleich ist der Technologie-Campus Steinfurt ein zentraler Standort für die Fachkräfteentwicklung von morgen und ein wichtiger Player für die Region – getragen von hoch engagierten Kolleginnen und Kollegen in Lehre und Forschung, die hier gemeinsam an den Technologien der Zukunft arbeiten.“

    Die Förderung möglich macht der Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur. Mit den 18,8 Millionen Euro kann unsere Hochschule die Geothermie weiter ausbauen und die Gebäude auf dem Technologie-Campus Steinfurt zu großen Teilen per Erdwärme versorgen. Dazu soll die Bohrung auf 250 Meter erweitert werden, 80 weitere Sonden sollen der Erforschung dienen. Die Bestandsgebäude und insbesondere die Wärmeverteilung müssen hierfür an das niedrigere Temperaturniveau der Geothermie durch unterschiedliche bauliche und technische Maßnahmen angepasst werden. Die Baumaßnahmen führt die Hochschule gemeinsam mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW durch.

    Fünf Bestandsgebäude werden auf dem Campus nach Fertigstellung der Neubauten C und Q an die Geothermie angeschlossen. Gleichzeitig werden BLB und Hochschule ein neues Geothermiefeld erschließen. „Der Technologie-Campus Steinfurt entwickelt sich zu einem Vorzeigeprojekt im Hochschulbereich“, sagt Rainer Leuders, Key Account Manager beim BLB NRW. „Für uns ist die Geothermieanpassung der richtige Baustein zur richtigen Zeit.“

    Quelle: FH Münster