The Horizon Europe 2027 Work Programme establishes one call under the Digital pillar in one destination: HORIZON-CL4-2027-05 (25 million EUR one topic). Annex XIV (Horizontal Activities) establishes the call HORIZON-BRIDGING-2027-01 (55 million EUR, 4 topics).
Learn more about the calls and topics:
Call reference: HORIZON-CL4-2027-05-DIGITALEMERGING-03 Opening date: 17/11/2026 Deadline: 18/03/2027 Destination: Achieving open strategic autonomy in digital and emerging enabling technologies
HORIZON-BRIDGING-2027-01-09: EU AI Media Platform – modular multilingual public-interest infrastructure for European news and audiovisual media (IA) – Apply AI
HORIZON-BRIDGING-2027-01-12: Large-Scale piloting of next-generation AI-driven digital platforms for a more affordable, secure and sustainable European energy system (IA) – Apply AI
HORIZON-BRIDGING-2027-01-13: EU Frontier AI Initiative: Advanced Scaling Frameworks for High-Performance AI Models (RIA) – Apply AI
Background
Horizon Europe Cluster 4 Digital covers the development of key digital technologies, supporting a green and digital transformation as well as a human-centred ethical development of emerging digital technologies for competitiveness and the European Green Deal.
HaDEA supports digital research by managing the Digital part of Cluster 4 ‘Digital, Industry and Space’ of the Horizon Europe programme and the legacy programme Horizon 2020.
More information about the Horizon Europe strategic plan for 2025-2027, which sets out the strategic orientations for the final years of the EU’s largest research and innovation (R&I) programme to date, can be found here .
Mit ihrer Rechenleistung auf Exascale-Niveau bietet die JUPITER AI Factory (JAIF) einzigartige Möglichkeiten zum Training von KI-Modellen in Europa. Sie eröffnet Start-ups und KMU sowie Forschenden und der Industrie einen kostenlosen, schnellen und einfachen Zugang zu Rechenzeit. Nun erweitert JAIF ihre Infrastruktur und ihr Leistungsspektrum durch die Zusammenarbeit mit dem NVIDIA Inception-Programm für Start-ups.
JAIF basiert auf JUPITER, Europas erstem Exascale-Supercomputer. Indem JAIF mit NVIDIA Inception zusammenarbeitet – das Start-ups ebenfalls Zugang zu Entwicklertools, Schulungen und einem Netzwerk aus Investoren und technischen Experten bietet – bringt sie ihre enorme Rechenleistung direkt in ein größeres, rasch wachsendes Ökosystem für KI-Innovation ein. Damit erhöht sie ihre Sichtbarkeit bei Start-ups und KMU im deutschen und europäischen KI-Umfeld.
Diese Kooperation ergänzt die bestehenden Partnerschaften von JAIF und erweitert das Angebot an offenem, herstellerneutralem Zugang zu europäischen KI- und HPC-Ressourcen.
Wissenstransfer und Kompetenzaufbau für KI und HPC
Von der Zusammenarbeit profitieren soll die gesamte JAIF-Forschungs- und Entwicklungs-Community, bestehend aus Wissenschaft, Start-ups und KMU. Im Rahmen der geplanten Initiativen werden gezielte Schulungs- und Mentoring-Angebote über Programme von NVIDIA Training für Entwickler:innen und Administrator:innen, das NVIDIA AI Technology Center sowie die Open-Hackathon-Initiative bereitgestellt. Diese Aktivitäten sollen den Wissensaustausch fördern und praktische Kompetenzen für die Entwicklung von KI- und HPC-Anwendungen vermitteln.
Zudem werden durch die Kooperation die Rechenressourcen und Serviceangebote von JAIF über das NVIDIA Inception-Portal noch sichtbarer. Start-ups und KMU steht eine leistungsstarke, hochmoderne KI-Infrastruktur offen – sowohl über die regulären Antragswege von JAIF als auch über das NVIDIA Inception-Portal als ergänzenden Zugangsweg. Durch diese Kombination sollen für das JAIF-Ökosystem neue Nutzergruppen gewonnen und bestehende Dienstleistungsangebote stärker genutzt werden. JAIF-Anwender erhalten ergänzende Expertise im Wissenstransfer und in den jeweiligen Fachdisziplinen, was die effektive Nutzung der vorhandenen Rechenkapazitäten fördert. Die Verknüpfung eines größeren Ökosystems für KI-Innovation mit europäischen KI- und HPC-Ressourcen soll dazu beitragen, den Einsatz und die Skalierung von KI-Anwendungen in zahlreichen Feldern voranzutreiben – darunter im Gesundheitswesen, in der Energieversorgung, der Fertigung, in den Bereichen Klima und Umwelt, Bildung, Kultur und Medien sowie im öffentlichen Sektor und im Finanz- und Versicherungswesen.
JUPITER – Schlüsselinfrastruktur für KI und Hochleistungsrechnen
Integriert in eine breitere, herstellerneutrale Dienstleistungslandschaft ergänzen diese neuen Angebote das Fachwissen der deutschen und europäischen Partner von JAIF. Gleichzeitig treiben sie die KI-Innovation mit JUPITER, Europas erstem Exascale-Supercomputer, voran. Das im September 2025 eingeweihte EuroHPC-System wird von rund 24.000 NVIDIA Grace Hopper-Superchips angetrieben und bildet das zentrale technologische Rückgrat des JAIF-Ökosystems. JUPITER stellt eine Schlüsselinfrastruktur für KI und Hochleistungsrechnen in Deutschland und Europa dar. Um Training und praktische Anwendungen nahtlos miteinander zu verbinden, umfasst das JAIF-Ökosystem zudem JARVIS, eine spezialisierte Cloud-Plattform für fortschrittliche KI-Inferenz und skalierbare Nutzerdienste.
Langjährige Zusammenarbeit im Bereich Hochleistungsrechnen und GPU-gestützter Forschung
Das JSC arbeitet in den Bereichen Hochleistungsrechnen und GPU-gestützter Forschung seit vielen Jahren eng mit NVIDIA zusammen. Dazu gehören Entwicklungs- und Optimierungsarbeiten für KI- und HPC-Anwendungen sowie der Betrieb von Forschungs- und Entwicklungslabors, darunter ein NVIDIA Application Lab am Standort Jülich.
Diese Zusammenarbeit trägt dazu bei, JAIF als eines der führenden KI-Innovationszentren Deutschlands zu stärken und fördert die wirtschaftliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Deutschland und Europa.
JAIF hat das Ziel, Dienstleistungen anzubieten, die Start-ups und KMU den Zugang zu KI-Anwendungen in großem Maßstab erleichtern. Unsere Zusammenarbeit mit NVIDIA und dessen Inception-Programm trägt maßgeblich dazu bei. Die Partnerschaft stellt sicher, dass die Stärken von JUPITER einerseits und die Flexibilität von JARVIS andererseits voll ausgeschöpft werden können.
„Deutschlands Forschungseinrichtungen bringen Gründer hervor, die ihre eigenen Modelle trainieren wollen, und dieser Anspruch stößt schon früh an infrastrukturelle Grenzen“, sagt Tobias Halloran, Direktor für EMEAI-Start-ups bei NVIDIA. „Durch diese Zusammenarbeit erhalten Start-ups und KMU im NVIDIA Inception-Programm über JAIF ebenfalls Zugang zu JUPITER für das Training und zu JARVIS für die Inferenz sowie fachkundige Unterstützung bei deren Nutzung. Damit erweitert JAIF seinen Nutzerkreis unter Start-ups und KMU weiter.“
Über das Jülich Supercomputing Centre (JSC) am Forschungszentrum Jülich
Das Jülich Supercomputing Centre (JSC) betreibt Systeme für das Hochleistungsrechnen und stellt Wissenschaft und Industrie in Deutschland und Europa Zugang zu modernster Supercomputing-Infrastruktur bereit. Als eines der führenden Supercomputing-Zentren Europas ermöglicht das JSC Forschenden, komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen mit innovativen Methoden aus Simulation, Data Science und Künstlicher Intelligenz anzugehen. Mit seinen Systemen – darunter Europas erster Exascale-Supercomputer JUPITER – unterstützt das JSC interdisziplinäre Forschung in einer Vielzahl wissenschaftlicher Felder und entwickelt Methoden für Recheninfrastrukturen der nächsten Generation. Darüber hinaus betreibt das JSC JUNIQ, eine europäische Quantencomputer-Infrastruktur, die Zugang zu modernsten Quantencomputern bietet und die frühe Erforschung sowie den Einsatz von Quantentechnologien unterstützt. Das JSC ist Teil des Forschungszentrums Jülich (FZJ), Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft.
Über die JUPITER AI Factory (JAIF)
Die JUPITER AI Factory (JAIF) ist Teil eines Netzwerks von KI-Fabriken in ganz Europa, das von der EuroHPC JU kofinanziert wird. Im Rahmen dieser Initiative betreut die EuroHPC JU den Aufbau von 19 KI-Fabriken, ergänzt durch 13 KI-Fabrik-Antennen, um die Einführung künstlicher Intelligenz in Start-ups, KMU, der Industrie, der Forschung und im öffentlichen Sektor zu beschleunigen. Basierend auf JUPITER, Europas erstem Exascale-Supercomputer, der von EuroHPC beschafft wurde und vom JSC betrieben wird, bietet JAIF Zugang zu hochmoderner KI-Infrastruktur für Training und Inferenz sowie fachliche Unterstützung, Schulungen und Innovationsangebote, die Organisationen bei der Entwicklung, Skalierung und dem Einsatz von KI-Lösungen unterstützen. Als zentrale Anlaufstelle für KI-Innovation ermöglicht JAIF Anwendungen in Bereichen wie Gesundheit, Energie, Klima, Fertigung, Finanzen, Bildung, Medien und dem öffentlichen Sektor.
Die JUPITER AI Factory wird vom FZJ koordiniert und vereint die RWTH Aachen University, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT), das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS), hessian.AI sowie AI Factory Antennas in Belgien und Ungarn, um die KI-Innovation und -Anwendung in Europa zu unterstützen.
Förderung
JAIF wird durch das EuroHPC Joint Undertaking (JU) finanziert, mit Kofinanzierung durch die Bundesregierung sowie die Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen. Das Gesamtvolumen der Förderung für die AI Factory beträgt 25 Millionen Euro. Zusätzlich wird das mit JAIF verbundene KI-Inferenzsystem JARVIS mit 30 Millionen Euro durch die Bundesregierung und das Land Nordrhein-Westfalen finanziert.
JUPITER, der „Joint Undertaking Pioneer for Innovative and Transformative Exascale Research“, wird zur Hälfte von der europäischen Supercomputing-Initiative EuroHPC Joint Undertaking (EuroHPC JU) und zu je einem Viertel vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, vormals BMBF) sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) finanziert.
Zum Auftakt der Forschungsarbeiten kamen die Projektpartner am 30. September 2026 bei der SDC Control GmbH in Neuenrade zusammen. Dort stimmten Fraunhofer IMS, Scemtec und SDC Control Arbeitspakete, Schnittstellen und die ersten Entwicklungsschritte ab.
Warum feste Prüfregeln an Grenzen stoßen
Heutige kamerabasierte Prüf- und Sortieranlagen arbeiten überwiegend mit festen Regeln und Schwellenwerten. Verschmutzungen, wechselnde Lichtverhältnisse oder Fokusabweichungen führen daher regelmäßig dazu, dass einwandfreie Bauteile als Ausschuss deklariert werden. Starre Schwellenwerte können solche Veränderungen nicht ausgleichen, weil sie den Zustand der Anlage nicht kennen.
»Pseudoausschuss heißt: Wir prüfen und sortieren dieselben Teile mehrfach und kalibrieren zwischendurch von Hand nach. Das mindert die Effizienz der ganzen Linie. Besonders deutlich zeigt sich das in der Lohnsortierung: Wer Bauteile im Kundenauftrag prüft und sortiert, rechnet pro Teil ab, jeder Fehlausschuss kostet unmittelbar Geld«, sagt Dennis Freudenreich, Geschäftsführer der SDC Control.
Im Zentrum von KIMIPA steht eine universell nachrüstbare Hardwareplattform, auf der KI-Modelle nicht nur ausgeführt, sondern direkt vor Ort nachtrainiert werden. Das System ordnet geprüfte Bauteile den Klassen »in Ordnung«, »nicht in Ordnung« und »Pseudoausschuss« zu und erkennt parallel die Ursache einer Fehlbewertung, zum Beispiel Verschmutzungen, ungünstige Beleuchtung oder eine Prozessabweichung. Angestrebt wird eine Klassifikationsgenauigkeit von mindestens 90 Prozent.
Die technische Grundlage dafür liefert das Fraunhofer IMS: Mit dem am Institut entwickelten Open-Source-Framework AIfES lassen sich neuronale Netze ausführen, direkt auf Mikrocontrollern trainieren und anpassen. Damit gehört das Fraunhofer IMS zu den wenigen Einrichtungen, die selbstadaptives Lernen auf ressourcenbeschränkter Hardware beherrschen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass KIMIPA ohne Cloud auskommt.
Erfahrungswissen fließt in das Training ein
Über eine digitale Benutzeroberfläche kennzeichnen Anlagenmechaniker fehlerhaft aussortierte Teile und bringen so ihr Erfahrungswissen unmittelbar in das KI-Training ein. Umgekehrt liefert das System konkrete Handlungsempfehlungen zur Nachsteuerung, etwa zur Beleuchtung, zur Zuführgeschwindigkeit oder zur Reinigung von Anlagenkomponenten. Perspektivisch soll die Plattform ausgewählte Prozessparameter selbst anpassen und auf Abweichungen in weniger als einer Sekunde reagieren.
Herstellerunabhängig und nachrüstbar
Da vorhandene Anlagen weiter genutzt werden sollen, setzt das Konsortium konsequent auf offene Standards und gängige Industrieschnittstellen wie OPC UA und MQTT. Die Lösung ist modular aufgebaut und soll sich herstellerunabhängig in vorhandene Produktions-, Prüf- und Sortierlinien integrieren lassen. Vergleichbare Systeme sind derzeit nicht am Markt verfügbar: Bestehende Ansätze arbeiten entweder regelbasiert, cloudgestützt oder branchenspezifisch geschlossen.
Vom Prüfaufbau in die Serienfertigung
In den kommenden Projektphasen werden die entwickelten Verfahren zunehmend unter realen Produktionsbedingungen erprobt. Geplant sind Messreihen an realen Prüfaufbauten sowie die schrittweise Integration in bestehende Anlagen. Im Fokus steht dabei die Übertragbarkeit der KI-Modelle auf unterschiedliche Bauteile, Prüfmerkmale und Anlagentypen.
Mit KIMIPA leisten die Partner einen Beitrag zur ressourcenschonenden Produktion: Weniger Pseudoausschuss bedeutet kürzere Prüfzeiten, geringeren Material- und Energieeinsatz sowie eine Entlastung des Bedienpersonals. Da die Plattform ohne Cloud-Backend arbeitet, entstehen zudem keine laufenden Betriebskosten für externe Rechenleistung und Datenübertragung. Im Fokus stehen die Lohnsortierung und die optische Qualitätssicherung in der Serienfertigung.
KIMIPA wird von einem Konsortium aus Mittelstand und Forschung getragen. Neben dem Fraunhofer IMS sind die SDC Control GmbH (Neuenrade) und die Scemtec Hard- und Software für Mess- und Steuerungstechnik GmbH (Reichshof-Wehnrath) beteiligt. Das Fraunhofer IMS erhält eine Fördersumme von 279.720 Euro. KIMIPA läuft seit dem 01. Juni 2026 bis zum 31. Mai 2028. Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) gefördert (Förderkennzeichen: 16KN126526).
Enzyme, die besonders effizient Wasserstoff herstellen, müssen dafür extrem schnell Protonen aus dem Lösungsmittel einfangen. Bochumer Forschende haben herausgefunden, wie sie das bewerkstelligen.
Fast alle Stoffwechselprozesse benötigen Protonen – positiv geladene Wasserstoffatome. Obwohl diese in der Zellflüssigkeit reichlich vorhanden sind, brauchen die beteiligten Biokatalysatoren Mechanismen, um Protonen effizient einzufangen und sie zum Ort der Katalyse zu transportieren. Enzyme aus Mikroorganismen können Wasserstoff (H2) herstellen, indem sie Elektronen mit Protonen kombinieren. Sogenannte Hydrogenasen sind dabei so effizient, dass ein Biokatalysator fast 10.000 Protonen pro Sekunde einfangen kann. Wie sie das machen, hat ein Team der Photobiotechnologie der Ruhr-Universität Bochum aufgeklärt. Die Forschenden berichten im Journal of the American Chemical Society vom 17. Oktober 2026.
Wie ein Hemmstoff helfen kann, Biokatalysatoren zu verstehen
Zink ist natürlicherweise in vielen Biokatalysatoren enthalten und wird dort für den Reaktionsmechanismus benötigt. Dabei bindet das Metallion an reaktive Gruppen bestimmter molekularer Bausteine der Enzyme, die Aminosäuren. „Genau durch diese Bindung kann Zink aber auch Biokatalysatoren blockieren“, erklärt Dr. Jifu Duan, Erstautor der aktuellen Arbeit. „Es kann nämlich auch unspezifisch an Stellen andocken, die für die Bindung von Protonen benötigt werden.“
Forschende der Ruhr-Universität Bochum haben untersucht, wie sich Zink auf die Wasserstoffbildung durch [FeFe]-Hydrogenasen auswirkt. Dabei machten sie eine interessante Entdeckung: „Obwohl wir anhand von Kristallstrukturen sehen konnten, dass Zink an verschiedenen Stellen der [FeFe]-Hydrogenasen bindet, führte die Interaktion an nur einer ganz bestimmten Stelle zur Hemmung“, so Jifu Duan. Diese Stelle liegt ganz in der Nähe des bisher bekannten Protonentransportweges der Hydrogenasen.
Zink blockiert ein Protonen-transportierendes Pendel
Das Team um Jifu Duan und Prof. Dr. Thomas Happe konnte zeigen, dass die Bindung von Zink und anderen Metallionen ganz bestimmte Aminosäuren blockiert, nämlich zwei Histidine auf der Oberfläche von [FeFe]-Hydrogenasen. Histidine in Enzymen sind bekannt dafür, Protonen zu binden. Ihre Rolle in [FeFe]-Hydrogenasen war aber bisher nicht untersucht worden. Wenn die Forschenden eines dieser Histidine durch eine andere Aminosäure ersetzten, war der Biokatalysator noch sehr aktiv, aber unempfindlich gegen Zink. Wenn sie jedoch das andere Histidin austauschten, konnte die [FeFe]-Hydrogenase nur noch sehr langsam Wasserstoff bilden.
Mit Hilfe verschiedener Methoden – Proteinkristallografie, Wasserstoffproduktionstests, Elektrochemie und Molekularsimulationen – konnte das Team zeigen, dass eines dieser beiden Histidine eine Art Pendel bildet. Wenn es zur Enzymoberfläche schwingt, kann es von dem anderen Histidin ein Proton entgegennehmen, und wenn es in das Enzyminnere schwingt, gibt es das Proton an einen bekannten Protonentransportpfad ab. Dabei besitzt dieses Pendel auch einen fixen Drehpunkt: eine weitere Aminosäure, die den Forschenden erst durch die genaue Analyse der Kristallstrukturen aufgefallen war.
Führte die Evolution des Protonenpendels zu besonders effizienten Hydrogenasen?
Heute kennt man viele verschiedene Gruppen von [FeFe]-Hydrogenasen. Dabei scheinen nur Mitglieder der Gruppe A die besonders hohen Umsatzraten zu leisten, die diese Biokatalysatoren auch für biotechnologische Anwendungen so spannend machen. „Wir haben auch in anderen Gruppen von [FeFe]-Hydrogenasen nach unserem Pendel gesucht, aber es scheint nur in der Gruppe A vorzukommen“, berichtet Thomas Happe. „Wir glauben, dass die beiden Histidine für ihr schnelles Einfangen von Protonen und damit für ihre hohe Aktivität verantwortlich sind.“
In der Evolution könnte dies zur Spezialisierung dieser Gruppe von Hydrogenasen geführt haben. Die Erkenntnisse können helfen, molekulare Mechanismen anderer Hydrogenasen besser zu verstehen und vielleicht besser geeignete Biokatalysatoren für biobasierte Industrieprozesse herzustellen. Aber sie sind auch wichtig für das Verständnis des H2-Stoffwechsels in lebenden Organismen, der für viele Ökosysteme eine wichtige Rolle spielt.
Das Aachener Zentrum für Holzbauforschung (AZH) am Eifelcampus Simmerath wird heute feierlich eröffnet. Die FH Aachen bündelt dort ihre Kompetenzen in der Holzbauforschung und entwickelt mit moderner Technik innovative Lösungen für das Bauen mit Holz. Gemeinsam mit dem Handwerk bringt sie Forschung direkt in die Anwendung.
Der nachwachsende Rohstoff Holz ist der Baustoff der Stunde – die Nutzung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Aktuell steht der Holzbau vor neuen Herausforderungen. „Zukünftig werden verstärkt Laubhölzer im Bauwesen eingesetzt“, sagt Prof. Dr. Thomas Uibel. Für die Nutzung von Birke, Bergahorn und Roteiche müssten das Trag- und Verformungsverhalten erforscht, Bauprodukte entwickelt und Normen überarbeitet werden. Gleiches gilt für komplexe Bauvorhaben wie mehrstöckige Holzhäuser und große Gewerbebauten. Wie innovative Lösungen für den Einsatz von Holz als Baustoff aussehen können, erforscht die FH Aachen im neuen AZH. Die Bandbreite der Projekte reicht von der Entwicklung dauerhaft haltbarer Holzbrücken über Wandelemente und mehrgeschossigen Holzbau bis hin zu unterschiedlichen Verbindungselementen.
Die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein- Westfalen, Silke Gorißen, betont: „An Holz als Rohstoff und der effizienten Holzverwendung führt kein Weg vorbei. Wir brauchen unsere Wälder und das aus ihnen nachhaltig gewonnene Holz im Klimawandel mehr denn je. Unser Ziel in Nordrhein-Westfalen ist es, die Wälder zu klimastabilen Mischwäldern umzubauen, was zu einem höheren Laubbaumanteil führen wird. Insbesondere mit Blick auf die Entwicklung innovativer Laubholzverwendungen im Holzbau sind die Leistungen und die hochmodernen Möglichkeiten des neuen Aachener Holzbauzentrums wichtig.“
Zwei Aspekte machen Holzbauforschung – und die Arbeit im AZH – besonders spannend. Zum einen ist Holz ist ein lebendiger Werkstoff, jede Holzart verhält sich aus bautechnischer Sicht unterschiedlich. Und selbst innerhalb der einzelnen Arten gibt es Unterschiede, etwa aufgrund der Herkunftsregion oder des Alters der Bäume. All diese Faktoren werden bei den Forschungsprojekten berücksichtigt. Die andere Herausforderung ist, dass Versuche mit Holz grundsätzlich im Bauteilmaßstab gemacht werden – ergänzt um aufwendige Simulationen und Berechnungen. Um auch Bauteile und Verbindungen in „Originalgröße“ testen zu können, verfügen die FH-Forschenden im AZH über beeindruckende Maschinen: Die Zug-Druck-Spindelmaschine etwa ist rund 8 Meter hoch. Sie belastet die Prüfkörper mit bis zu 600 Kilonewton (kN); das entspricht einem Gewicht von 60 Tonnen. Ebenso können im AZH Wandelemente aus Holz getestet werden, die eine Fläche von bis zu 6 mal 4 Metern haben. Auf dem Biegeprüfstand schließlich werden Holzträger von bis zu 15 Metern Spannweite geprüft, die etwa im gewerblichen Hallenbau zum Einsatz kommen. Gemeinsam mit seinen Holzbauprofessorenkollegen Leif Arne Peterson und Wilfried Moorkamp übernimmt Uibel die wissenschaftliche Leitung des AZH. Sie betonen: „Diese Versuchsergebnisse dienen der Validierung von analytischen sowie numerischen Untersuchungen und bilden somit eine Basis für zukünftige Normen und Zulassungen von Bauprodukten im Holzbau.“
Wenn es um mehrgeschossiges Bauen mit Holz geht, spielen Verbindungen eine entscheidende Rolle. Ein Ziel der FH-Fachleute ist, klebstofffreie Lösungen zu entwickeln, die seriell gefertigt werden können. Im Handwerk sind etwa Schwalbenschwanzverbindungen seit Langem im Einsatz – nun geht es darum, diese tradierte Technik mit modernen digitalen Produktionsmethoden zu kombinieren. In einem Forschungsprojekt geht es um die Frage, wie solche Methoden zur klebstofffreien Herstellung von Balkenschichtholz eingesetzt werden können. Das kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn Balken mit großer Spannweite benötigt werden. Ein zweiter Forschungsbereich sind Systemlösungen für den mehrgeschossigen Holzbau. Vielfach wiederkehrende Bauteile und Anschlüsse werden typisiert und standardisiert; hierdurch werden technisch ausgereifte, wirtschaftliche und einfach berechenbare Konstruktionen ermöglicht.
„Hier in Simmerath arbeiten Forschung, Innovation und Praxis Hand in Hand. Wir spielen uns die Bälle gegenseitig zu“, sagt Prof. Dr. Thomas Ritz, Rektor der FH Aachen. Das AZH ist Teil des neuen Eifelcampus: Er soll den Transfer von akademischen Forschungsergebnissen in die Baupraxis ermöglichen und gleichzeitig dem Handwerk Wege zur Nutzung neuer Technologien und Verfahren aufzeigen. „Der Eifelcampus in Simmerath eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten“, sagt Prof. Uibel. „In enger Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft können wir das Bauen mit Holz entscheidend voranbringen.“ Ein wichtiger Teil des Eifelcampus ist das Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer Aachen (HWK). Das Aufgabenspektrum im Handwerk verschiebt sich derzeit. Digitalisierung und Vernetzung halten auch hier Einzug – das lässt sich etwa am Beispiel BIM (Building Information Modeling) illustrieren. Die verschiedenen Gewerke sowie Architekt:innen und Bauingenieur:innen tauschen sich auf der Baustelle mit Hilfe von virtuellen 3-D-Modellen aus, etwa wenn es um die fachmännische Umsetzung von Bauplänen in der Praxis geht. Die enge Kooperation am Eifelcampus soll gewährleisten, dass der gegenseitige Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Handwerk funktioniert.
Der Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung ist nur in gemeinschaftlicher Anstrengung möglich. Neben der FH und der HWK sind auch zahlreiche Unternehmen, Betriebe, Institutionen und Verbände beteiligt, die die gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von der Forstwirtschaft über Planungs- und Ingenieurbüros bis hin zu verarbeitenden Betrieben und Bauunternehmen. Gerade in der Eifel spielt die Branche eine große wirtschaftliche Rolle. Bernd Goffart, Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, betont: „Hier entsteht echter Mehrwert für die Region.“ Wie wichtig die Holzwirtschaft für Nordrhein-Westfalen ist, zeigen Zahlen des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. 12.000 Unternehmen machen landesweit 31 Milliarden Euro Umsatz jährlich, sie beschäftigen rund 130.000 Erwerbstätige.
Wie verändern junge Sterne die Wolken, aus denen sie entstanden sind? Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Dr. Brandt Gaches von der Universität Duisburg-Essen hat ein hochauflösendes 3D-Modell entwickelt, das neue Einblicke ermöglicht: Es zeigt, wie Schatten in Sternentstehungsgebieten chemische Prozesse verändern. Das beeinflusst auch die Infrarotstrahlung, die das James-Webb-Weltraumteleskop beobachtet. Die Ergebnisse sind jetzt in Astronomy & Astrophysics erschienen.
Sterne entstehen in riesigen Wolken aus kaltem Gas und Staub. Beginnen junge, massereiche Sterne zu leuchten, trifft ihre intensive ultraviolette Strahlung auf das umgebende Material: Sie heizt das Gas auf, spaltet Moleküle und setzt in den äußeren Schichten der Wolken zahlreiche chemische Reaktionen in Gang. Fachleute sprechen hier von Photodissoziationsregionen oder photondominierten Regionen. Das Licht aus diesen Zonen verrät Astronom:innen viel darüber, wie Sterne entstehen und wie Gas später erneut zur Grundlage für neue Sterne und Planeten wird – in unserer eigenen Galaxie ebenso wie in weit entfernten Galaxien.
„Die Orion Bar ist ein ideales natürliches Labor, um diese Prozesse zu untersuchen“, sagt Dr. Brandt Gaches. Die markante Struktur im Orionnebel liegt rund 1.350 Lichtjahre von der Erde entfernt. „Wir blicken nahezu von der Seite auf sie, sodass sich ihre unterschiedlichen chemischen Schichten besonders gut unterscheiden lassen. Deshalb gilt sie als wichtiger Referenzfall, um Modelle photondominierter Regionen zu überprüfen“, erklärt Gaches, der an der Universität Duisburg-Essen (UDE) eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe zur Molekül-Astrophysik leitet.
Bisherige Modelle stellten die Orion Bar meist als Abfolge eindimensionaler Schichten dar. Tatsächlich sind interstellare Wolken jedoch unregelmäßig: Dichte Bereiche wechseln sich mit weniger dichtem Material ab. Das neue Modell bildet diese komplexe dreidimensionale Struktur mit hoher räumlicher Auflösung nach. So lässt sich unter anderem verfolgen, wie molekularer Wasserstoff – das häufigste Molekül im Universum – auf die intensive Strahlung junger Sterne reagiert.
Zu berechnen, wie sich die Strahlung durch diese komplexe 3D-Struktur ausbreitet, erfordert allerdings enorme Rechenleistung. „Wir haben einen neuen, besonders effizienten Algorithmus entwickelt, um diesen rechnerischen Engpass zu überwinden. Dadurch konnten wir die Orion Bar erstmals dreidimensional mit einer bisher unerreichten räumlichen Auflösung modellieren“, ergänzt Dr. Zhengping Zhu vom Zhejiang Lab in China, der den dafür eingesetzten Raytracing-Algorithmus entwickelt hat.
Die Simulationen zeigen, wo wichtige chemische Veränderungen stattfinden: etwa dort, wo aus atomarem Wasserstoff molekularer Wasserstoff entsteht oder ionisierter Kohlenstoff zu neutralem Kohlenstoff wird. Zugleich zeigen sie, wie die ungleichmäßige Bögen und Filamente hervorbringen kann, wie sie auch das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) beobachtet. Besonders dichte Bereiche blockieren einen Teil der einfallenden Strahlung. Dahinter entstehen Schatten und geschützte Zonen, in denen andere chemische Bedingungen herrschen.
„Die dreidimensionale Struktur des Gases macht einen entscheidenden Unterschied“, sagt Gaches. „Sie erzeugt Schatten und schützt Teile der Wolke vor der intensiven Strahlung. Das verändert die Chemie – und hinterlässt deutliche Spuren in der Strahlung, die wir vom Infrarot- bis in den Radiowellenbereich beobachten.“
Das Modell kann außerdem vorhersagen, wie eine solche Region für das JWST aussehen müsste. Diese simulierten Bilder können die Forschenden direkt mit den tatsächlichen Beobachtungen des Teleskops vergleichen. So lässt sich genauer nachvollziehen, wie die räumliche Struktur von Sternentstehungsgebieten ihre Chemie prägt – und was einfachere eindimensionale Modelle dabei übersehen.
Bildunterschrift: Modell und Beobachtung im Vergleich: Das neue 3D-Modell eines Orion-Bar-Analogons (links) zeigt die Dichteverteilung in der Wolke und wo wichtige chemische Prozesse ablaufen. Rote Konturen markieren Bereiche, in denen molekularer Wasserstoff (H₂) entsteht; blaue Konturen zeigen, wo ionisierter Kohlenstoff (C⁺) zu neutralem Kohlenstoff (C) rekombiniert. Rechts sind Daten des James-Webb-Weltraumteleskops von der Orion Bar zu sehen. Der Rahmen markiert ungefähr den Ausschnitt und die Ausrichtung, die das Modell abbildet.
Dr. Brandt Gaches leitet an der Universität Duisburg-Essen die Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „Towards the Next Generation in Cosmic Ray Astrochemistry“. Dort untersucht er, welche Rolle kosmische Strahlung bei der Sternentstehung und in der Astrochemie spielt. Seine Forschung verbindet dreidimensionale chemische Modelle mit Beobachtungen des James-Webb-Weltraumteleskops. So untersucht er die Chemie dichter Molekülwolken und die Umgebung junger Sterne.
Vom Verhalten von Wassermolekülen an Materialoberflächen bis zu Geschichten auf der Kinoleinwand: PD Dr. Stéphane Kenmoe verbindet Forschung und Wissenschaftskommunikation. Nun hat die American Physical Society (APS) den Physiker der Universität Duisburg-Essen zum Fellow gewählt. Sie würdigt damit seine Beiträge zur computergestützten Materialforschung und sein weltweites Engagement für die Vermittlung von Physik.
Die APS zeichnet Kenmoe für seine computergestützte Erforschung von Materialoberflächen und katalytischen Prozessen aus, etwa für die Wasserstoffgewinnung und die Herstellung umweltfreundlicherer Kraftstoffe. Auch sein weltweites Engagement für Physikvermittlung und Wissenschaftskommunikation wird gewürdigt. Die Wahl zum Fellow ist eine besondere Anerkennung durch die Fachcommunity. Jährlich können höchstens 0,5 Prozent der APS-Mitglieder – Studierende ausgenommen – neu zu Fellows gewählt werden.
Wie lassen sich Katalysatoren verbessern, damit chemische Reaktionen effizienter ablaufen? Mit Fragen wie dieser beschäftigt sich Stéphane Kenmoe. Katalysatoren beschleunigen chemische Reaktionen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Ein Beispiel ist die Wasserspaltung zur Herstellung von Wasserstoff. Dabei spielt auch eine Rolle, wie Wassermoleküle mit der Oberfläche des Katalysators wechselwirken. Kenmoe untersucht solche Vorgänge mit Computersimulationen bis auf die Ebene einzelner Atome. Seine Erkenntnisse könnten helfen, leistungsfähigere Katalysatoren zu entwickeln.
„Ich freue mich, dass meine Fachkolleg:innen meine Arbeit würdigen. Gemeinsam mit vielen anderen weltweit möchte ich dazu beitragen, Wissen als gemeinsames Erbe der Menschheit zu bewahren“, sagt Kenmoe.
An der Fakultät für Chemie der Universität Duisburg-Essen leitet Kenmoe die Arbeitsgruppe Condensed Matter Chemistry and Physics. Dort untersucht er unter anderem Metalloxide, die teure Katalysatormaterialien ersetzen könnten. Sein Team forscht zudem im DFG-geförderten Sonderforschungsbereich/Transregio 247 zu Oxidationsreaktionen in Flüssigkeiten.
Für Kenmoe gehören Forschung und Wissenschaftskommunikation zusammen. „Diese Auszeichnung zeigt auch, wie wertvoll es ist, Forscher und Wissenschaftskommunikator zugleich zu sein. Und wie wichtig Einrichtungen sind, die beide Rollen anerkennen und fördern.“
Kenmoe setzt sich dafür ein, wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden weltweit zugänglich zu machen. Dafür gründete der gebürtige Kameruner 2018 das Fortbildungsprogramm CASESMA. Es vermittelt Nachwuchswissenschaftler:innen aus afrikanischen Ländern Methoden der computergestützten Physik und Chemie und bringt sie mit internationalen Fachleuten zusammen. Mehr als 400 junge Forschende haben bereits daran teilgenommen.
Auch mit Filmen möchte Kenmoe Menschen für Wissenschaft begeistern. So schrieb er am Drehbuch des Spielfilms Seeds of Science mit und war an dessen Produktion beteiligt. Der Film erzählt von einem Mädchen in Subsahara-Afrika, das seine Begeisterung für die Wissenschaft entdeckt, aber um den Zugang zu Bildung kämpfen muss.
Der internationale Wettbewerb in der Batterieindustrie verschärft sich. Zugleich wächst der Bedarf an Batterien – in der Elektromobilität ebenso wie in stationären Anwendungen. Wie beim Lasersymposium Elektromobilität LSE’26 im September 2026 in Aachen deutlich wurde, kann Europa dem steigenden Druck mit eigenen Stärken begegnen: mit flexiblem Produktionswissen, hoher Prozessqualität und Fertigungskonzepten für unterschiedliche Zellchemien, Bauformen und Stückzahlen. Mit präzisen und selbstlernenden Laserprozessen kann Europas Batterieindustrie jenseits des reinen Preiswettbewerbs wieder Fahrt aufnehmen.
Der Einsatz von Batteriespeichern weitet sich aus. In der Mobilität kommen sie längst nicht mehr nur in Pkw zum Einsatz, sondern zunehmend auch in Zügen, schweren Bergbaumaschinen, Fähren und weiteren Nutzfahrzeugen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an stationären Speichern für Stromnetze und erneuerbare Energien. Damit entstehen sehr unterschiedliche Anforderungen an Zellchemie, Leistung, Lebensdauer, Bauform und Stückzahl sowie neue Märkte, in denen nicht allein der niedrigste Preis pro Kilowattstunde entscheidet.
Gerade diese Vielfalt eröffnet Chancen für die europäische Batterieindustrie. Bei standardisierten Zellen in sehr großen Stückzahlen haben asiatische Hersteller inzwischen einen erheblichen Kostenvorsprung. Für europäische Unternehmen kann es daher nicht darum gehen, dieses Produktionsmodell einfach zu kopieren. Interessant sind vielmehr Anwendungen mit besonderen Anforderungen, kleineren oder mittleren Stückzahlen und häufig wechselnden Zellchemien oder Bauformen. Hier zählen neben den Kosten auch kurze Entwicklungszeiten, flexible Anlagen, stabile Prozesse und eine möglichst fehlerfreie Fertigung.
Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigte unter anderem Dr.-Ing. Andreas Russ von Bosch Manufacturing Solutions. Asiatische Hersteller skalieren schneller, investieren stark und setzen neue Kostenmaßstäbe. Zugleich verkürzen sich die Zeiträume zwischen Produktentwicklung und Produktionsstart. Bosch nennt für neue Produktionssysteme in Europa Entwicklungs- und Lieferzeiten von weniger als zwölf Monaten, während in Asien teilweise weniger als sechs Monate erwartet werden. Daraus ergeben sich klare Anforderungen an die Produktion: Anlagen müssen skalierbar und flexibel sein, Produkt und Maschine möglichst parallel entwickelt werden.
Genau hier setzen neue Produktionskonzepte an. Toni Voebel vom Start-up Manugy stellte beim LSE’26 einen modularen Ansatz für spezialisierte Batteriezellen vor. Ein großer Teil der Maschinentechnik bleibt dabei standardisiert, während einzelne Module an Zellchemie, Format und Anwendung angepasst werden. Das soll Entwicklungszeiten verkürzen und kleinere bis mittlere Produktionsmengen wirtschaftlicher machen. Für Märkte, in denen Standardzellen die Anforderungen nicht erfüllen, sieht Voebel damit Chancen für eine Fertigung in Europa.
»Europa wird den Wettbewerb um die billigste Standardzelle nicht dadurch gewinnen, dass wir asiatische Gigafactories kopieren«, erklärt Dr. Alexander Olowinsky, Abteilungsleiter Fügen und Trennen am Fraunhofer ILT und Organisator des LSE. »Unsere Chance liegt dort, wo Flexibilität, Prozesswissen und Qualität zählen.«
Flexibilität allein reicht jedoch nicht aus. Mit steigenden Stückzahlen wächst auch der Aufwand, jeden einzelnen Prozess sicher zu beherrschen. In einem Batteriepack können sehr viele Schweißverbindungen entstehen. Bereits eine fehlerhafte Verbindung kann dazu führen, dass ein komplettes Bauteil nicht eingesetzt werden kann. Bosch beschreibt als eigentliche Herausforderung deshalb nicht das Laserschweißen selbst, sondern die Übertragung komplexer Prozesse in eine skalierbare Fertigung mit möglichst wenigen Fehlern. Christian Elsner von Mercedes-Benz und Steffen Rübling von TRUMPF zeigten, wie eng Prozessstabilität, Sensorik und Qualitätssicherung in der Serienfertigung inzwischen zusammenwirken.
Damit wird Qualität unmittelbar zum wirtschaftlichen Faktor. Nacharbeit, Ausschuss und aufwendige Prüfungen kosten Zeit und Geld. Je früher ein Fehler erkannt wird oder gar nicht erst entsteht, desto effizienter arbeitet die Produktion. IPG Photonics fasste die Voraussetzungen für skalierbare Batteriefertigung beim LSE’26 in drei Punkten zusammen: Produktivität, Prozessstabilität und nachweisbare Qualität.
Wie sich diese Anforderungen in der Serie umsetzen lassen, zeigte ein gemeinsamer Beitrag von BMW und weldmetrix. Beim Hochlauf von Pilotanlagen auf große Stückzahlen steigt die Zahl der Fügestellen massiv. Eine rein manuelle oder visuelle Prüfung kann damit nicht Schritt halten. Sensoren erfassen deshalb Prozessdaten bereits während des Schweißens. Sie sollen helfen, jede einzelne Verbindung zu bewerten, Fehler frühzeitig zu erkennen und die Produktionsdaten langfristig nachvollziehbar zu speichern.
Auch New Infrared Technologies stellte beim LSE’26 Verfahren vor, mit denen sich Laserprozesse in Echtzeit überwachen lassen. Ziel ist eine Fertigung, bei der fehlerhafte Schweißungen direkt im Prozess erkannt werden. Aus der nachgelagerten Qualitätsprüfung wird damit zunehmend ein Bestandteil des eigentlichen Fertigungsprozesses.
Auch die Lasertechnik selbst wird flexibler. Moderne Strahlquellen und Optiken erlauben es, die Energieverteilung gezielt an Material und Fügeverbindung anzupassen. Dynamic Beam Shaping eröffnet dabei zusätzliche Freiheitsgrade, etwa beim Schweißen von Aluminium oder von Kupfer-Aluminium-Verbindungen.
Am Lehrstuhl für Lasertechnik LLT der RWTH Aachen untersucht Julia Vielhauer gemeinsam mit dem Fraunhofer ILT und weiteren Partnern, wie sich solche dynamisch geformten Laser-strahlen auf Schmelze und Materialeigenschaften auswirken. Die Forschenden wollen die eingebrachte Energie räumlich und zeitlich so steuern, dass sich die Eigenschaften der Fügeverbindung gezielt an die jeweilige Anwendung anpassen lassen.
Diese Entwicklung passt zu den Anforderungen einer Batterieindustrie, in der sich Zellchemien, Materialien und Bauformen schnell verändern. Statt für jedes neue Produkt starre Prozesse und Anlagen neu aufzubauen, lassen sich Laserprozesse über Strahlführung, Parameter, Sensorik und Software anpassen.
Nicht billiger, sondern schneller, flexibler und sicherer
Für die europäische Batterieindustrie ergibt sich daraus ein anderer Weg als der direkte Kostenwettbewerb bei standardisierten Massenzellen. Chancen liegen dort, wo unterschiedliche Anwendungen besondere Batterien verlangen, Stückzahlen variieren und Hersteller schnell auf neue Zellkonzepte reagieren müssen.
Europa bringt dafür viel Know-how in Lasertechnik, Maschinenbau, Automatisierung und Prozessentwicklung mit. Entscheidend wird sein, diese Kompetenzen so zusammenzuführen, dass neue Produkte schneller von der Entwicklung in eine stabile industrielle Fertigung gelangen.
Alexander Olowinsky ist zuversichtlich: »Wir müssen nicht in jedem Markt der günstigste Anbieter sein. Entscheidend ist, dass wir Batterien und elektrische Systeme zuverlässig, flexibel und schnell industrialisieren können. Genau dort sehen wir eine Zukunft für die europäische Produktion und die Lasertechnik liefert dafür viele der notwendigen Werkzeuge.«
Das LSE’26 zeigte damit nicht nur neue Laserquellen, Sensoren und Fertigungsverfahren. Die Beiträge aus Batterieindustrie, Automobilbau, Maschinenbau und Forschung machten deutlich, wie Europa auf den verschärften Wettbewerb reagieren kann: nicht mit einer Kopie asiatischer Massenproduktion, sondern mit Fertigungskonzepten, die sich schnell an neue Produkte und Märkte anpassen lassen. Für die europäische Batterieindustrie liegt genau darin die Chance, wieder Fahrt aufzunehmen.
Mit 47,5 Millionen Euro unterstützt die Europäische Kommission die Quantum Internet Alliance (QIA) bei der nächsten Stufe der Entwicklung und Einführung von Quanten-Internet-Technologien. Das Fraunhofer ILT trägt dazu mit der Entwicklung rauscharmer Quantenfrequenzkonverter bei und stellt mit ALICE eine hardwarebasierte Open-Access-Plattform zur Erprobung und Weiterentwicklung von Quantennetzwerktechnologien auf Basis eines NV-Netzwerkknotens in Aachen bereit.
Die Quantum Internet Alliance (QIA) erhält von der Europäischen Kommission Fördermittel in Höhe von 47,5 Millionen Euro, um ihre Arbeit an einem Full-Stack-Quanten-Internet-Prototyp voranzutreiben und diesen für den Einsatz in der Praxis vorzubereiten. Die neue spezifische Fördervereinbarung (SGA 2) unterstützt die Forschung und Entwicklung in den kommenden 42 Monaten und baut auf den Errungenschaften des Konsortiums der ersten Phase (SGA 1) auf, die von Oktober 2022 bis März 2026 lief.
Ziel ist ein vollständiger, programmierbarer Quanten-Netzwerk-Prototyp
Im Rahmen von SGA 1 erweiterte die QIA ihre europäische Plattform für die Entwicklung des Quanteninternets, intensivierte dafür die Forschung in den Bereichen Hardware, Software und Netzwerke und legte so die technologische Basis für einen Prototyp eines Quantennetzwerks. In den nächsten 3,5 Jahren wird sich QIA darauf konzentrieren, diese Technologien zu einem vollständigen, programmierbaren Quanten-Netzwerk-Prototyp zu kombinieren, der in der Lage ist, Quanten-Netzwerkanwendungen auszuführen. Ein wichtiger Meilenstein ist die Verbindung der Quantennetze zweier Metropolregionen über ein Glasfaser-Backbone mithilfe von Quanten-Repeatern – ein entscheidender Schritt in Richtung Quantenkommunikation über hohe Reichweiten.
»In den letzten Jahren haben wir die zentralen Bausteine für ein Quanteninternet entwickelt. Unsere Aufgabe in der nächsten Phase besteht darin, diese Komponenten in einen Full-Stack-Prototypen für das Quanteninternet zu integrieren. Europa steht weltweit an der Spitze der Quanteninternet-Technologien, und dieser Prototyp könnte der weltweit erste seiner Art werden«, erklärt QIA-Direktorin Stephanie Wehner. Das Programm werde zudem die nächsten Schritte in Richtung der »Quantum Internet Initiative« unternehmen, indem es Quantennetzwerktechnologien von Laborexperimenten in praktische Anwendungen überführt. In diesem Rahmen wird die QIA erste Vorbereitungen für Pilotanlagen des Quanteninternets und einer frei zugänglichen Infrastruktur für Akteure aus der Industrie und Forschung treffen.
Ganzheitlicher Ansatz der QIA erleichtert schnelle Kommerzialisierung
Schon jetzt erzielt die Initiative Wirkung über das Labor hinaus. Im Zuge des Programms entwickelte Technologien sind mittlerweile in Produkte überführt worden, und aus dem QIA-Ökosystem sind Start-ups entstanden, die QIA-Technologien in Form von Produkten und Dienstleistungen kommerzialisieren. Die ganzheitliche Herangehensweise der QIA umfasst auch die Weiterentwicklung von Anwendungsfällen für Quantennetzwerktechnologien und bietet eine Plattform, auf der sich Quanteninternet-Initiativen aus ganz Europa vernetzen und ihre Kräfte bündeln können.
»Aktuell steht Europa noch weltweit an der Spitze der Entwicklung eines Quanteninternets«, sagt Wehner. »In der zweiten Förderphase schaffen wir Technologien, die es noch nirgends gibt. Um jedoch unseren Vorsprung zu halten, ist es von entscheidender Bedeutung, dass parallel zu den Forschungs- und Entwicklungsprojekten Start-ups zur Umsetzung von Proof-of-Concept-Anwendungen übergehen und dass wir durch die Bereitstellung frei zugänglicher Einrichtungen unsere Vernetzung stärken. Wir werden das technologische Potenzial Europas nutzen, um ein dynamisches Quanten-Ökosystem zu schaffen, das im globalen Wettbewerb bestehen kann«, erklärt sie.
Dem Fraunhofer ILT kommt in zweiter Phase eine wichtige Rolle zu
Mit der zweiten Phase der Quantum Internet Alliance (QIA) rückt der Transfer von Quantennetzwerktechnologien aus dem Labor in anwendungsnahe Pilot- und Open-Access-Strukturen stärker in den Mittelpunkt. Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen übernimmt dabei eine wichtige Rolle: Es leitet das Arbeitspaket »Pilot Facilities and Open Access« und koordiniert die Vorbereitung europäischer Pilotanlagen und offener Forschungsinfrastrukturen. »Es ist dabei unser Ziel, zentrale Technologien für das Quanteninternet in Richtung höherer Technologiereife und realer Einsatzumgebungen weiterzuentwickeln“, erklärt Dr. Bernd Jungbluth, Leiter des Strategischen Programms Quantentechnologien am Fraunhofer ILT.
Auch technologisch trägt das Fraunhofer ILT unmittelbar dazu bei. In enger Kooperation mit Delft Networks entwickelt es eine rauscharme Quantenfrequenzkonversion für ein SnV-basiertes Quantennetzwerk weiter. Die Entwicklung reicht vom Laboraufbau bis zu einem rack-integrierbaren Demonstrationsmodul für die Übertragung einzelner Photonen über Telekommunikationsfasern. Mit ALICE (Access Link for Interplatform Communication Experiments) stellt das Fraunhofer ILT zudem eine hardwarebasierte Open-Access-Plattform zur Erprobung und Weiterentwicklung von Quantennetzwerktechnologien auf Basis eines NV-Netzwerkknotens in Aachen bereit.
Die Aachener kooperieren hierbei unter anderem mit der Nachwuchsgruppe von Dr. Florian Elsen am Lehrstuhl für Lasertechnik der RWTH Aachen University. Diese arbeitet ebenfalls an neuen Technologien zur Verbindung unterschiedlicher Quantenplattformen und wird ALICE als wissenschaftlicher Trial User nutzen und den Aachener Quantennetzwerkknoten unmittelbar in die eigene Technologieentwicklung einbeziehen. »Damit wird der Open-Access-Ansatz bereits während der Projektlaufzeit praktisch erprobt: Wir können Technologien aus unserer RWTH-Forschung direkt am Quantennetzwerkknoten des Fraunhofer ILT testen und weiterentwickeln«, erklärt Elsen.
Mit mehr als 150 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hat Fraunhofer FIT am 8. Oktober 2026 das techHAUS in Hürth offiziell eröffnet. Ein besonderer Höhepunkt war die feierliche Übergabe des Förderbescheids für das Strukturwandelprojekt. Gemeinsam mit NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur diskutierten die Teilnehmenden, wie Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nutzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken können. Beim anschließenden Rundgang zeigten konkrete Demonstratoren, wie Künstliche Intelligenz und andere digitale Technologien zur Lösung praktischer Herausforderungen beitragen können.
Mehr als 150 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und öffentlicher Hand kamen zur offiziellen Eröffnung des techHAUS auf dem euronova CAMPUS in Hürth. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie insbesondere kleine und mittlere Unternehmen digitale Technologien sinnvoll für ihre eigenen Herausforderungen einsetzen können. Das techHAUS des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT schafft dafür einen Ort, an dem Unternehmen Technologien kennenlernen, praktisch erproben und deren Potenzial für den eigenen Betrieb bewerten können. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dirk Breuer, Bürgermeister der Stadt Hürth, sowie den beiden techHAUS-Projektleitenden Prof. Wolfgang Prinz und Lisa Klug. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die offizielle Übergabe des Förderbescheids für das Strukturwandelprojekt techHAUS durch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Sie unterstrich die Bedeutung des Vorhabens für die digitale Transformation und die wirtschaftliche Entwicklung des Rheinischen Reviers.
»Das techHAUS wird zwar heute offiziell eröffnet, läuft aber schon seit dem 1. April – daher können wir Ihnen schon einige Beispiele unserer Arbeit zeigen! Wenn Sie auch eine entsprechende Idee oder Herausforderung haben, dann freuen wir uns, Sie dabei zu unterstützen«, lädt Wolfgang Prinz die anwesenden Unternehmen ein.
Digitale Souveränität als Wettbewerbsfaktor
Welche Rolle digitale Souveränität für Unternehmen im Strukturwandel spielt, diskutierte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur gemeinsam mit Magdalena Albers, Inhaberin der eskira Schreinerei, Dr. Alexander Nichau, Gründer der niologic GmbH, und Elke Hohmann, Abteilungsleiterin Projektentwicklung bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier. Moderiert wurde das Gespräch von Wolfgang Prinz und Lisa Klug.
Dabei wurde deutlich, dass viele Unternehmen vor einer grundlegenden Herausforderung stehen: Der Druck zur Digitalisierung wächst, zugleich ist oft schwer abzuschätzen, welche Technologien sich langfristig lohnen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen Investitionen sorgfältig abwägen und können nicht jedem technologischen Trend folgen. Auch die Perspektive des Handwerks spielte eine wichtige Rolle. Magdalena Albers berichtete, dass Künstliche Intelligenz bereits im handwerklichen Alltag eingesetzt wird, zugleich aber ein Bedarf an sicheren, standardisierten und praxistauglichen Anwendungen besteht. Sie sprach sich dafür aus, mit den Angeboten des techHAUS möglichst viele kleine und mittlere Unternehmen zu erreichen und deren Herausforderungen unmittelbar im betrieblichen Alltag aufzugreifen.
Ministerin Neubaur hob die Bedeutung von Zusammenarbeit und Austausch für die Entwicklung neuer Ideen hervor. Zugleich verwies sie auf die technologischen Kompetenzen Nordrhein-Westfalens und die Chancen, diese für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu nutzen. »Kein Betrieb sollte erst Geld ausgeben müssen, um herauszufinden, ob sich KI für ihn lohnt. Im techHAUS.NRW geht es andersherum: erst ausprobieren, dann entscheiden. Viele Inhaberinnen und Inhaber wissen, dass sich etwas tun muss. Ihnen fehlt nicht der Wille, ihnen fehlt die Zeit. Wir nehmen ihnen die Suche ab und zeigen, was im eigenen Betrieb funktioniert. So wird Strukturwandel konkret: in der Werkstatt, im Büro, an der Kasse«, sagt Ministerin Neubaur.
Technologien ausprobieren statt nur darüber sprechen
Wie der Transfer von Forschung in die Praxis konkret aussehen kann, erlebten die Gäste beim anschließenden Rundgang durch das techHAUS. An verschiedenen Stationen präsentierten die Expertinnen und Experten des Fraunhofer FIT Demonstratoren und erste Projektergebnisse. Ein Beispiel ist die KI-gestützte Auswertung von Bürgermeldungen zu Geruchsbelästigungen in Hürth und Brühl. Auf Grundlage von mehr als 800 Meldungen und ergänzenden Wetterdaten konnten die Forschenden erste Hinweise auf mögliche Emissionsquellen gewinnen und die Ergebnisse anschaulich visualisieren. Weitere Demonstratoren zeigten, wie KI-gestützte Assistenzsysteme Mitarbeitende unterstützen können und welche Möglichkeiten digitale Identitäten und die europäische EUDI-Wallet eröffnen. Auch die Resilienz digitaler Infrastrukturen war ein Thema: Mit einer bereits aufgebauten Breitband-Kommunikationsverbindung zwischen dem Fraunhofer FIT in Sankt Augustin und dem techHAUS demonstrierte das Team, wie sich mithilfe von Solarenergie und Batteriespeichern Kommunikationsmöglichkeiten auch bei Stromausfällen aufrechterhalten lassen. Die Beispiele verdeutlichten die Bandbreite der Themen, mit denen sich Unternehmen an das techHAUS wenden können – von KI und Wissensmanagement über digitale Nachweise bis hin zu sicheren Kommunikationsinfrastrukturen.
Anlaufstelle für Digitalisierung im Rheinischen Revier
»In unseren Gesprächen mit Betrieben erleben wir immer wieder dasselbe Dilemma: Der Druck zu digitalisieren ist groß, doch zwischen Tagesgeschäft und rasantem Technologiefortschritt fehlt oft der Überblick, wo man anfangen soll. Dabei muss man nicht alles können, anfangen ist der wichtigste Schritt. Den Einstieg finden wir gemeinsam, und zwar nicht über die Technologie, sondern über die Frage, welches Problem ein Unternehmen lösen möchte. In der Regel zeigen wir bereits innerhalb von zwei Wochen mit einem Prototyp, wie eine Lösung in der Praxis aussehen könnte und machen die Erkenntnisse daraus auch für andere Betriebe nutzbar. So profitiert die ganze Region«, erklärt Projektleiterin Lisa Klug.
Mit der offiziellen Eröffnung wurde das techHAUS als Anlaufstelle für die digitale Transformation im Rheinischen Revier vorgestellt. Das Angebot richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen aller Branchen, steht darüber hinaus aber auch Kommunen, Initiativen sowie Bürgerinnen und Bürgern offen. Der Einstieg ist bewusst niedrigschwellig gestaltet: In einem ersten Gespräch oder Workshop werden die Herausforderungen eines Unternehmens aufgenommen und mögliche Lösungswege erarbeitet. Darauf aufbauend können gemeinsam mit den Forschenden erste Prototypen entwickelt und getestet werden. Die Förderung im Rahmen des Strukturwandels ermöglicht es, Unternehmen viele dieser Leistungen kostenfrei anzubieten. Erkenntnisse aus den Projekten sollen – unter Wahrung vertraulicher Unternehmensinformationen – auch anderen Betrieben im Rheinischen Revier zugutekommen.
Das techHAUS wird im Rahmen des STARK-Programms durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen begleitet.
Unternehmen, die eigene Digitalisierungsfragen mit den Expertinnen und Experten des techHAUS diskutieren oder Technologien vor Ort ausprobieren möchten, finden weitere Informationen unter www.techhaus.de.