Kategorie: Laufband

  • Brände, Hitze, Dürre: NRW rüstet die Industrie mit der Technologie von morgen

    Brände, Hitze, Dürre: NRW rüstet die Industrie mit der Technologie von morgen

    Delegationsreise zum Thema Carbon Management nach Belgien, in die Niederlande und nach Norwegen

    Waldbrände in ganz Europa, Hitzewellen, historisches Niedrigwasser am Rhein: Die Klimakrise ist in ganz Europa längst sichtbar. Sie zeigt, wie wichtig Klimaschutz-Technologien für die Zukunft sind. 

    Doch auch, wenn alle Einsparpotenziale durch den Einsatz von Erneuerbaren, Wasserstoff und weiteren Technologien gehoben sind, verbleiben ab 2045 in NRW noch mindestens 17 Millionen Tonnen Restemissionen, die nicht oder nicht ganz vermeidbar sind. Nordrhein-Westfalen bereitet sich darauf vor: Vom 17. bis 21. August reist unter Leitung von Staatssekretärin Silke Krebs eine gemeinsame Delegation des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE) und der Industrie nach Belgien, in die Niederlande und nach Norwegen. 

    Im Mittelpunkt steht das Thema Carbon Management: der Umgang mit CO₂, das sich nicht vermeiden lässt. Das betrifft vor allem die Zement- und Kalkindustrie sowie die Abfallwirtschaft, teils auch Stahl und Chemie. Das Prinzip dahinter ist einfach: vermeiden, was geht. Speichern, was bleibt. Dafür wird CO₂ abgeschieden und gespeichert (CCS), als Rohstoff weiterverwendet (CCU) oder aus der Atmosphäre entfernt (CDR).

    Ministerin Mona Neubaur: „Was wir gerade in Europa erleben – Brände, Hitze, Dürre – zeigt: Der Klimawandel ist längst da. Wir müssen unsere Industrie darauf vorbereiten. An vorderster Stelle müssen wir vermeiden, dass CO2 überhaupt entsteht – durch den Einsatz von Erneuerbaren, Elektrifizierung, Wasserstoff und mehr. CO₂-Speicherung wird eine Schlüsseltechnologie für CO2, das sich nicht vermeiden lässt. Die Technologie zur Abscheidung haben wir und mit starken Partnern haben wir auch Lösungen für den Transport und die Speicherung: zum Beispiel in Belgien, den Niederlanden und Norwegen.“

    Staatssekretärin Silke Krebs, leitet die Delegation: „Carbon Management heißt für uns: in Partnerschaften denken. Beim Transport und bei der Speicherung von CO₂ können wir von starken Nachbarn wie Belgien, den Niederlanden und Norwegen profitieren. Die technischen Lösungen entwickeln sich schnell – jetzt braucht es die Infrastruktur, um CO2-Quellen in NRW mit möglichen Speichern zu verbinden.“

    Grenzüberschreitende Infrastruktur für CO₂

    In Belgien entsteht am LNG-Terminal von Fluxys ein CO₂-Hub. Dort wird CO₂ aus ganz Europa gesammelt, bevor es auf die letzte Reise geht: in geologische Speicher. Auch CO₂ aus NRW soll hier künftig andocken. In Rotterdam laufen die Speicherprojekte Porthos und Aramis: CO₂ aus der Industrie des Rotterdamer Hafens wandert per Pipeline zu leeren Gasfeldern unter der Nordsee und wird dort sicher und dauerhaft gespeichert. Aramis soll bald auch CO₂ aus NRW aufnehmen.

    Mit den Niederlanden geht es zudem um den Delta Rhine Corridor: eine neue Leitung, die NRW über den Hafen Rotterdam mit den CO₂-Speichern in der Nordsee verbindet. Parallel entsteht eine Wasserstoffpipeline – für Unternehmen, die ganz auf CO₂ verzichten und stattdessen auf Wasserstoff umsteigen.

    Norwegen zeigt: CCS funktioniert im großen Stil

    In Norwegen besucht die Delegation Northern Lights bei Bergen. Das Projekt zeigt: CO₂-Speicherung funktioniert nicht nur im Labor, sondern im industriellen Maßstab. Seit 2025 wird die CO2-Speicherung hier sicher betrieben. Künftig bietet das Projekt Speicherkapazitäten für CO2 aus ganz Europa. Im DNV-Testzentrum geht es um die Sicherheit der Technik. In Oslo diskutiert die Delegation mit Politik und Wirtschaft die entscheidenden Fragen: Wie wird CCS bezahlbar? Und wie kommt die nötige Infrastruktur schnell genug voran?

    Zum Abschluss steht das Zementwerk von Heidelberg Materials in Brevik auf dem Programm. Dort werden jährlich rund 400.000 Tonnen CO₂ abgeschieden – und über Northern Lights dauerhaft gespeichert.

    Carbon Management macht an der Grenze nicht Halt

    Nordrhein-Westfalen kann die benötigten Speichermengen nicht selbst erreichen – das Potential in Nordrhein-Westfalen für Speicher ist zu gering. Deshalb setzt das Land auf enge Partnerschaften mit Belgien, den Niederlanden, Norwegen und weiteren Ländern. Nur so bleibt eine klimaneutrale Industrie in NRW möglich.

    Quelle: Wirtschaft NRW

  • Länderübergreifendes Kunststoff-Recycling realisieren

    Länderübergreifendes Kunststoff-Recycling realisieren


    Im internationalen Forschungs- und Demonstrationsprojekt Syschemiq haben 21 Konsortialpartner aus fünf EU-Ländern vier Jahre lang erforscht, wie sich eine länderübergreifende Kunststoff-Kreislaufwirtschaft realisieren und optimieren lässt. Ob Sortiertechnik, Bewusstsein für Recycling, Produktdesign – das Projekt zielte darauf ab, die wichtigsten technischen sowie nichttechnischen Hindernisse überwinden zu können. Fraunhofer UMSICHT war insbesondere in den Themengebieten »Design for Recycling«, »Collection« und »City-Lab-Programm« tätig und erstellte beispielsweise eine Studie zum Verbraucherverhalten. Im Podcast berichtet Dr. Anna Kerps von den Ergebnissen und Herausforderungen im Projekt.

    Gemischte Kunststoffabfälle stellen für das Recycling eine besondere Herausforderung dar, da sie nicht zusammen recycelt werden können. Das Produktdesign spielt ebenso eine große Rolle, da bestimmte Verpackungen unterschiedliche Plastikarten umfassen und von Verbrauchenden getrennt sortiert werden müssten, wie z.B. Aluminium-Deckel und Polypropylen (PP)-Gefäß eines Joghurtbechers. Mehr als 85 Prozent der gemischten Kunststoffabfälle gehen in der EU derzeit verloren. Daher sind EU-weit kreislauforientierte Systemlösungen auf regionaler Ebene entlang der gesamten Wertschöpfungskette notwendig, um dieses Potenzial auszuschöpfen.

    Im Projekt Syschemiq konnten nun für das Dreiländereck Deutschland, Belgien, Niederlande übertragbare Konzepte zur Sortierung von Plastikmüll, Ansätze für chemisches Recycling sowie Strategien für skalierbare Kreislauflösungen entwickelt werden. Auch partizipative Elemente zur Einbeziehung der Konsument*innen waren Teil des Projekts. Insbesondere am Brightlands Chemelot Campus bringen Partner diese Ergebnisse nun weiter zur Anwendung.

    Studie zum Verbraucherverhalten

    Fraunhofer UMSICHT erstellte eine Studie und ein Tool, das erstmals Konsumverhalten und Recyclinggewohnheiten systematisch in die Ökobilanzierung integriert (»Design for Recycling«).

    »Die Studie bezieht das Verbraucherverhalten in die Ökobilanz (LCA) ein, um die Umweltauswirkungen von Joghurtverpackungen unter Berücksichtigung verschiedener Designvarianten und Entsorgungsszenarien zu bewerten«, erläutert Dr. Anna Kerps, Projektmitarbeitende von Fraunhofer UMSICHT. Zentrale Empfehlungen für das Produktdesign waren beispielsweise, dass immer größere Portionsgrößen zu bevorzugen sind, um den Materialverbrauch pro Kilogramm Joghurt zu senken; einfache PP-Deckelfolien in Kombination mit PP-Bechern zu verwenden und auch klare, gut sichtbare Trennanweisungen und einheitliche Recycling-Symbole bereitzustellen, um die Sortiergenauigkeit zu verbessern.

    Zudem analysierten die Forschenden den Status quo bei der Erfassung und Sortierung von Verpackungsabfällen in Deutschland – als Grundlage, um diese Prozesse zu optimieren (»Collection & Sorting«). Um das Konsum- und Entsorgungsverhalten zu untersuchen, richteten sie ein »City Lab« ein, in dem Bürger*innen direkt eingebunden wurden und Bildungsformate für Schulen rund um das Thema Recycling entwickelt wurden.

    Im Podcast erläutert Dr. Anna Kerps nun, was z.B. die größten Hindernisse bei Recyclingketten sind, welche Vorteile Kunststoff gegenüber Glas oder Pappe aufweist und wie Konsument*innen auf unterschiedliche Produktverpackungen reagieren.

    Quelle: Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

  • Einfacher laden, einfacher umsteigen: Nordrhein-Westfalen baut Förderung für neue E-Ladeinfrastruktur aus

    Einfacher laden, einfacher umsteigen: Nordrhein-Westfalen baut Förderung für neue E-Ladeinfrastruktur aus

    Ministerin Neubaur: In NRW sollen alle von bezahlbarer Elektromobilität profitieren können – das ist echter Klimaschutz, der sich rechnet

    Planbare Kosten, weniger Lärm und mehr Fahrkomfort: Elektrofahrzeuge haben viele Vorteile. Nordrhein-Westfalen baut jetzt seine Förderung für neue Lademöglichkeiten aus, damit Mieterinnen, Mietern und Logistikunternehmen einfacher auf klimafreundliche Elektromobilität umsteigen können.

    Das Land stellt über das Förderprogramm „progres.nrw Emissionsarme Mobilität“ zusätzlich 25 Millionen Euro für die Jahre 2026 und 2027 für neue Ladepunkte an Mehrparteienhäusern und in den Depots von Logistikunternehmen bereit – gezielt da, wo es keine Unterstützung durch den Bund gibt. Die Förderung ist Teil der Ende Juli vorgestellten Zukunftsoffensive NRW. Förderantrage können ab sofort hier bei der Bezirksregierung Arnsberg gestellt werden. 

    Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „Wir sehen gerade am Rhein, was die Klimakrise wirtschaftlich bedeutet: weniger Ladung, mehr Kosten, gedrosselte Produktion. Klimaschutz ist immer auch Wirtschaftsschutz. Wer jetzt in klimafreundliche Mobilität investiert, macht sich unabhängiger von genau solchen Krisen. Wir schaffen neue Ladeinfrastruktur da, wo der Ausbau noch zusätzliche Impulse braucht – damit Mieterinnen und Mieter leichter umsteigen und Speditionen ihre Flotten auf E-Lkw umstellen können. Das ist die richtige Investition zur richtigen Zeit.“  

    Das wird vom Land gefördert: 

    Lademöglichkeiten für Mieterinnen und Mieter: Gefördert werden Ladepunkte an Mehrparteienhäusern (ab zwei Wohneinheiten, Gebäude mit maximal fünf Stellplätzen). Die Förderung können Vermieterinnen und Vermieter, Mieterinnen und Mieter sowie kleine Wohnungseigentümergemeinschaften beantragen. 

    Schnellladepunkte für die Logistikbranche: Gerade kleine und mittlere Unternehmen in der Logistikwirtschaft benötigen Anschub für Investitionen in den Aufbau der Ladeinfrastruktur. Das Land stellt dafür erneut sieben Millionen Euro für das Jahr 2026 bereit. Bis zu 30.000 Euro können kleine und mittelständische Unternehmen je Ladepunkt erhalten, bei einer Förderquote von 30 Prozent. 

    Diese Förderungen werden fortgesetzt:

    • Zuschüsse für Ladepunkte bei Arbeitgebern und für öffentliche Ladepunkte (jeweils bis zu 1.500 Euro je Ladepunkt)
    • Zuschüsse für Ladepunkte und die Beschaffung von elektrischen Kleinst- und Kleinwagen für ambulante soziale Dienste und Kommunen
    • Zuschüsse für Kommunen für leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen (maximal 8.000 Euro)
    • Förderung von Umsetzungskonzepten für die Errichtung von Ladeinfrastruktur und die Beschaffung von Fahrzeugen 

    Quelle: Wirtschaft NRW

  • Aachener Tagung »KI in der Photonik« bringt Industrie und Wissenschaft zusammen

    Aachener Tagung »KI in der Photonik« bringt Industrie und Wissenschaft zusammen

    Künstliche Intelligenz (KI) hat schon jetzt unübersehbaren Einfluss auf die Wertschöpfung in der Laserfertigung und im Optikdesign. Dabei sind erst Bruchteile des Potenzials dieser Verbindung gehoben. Mit der zweitägigen Tagung »KI in der Photonik« laden der Industrieverband für Optik, Photonik, Analyse- und Medizintechnik – SPECTARIS und das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT zum Wissensaustausch ein. Während der erste Tag Basics über KI-Methoden, -Werkzeuge und -Anwendungen vermittelt und in die Thematik einführt, wird Tag 2 neueste Ansätze aus der industriellen und wisssenschaftlichen KI-Anwendung beleuchten. Die beiden Tagungsmodule am 13. und 14. Oktober 2026 sind einzeln oder gemeinsam buchbar.

    KI hat zunehmenden Einfluss auf die Effizienz, Präzision und Qualität photonischer Verfahren. Was in Prozessmonitoring und Qualitätsinspektion begann und heute sehr präzise zwischen tatsächlichen Fehlern von tolerablen Abweichungen unterscheiden kann, greift nun auf eine aktive, vorausschauende Prozessoptimierung über. Auf Basis von immer tieferem Verständnis der Ursachen eröffnet KI Möglichkeiten, Fehler im laufenden Prozess vorherzusagen. Gelingt das, ist der logische nächste Schritt der aktive korrigierende Eingriff. Damit kommt die Laserfertigung der Vision einer autonomen First-Time-Right-Produktion immer näher.

    »Die Data Science gibt der Photonik mächtige Werkzeuge an die Hand, die ausgezeichnet auf Prozesse in der Lasermaterialbearbeitung oder das Design von optischen Systemen und Laserstrahlquellen anwendbar sind«, sagt Prof. Carlo Holly, Leiter des RWTH-Lehrstuhls für Technologie optischer Systeme und Abteilungsleiter Data Science und Messtechnik am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen. Er wird durch den zweiten Tag der Tagung »KI in der Photonik – Industrie trifft Wissenschaft« führen, zu der der Industrieverband SPECTARIS mit fachlicher Unterstützung der ideellen Träger Fraunhofer ILT und Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi) sowie der beiden Cluster REGINA e.V. und der LASER.region.AACHEN am 13. und 14. Oktober 2026 nach Aachen einlädt. 

    Zukunft KI-unterstützter photonischer Fertigung hat begonnen

    KI ist zwar mittlerweile in aller Munde und dank großer Sprachmodelle wie ChatGPT, Gemini oder Deep Seek auch im alltäglichen Gebrauch. Doch die hochspezifischen und komplexen KI-Anwendungen in der Photonik sind für viele Anwender bisher noch Neuland. Zudem zeichnet sich das junge Technologiefeld durch enorme Entwicklungsdynamik aus. Sie macht es schwer, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Die Aachener KI-Tagung greift diese Gemengelage auf. Der 1. Tag richtet sich in der Konferenzsprache Deutsch an Einsteigerinnen und Einsteiger und an industrielle Anwender, die sich nur punktuell oder noch gar nicht mit den Möglichkeiten der KI-unterstützten photonischen Fertigung befasst haben. Ihnen werden Forschende des Fraunhofer ILT und der RWTH Aachen zunächst verschiedene KI-Methoden, die Grundprinzipien des KI-Einsatzes im Kontext der Lasermaterialbearbeitung und die Möglichkeiten von KI in der Prozessüberwachung, Qualitätsoptimierung und Effizienzsteigerung nahebringen. Auf dieses seminarartige Modul folgt am zweiten Tag ein englischsprachiges Vortragsprogramm, in dem Akteure aus Industrie und Forschung über neueste Ansätze und Trends der wissenschaftlichen und industriellen KI-Anwendung sprechen und deren Einfluss auf die Weiterentwicklung von Laserverfahren und Optikdesign erörtern. Dieses Modul bietet erfahreneren Anwenderinnen und Anwendern eine Plattform, um ihre Erfahrungen und Best Practices auszutauschen und neue Impulse für die Weiterentwicklung ihrer eigenen photonischen Prozesse mithilfe von KI-Methoden zu erhalten.

    Möglichkeiten zum Einstieg in KI und zum Networking nutzen

    »An beiden Konferenztagen bieten sich Möglichkeiten zum Networking und zum vertieften fachlichen Austausch mit KI-Forschenden des Fraunhofer ILT und meines Lehrstuhls«, erklärt Holly. Auch beim Einstieg in die KI komme es auf zwischenmenschliche Kontakte und auf den Austausch von Erfahrungen und Best-Practices an. Daher mache die Konferenz »KI in der Photonik« den zweiten Teil ihres Namens »Industrie trifft Wissenschaft« zum Programm.

    Quelle: Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

  • Neue Werkzeuge für die Tiefengeothermie der Rhein-Ruhr-Region

    Neue Werkzeuge für die Tiefengeothermie der Rhein-Ruhr-Region

    Tiefe Geothermie könnte etwa ein Viertel des gesamten Deutschen Wärmebedarfs zur Verfügung stellen. In der Rhein-Ruhr-Region (R3) eignet sich insbesondere Kalkgestein – wie karbonzeitliche Kohlenkalke und devonische Massenkalke – für die geothermische Energiegewinnung. Diese Gesteine zeichnen sich infolge von Verkarstung oder Klüftung durch eine starke hydraulische Durchlässigkeit aus. Gerade diese Eigenschaften machen sie für die geothermische Nutzung interessant, erschweren aber gleichzeitig eine verlässliche Vorhersage ihres Potenzials. Sie stehen daher im Mittelpunkt des Verbundprojekts R3CHAIN, welches vom BMFTR mit 2,1 Mio. Euro gefördert wird.

    Die geologische Komplexität von Kalkgestein resultiert nicht nur aus den vorliegenden Karsten und Klüften sondern auch aus geochemischen Prozessen, bei denen sich Mineralien entlang von Kluft- und Karstflächen lösen oder neu ausfällen. Dadurch können sich Fließeigenschaften, Wärmeinhalt und Entzugsleistung eines Reservoirs im Betrieb verändern. Auch technische Anlagen können durch solche Prozesse beeinträchtigt werden. Projektleiterin Dr. Katharina Alms, Fraunhofer IEG: »Ziel des Projektes ist es, diese Dynamiken zu quantifizieren und Werkzeuge zu entwickeln mit denen sich die technische und die wirtschaftliche Nutzung von Karbonatgestein für die regionale Wärmeversorgung besser planen lassen.«

    KI ermöglicht Netzbetreibern und Energieversorgern eigenständigen Zugriff

    Das Projekt R3Chain definiert Prozessabläufe im Untergrund sowie Nutzungskonzepte zur erfolgreichen Planung von Geothermieanlagen und entwickelt dazugehörige digitale Werkzeuge. Im Einzelnen umfasst dies folgende Projektmeilensteine:

    • Zusammenstellung geologischer und hydrogeologischer Informationen in einer strukturierten Datenbank.
    • Experimentelle Analysen des lokalen Gesteins in der Rhein-Ruhr-Region insbesondere im Hinblick auf Wechselwirkungen zwischen Gestein und Fluiden.
    • Ableitung einer Potentialkarte für die Rhein-Ruhr-Region zur Identifizierung von geeigneten -Standorten für die tiefe Geothermie.
    • Erweiterung der Fraunhofer eigenen Simulationssoftware PyDoublet zur Berechnung thermischer Leistung und des Wärmeinhalts von Kluft- und Karstleitern.
    • Entwicklung eines Tiefengeothermie-Moduls für die Wärmenetzsoftware pandapipes.

    Anschließend will das Projektteam einen KI-gestützten Chatbot entwickeln, der auf die im Projekt entwickelten Datenbanken, Potentialkarten und Simulationsergebnisse zugreifen kann und lokale Auswertung zur Verfügung stellt. So können Netzbetreiber und Energieversorger die wirtschaftlichen Randbedingungen von Tiefengeothermie-Projekten in der Rhein-Ruhr-Region eigenständig und frühzeitig abschätzen. Kosten der Wärmeintegration für die Energieversorger und die mögliche Bandbreite der Wärmekosten für die Endverbraucher werden so transparent.

    Förderprojekt des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt

    Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert R3Chain mit rund 2,1 Mio. Euro. Projektpartnern sind Fraunhofer IEG, Ruhr Universität Bochum und Technische Universität Berlin. Der Beirat des Projektes besteht aus dem Geologischen Dienst, den Stadtwerken Wuppertal und dem parallelen Förderprojekt Carbscale. R3Chain läuft vom 01. Mai 2026 bis zum 30. April 2029.

    Quelle: Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG

  • PackAssistant plant jetzt die Lkw-Beladung und berechnet Verpackungs- und Logistikkosten

    PackAssistant plant jetzt die Lkw-Beladung und berechnet Verpackungs- und Logistikkosten

    Fraunhofer SCAI hat seine Verpackungssoftware PackAssistant um die Planung von Paletten- und Lkw-Beladungen sowie eine Kostenberechnung erweitert. Damit bezieht die neue Version zusätzliche Stufen der Transportkette in die Verpackungsplanung ein. Unternehmen können nun mehrere Lösungen hinsichtlich ihrer Verpackungs- und Logistikkosten vergleichen.

    Kern der Software bleibt die platzsparende Anordnung baugleicher Teile in Behältern. Die dreidimensionale Verpackungsplanung basiert auf CAD-Daten und berücksichtigt neben Länge, Breite und Höhe auch die tatsächliche Geometrie der Bauteile. PackAssistant berechnet daraus Anordnungen, die den verfügbaren Raum bestmöglich nutzen und die Teile zugleich vor Beschädigungen schützen. Vor allem bei komplex geformten Komponenten kann die Berechnung aufwendige manuelle Packversuche verkürzen oder ersetzen. Verpackungslösungen lassen sich dadurch bereits während der Produktentwicklung untersuchen.

    Auf dieser Behälteroptimierung bauen die neuen Funktionen auf. Steht die Anordnung der Bauteile fest, platziert PackAssistant die beladenen Behälter auf Paletten und ordnet sie anschließend im Laderaum eines Lkws an. Auch eine Beladung ohne Paletten ist möglich. Die benötigten Behälter-, Paletten- und Lkw-Typen kann man über die Benutzeroberfläche auswählen.

    Das Ergebnis der Berechnung stellt die Software grafisch dar. Auf diese Weise ist nachvollziehbar, wie der vorhandene Raum im Behälter, auf der Palette und im Fahrzeug genutzt wird. Für eine realistischere Darstellung werden nun auch Packmaterialien wie Trays, Inserts und Gefache direkt angezeigt.

    © Fraunhofer SCAIDarstellung der geplanten Lkw-Beladung mit Kennzahlen zu Logistikkosten.

    Zusätzlich weist PackAssistant die Kosten der berechneten Varianten aus. In die Kalkulation fließen unter anderem Aufwendungen für unterschiedliche Packmaterialien, Behälter sowie für die Logistik ein. Angezeigt werden die Kosten pro Bauteil sowie die daraus abgeleiteten Kosten für einen Behälter, eine Palette und einen kompletten Lkw. Für den Straßentransport nennt das Programm außerdem die Kosten je Fahrt.

    Die Ergebnisse zeigen, welche Lösung den Raum am kostengünstigsten nutzt und wie viele Behälter, Paletten oder Transporte dafür benötigt werden. Sie können außerdem in die Angebotserstellung und in die logistische Kalkulation einfließen.

    PackAssistant richtet sich vor allem an Industrieunternehmen, die häufig große Stückzahlen baugleicher, auch komplex geformter Teile verpacken. Mehr als 400 Kunden nutzen die weltweit über 2.000-mal installierte Software. Fraunhofer SCAI entwickelt das Programm. Die scapos AG, ein Spin-off-Unternehmen von SCAI, übernimmt den Vertrieb über ein internationales Netz von Distributionspartnern.

    Weitere Informationen unter:
    https://www.packassistant.de

    Quelle: Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI

  • LEXI – KI für die Arbeit mit umfangreichen Dokumenten und großen Datenräumen im juristischen Bereich

    LEXI – KI für die Arbeit mit umfangreichen Dokumenten und großen Datenräumen im juristischen Bereich

    In M&A-Prozessen (Merger & Acquisitions, d.h. Unternehmenskäufen, -verkäufen und -fusionen), also allen Schritten bis zum rechtlichen Vollzug eines Unternehmensverkaufs oder -kaufs, sind strukturierte Analysen von Unternehmensdaten und Vertragsunterlagen, mit denen potenzielle Risiken, Verpflichtungen und wertrelevante Informationen identifiziert und bewertet werden, essenziell. Die Herausforderung: Diese sogenannten Due-Diligence-Prüfungen bedeuten die Sichtung von Datenräumen mit teils zehntausenden Dokumenten, unter hohem Zeitdruck und mit dem Anspruch, keine transaktionsrelevante Information zu übersehen. Genau hier setzt GÖRG an: den Prüfprozess KI-gestützt beschleunigen, ohne die anwaltliche Bewertungshoheit einzuschränken.

    Die Lösung: Gemeinsam mit dem Fraunhofer IAIS entsteht LEXI (Legal Extraction & Intelligence) – ein KI-gestütztes System, das Fachanwenderinnen und Fachanwender bei der Erschließung, Analyse und Berichterstellung in umfangreichen M&A-Datenräumen unterstützt.

    LEXI basiert auf Verfahren des maschinellen Lernens, um Dokumente im Datenraum fachlich einzuordnen und strukturiert für einen systematischen Prüfpfad aufzubereiten. Transaktionsrelevante Klauseln und Sachverhalte können gezielt aufgefunden und für die anwaltliche Prüfung bereitgestellt werden. Die Prüfergebnisse fließen anschließend KI-gestützt in einen strukturierten Due-Diligence-Bericht ein, der die anwaltliche Bewertung dokumentiert.

    Die Lösung soll die schnellere Erschließung großer, heterogener Datenräume ermöglichen und den gezielten Zugriff auf relevante Informationen erleichtern. Zugleich bleibt die fachliche Bewertungshoheit bei den Juristinnen und Juristen: Die KI unterstützt den Prüfprozess, strukturiert Informationen und bereitet Ergebnisse auf, ersetzt jedoch nicht die anwaltliche Bewertung. Mit LEXI zeigen GÖRG und das Fraunhofer IAIS, wie angewandte Künstliche Intelligenz in hochspezialisierten Fachdomänen realen Mehrwert schaffen und große Mengen unstrukturierter Informationen zugänglich und nutzbar machen kann.

    Quelle: Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

  • Atomarer Regenbogen in Graphen

    Atomarer Regenbogen in Graphen

    Manchmal muss man nur genau genug hinschauen – und schon zeigt sich ein Regenbogen. Ein Forschungsteam der Universität Duisburg-Essen und der Universität Uppsala hat ein solches Phänomen nun erstmals auf atomarer Ebene experimentell beobachtet. Erstautorin der in der Fachzeitschrift Carbon veröffentlichten Studie ist Physikerin Carolin Frank, die an beiden Universitäten promoviert.

    Graphen besteht aus einer einzigen Schicht von Kohlenstoffatomen, die in einer wabenförmigen Struktur angeordnet sind. Das macht das Material zu einem idealen Testsystem. Für das Experiment beschleunigte das Team Xenon-Ionen auf eine Energie von 40 Kiloelektronenvolt (40 keV) und schickte sie durch freistehendes Graphen. Aus den winzigen Ablenkungen der Teilchen entstand ein charakteristisches Streumuster: ein äußerer kreisförmiger und ein innerer sechseckiger Regenbogen. Das Phänomen wird als Rainbow Scattering bezeichnet und konnte damit erstmals experimentell an einlagigem Graphen nachgewiesen werden.

    „Erst die Kombination aus der ultrareinen Graphenprobe aus Duisburg und der außergewöhnlichen Auflösung des Messsystems in Uppsala hat diese Beobachtung möglich gemacht“, sagt Carolin Frank, die zur Arbeitsgruppe von Experimentalphysikern Prof. Dr. Marika Schleberger, Universität Duisburg-Essen, gehört. „Das Streumuster reagiert äußerst empfindlich auf kleinste Verunreinigungen der Oberfläche und ließ sich deshalb bislang nicht experimentell nachweisen.“

    Besonders aufschlussreich war der Vergleich der Messdaten mit verschiedenen Computersimulationen. Während bestehende Modelle den äußeren Regenbogen gut beschreiben, zeigen sich beim inneren sechseckigen Muster deutliche Abweichungen. Die Ergebnisse machen sichtbar, wo gängige Modelle der Wechselwirkung zwischen Ionen und Festkörpern an ihre Grenzen stoßen.

    „Graphen dient dabei nicht nur als Probenmaterial, sondern auch als besonders empfindlicher Prüfstand für Modelle der Ion-Festkörper-Wechselwirkung“, sagt Prof. Dr. Marika Schleberger, Mitautorin der Studie. Gerade weil das Material nur aus einer einzigen Atomlage besteht, lassen sich selbst kleinste Unterschiede zwischen Experiment und Theorie erkennen.

    Künftig wollen die Forschenden ihre Methode auf weitere Ionensorten und andere zweidimensionale Materialien übertragen. Dadurch möchten sie die Wechselwirkung energiereicher geladener Teilchen mit Festkörpern noch genauer verstehen und bestehende theoretische Modelle weiter verbessern.

    Quelle: UDE

  • Neue Impulse für Innovation im Ruhrgebiet

    Neue Impulse für Innovation im Ruhrgebiet

    Ruhr-Universität Bochum, Hochschule Ruhr West und Kulturforum Witten setzen dieses Projekt gemeinsam um.

    Mit „Fab.Future Ruhr“ ist im Frühjahr 2026 eine Initiative zur Stärkung der zukunftsorientierten Innovationskultur im Ruhrgebiet gestartet. Ziel ist es, Kompetenzen aus Wissenschaft, Makerspaces und Fablabs sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft gezielt mit den Anforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen zu verknüpfen und neue Innovationspotenziale für die Region zu schaffen. Makerspaces und Fablabs als offene Hightech-Werkstätten ermöglichen dabei den Zugang zu Technologien wie 3D-Druck, Lasercutting oder CNC-Bearbeitung und schaffen Raum für interdisziplinäre Zusammenarbeit und innovative Entwicklungsprozesse.

    „Fab.Future Ruhr“ wird von der Ruhr-Universität Bochum, der Hochschule Ruhr West und dem Kulturforum Witten AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts) umgesetzt. Gemeinsam bündeln die Partner ihre Kompetenzen aus Wissenschaft, Forschung und Kultur, um nachhaltige Innovationsimpulse für das Ruhrgebiet zu schaffen. Beteiligt sind auf Seiten der Ruhr-Universität die WORLDFACTORY und ihr RUB-Makerspace sowie auf Seiten der Hochschule Ruhr West das FabLab.

    Ein zentrales Element des Projekts ist der Ausbau eines regionalen Netzwerks für Makerspaces und kreative Innovationsorte. Neue Formate wie Workshops, Hackathons und Co-Creation-Events fördern den Austausch und erleichtern insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu neuen Technologien und Prototyping-Möglichkeiten.

    Förderung

    Gefördert wird das Projekt mit rund 2,7 Millionen Euro im Rahmen der Förderlinie „Regio.NRW – Transformation“ durch das Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

    Quelle: Ruhr-Universität Bochum

  • Aufforstung mit KI und Drohnen: H-BRS demonstriert NRW-Ministerin Gorißen Forschungsprojekt „Garrulus“

    Aufforstung mit KI und Drohnen: H-BRS demonstriert NRW-Ministerin Gorißen Forschungsprojekt „Garrulus“

    Rund ein Drittel der Fläche Nordrhein-Westfalens ist bewaldet. Doch Stürme, Dürre und der Borkenkäfer als Folgen des Klimawandels haben große Schäden verursacht. Zur nachhaltigen Wiederbewaldung der Schadflächen hat die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) im Forschungsprojekt „Garrulus“ ein Verfahren mit Drohnen entwickelt. Über das innovative Projekt informierte sich heute im Arnsberger Wald NRW-Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen im Rahmen ihrer Tour „Starke Zukunft in NRW: KI in Landwirtschaft und Wald“.

    Wer in den hiesigen Wäldern unterwegs ist, kann es nicht übersehen: Verfärbte Baumkronen, kahle Äste und abblätternde Rinde zeigen, dass großflächig Bäume nach Borkenkäferbefall abgestorben sind. Zuletzt hat sich die Situation mit dem Schädling etwas entspannt – doch die Aufforstung bleibt eine zentrale Aufgabe. Auch Stürme und Dürren haben ihre Spuren hinterlassen. Laut des jüngsten NRW-Waldzustandsberichtes von 2025 ist ein Drittel der Bäume schwer geschädigt. Forschende der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg haben im Projekt „Garrulus“ nun ein innovatives Verfahren zur Aufforstung mit Drohnen entwickelt, deren Prototyp sie der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen heute im Arnsberger Wald demonstriert haben.

    Gorißen: Projekt hat Potenzial, die Forstwirtschaft nachhaltig zu stärken

    „Unsere Wälder sind unverzichtbar – als Lebensraum, Klimaschützer, Erholungsort und Holzlieferant“, sagte Ministerin Silke Gorißen vor Ort. „Gleichzeitig stehen sie durch den Klimawandel unter enormem Druck. Deshalb brauchen wir neue Ideen und moderne Technologien, um die Wiederbewaldung zu unterstützen. Das Projekt ,Garrulus‘ zeigt eindrucksvoll, wie Künstliche Intelligenz, Drohnentechnik und wissenschaftliche Expertise dazu beitragen können, geschädigte Waldflächen präzise und effizient mit Saatgut wiederzubewalden. Die Landesregierung fördert ,Garrulus‘ ganz bewusst, weil das Projekt das Potenzial hat, die Forstwirtschaft nachhaltig zu stärken.“

    Verfahren besteht aus drei Schritten

    Das neu entwickelte Verfahren besteht aus drei Schritten: Zunächst erfassen die Forschenden mit einer Messdrohne, die mit unterschiedlichen Kameras und Sensoren ausgestattet ist, die geschädigte Waldfläche. Die so entstandenen hochauflösenden Aufnahmen werden dann mit Hilfe von neu entwickelten Modellen Künstlicher Intelligenz (KI) analysiert – Baumstümpfe werden zum Beispiel ebenso erkannt wie Vegetation oder freiliegender Boden. Auf Basis dieser Daten schlägt die KI dann einen Aufforstungsplan mit den optimalen Punkten für eine erfolgreiche Keimung neuer Bäume vor. Im dritten Schritt kommt eine Saatdrohne zum Einsatz, die in einer Höhe von zehn bis 15 Metern über dem Boden schwebt und Kapseln mit Saatgut und Nährstoffen – immer unter Kontrolle eines Menschen – an diesen Punkten in die Erde einbringt. 

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    Ahmad Drak zeigt der Ministerin eine Saatkapsel, die die Drohne in den Boden bringt. Daraus soll dann ein Keimling erwachsen. Foto: Daniela Greulich

    Aufeinander abgestimmtes System von Drohne und KI-Analyse der Waldböden

    „Das Besondere an ‚Garrulus‘ ist, dass es den gesamten Wiederaufforstungsprozess in einem aufeinander abgestimmten System von Drohneneinsatz und maschinellem Lernen vereint. Aufgrund der KI-gestützten Analyse der geschädigten Waldböden erfolgt die Saat per Drohne gezielt und nicht durch eine zufällige Streuung der Kapseln – und deren Erfolg lässt sich mit derselben Drohne überprüfen“, sagt Projektmanager Ahmad Drak. In Mitteleuropa müssten aufgrund von Schäden durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer große Waldgebiete schnell und widerstandsfähig wiederaufgeforstet werden. Allerdings seien manuelle Anpflanzungen teuer und zeitaufwändig, weshalb der im Projekt Garrulus entwickelte skalierbare und präzise Arbeitsablauf einen echten praktischen Mehrwert biete. „Die Zukunftsaussichten für dieses Verfahren sind vielversprechend: Die Kernkomponenten – die hochauflösende Kartierung, die Segmentierung, die gezielte Aussaat und die Kontrolle per Drohne – funktionieren und zeigen das Potenzial dieser Technologie für die Wiederaufforstung.“ Auch weitere Anwendungen in der digitalen Forstwirtschaft wie die automatisierte Kartierung von Waldflächen sind denkbar. 

    Entwicklung eines Prototyps als Projektziel

    Das Projekt „Garrulus“ ist 2021 gestartet und endet im Dezember 2026. Ziel war die Entwicklung eines Prototyps, der eine wissenschaftliche fundierte Grundlage für künftige marktreife Anwendungen liefert. Zum Team der Forschenden aus dem Fachbereich Informatik an der H-BRS zählen Ahmad Drak, Maximilian Johenneken, Brennan Penfold, Ludovico Scarton, Mohammad Wasil und Leon Dijks. Projektleiter sind die Professoren Alexander Asteroth und Sebastian Houben.

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    Die KI schlägt einen Aufforstungsplan für die geschädigten Flächen vor. Grafik: Forschungsteam Garrulus

    „Als Informatiker hätten wir vor ein paar Jahren nicht gedacht, dass uns unsere Forschung einmal mitten in den Wald führt“, sagt Professor Alexander Asteroth. „Aber genau hier zeigt sich, ob aus einem Ansatz echter Nutzen entsteht: Wenn im Frühjahr ein Keimling genau dort steht, wo unser Modell einen guten Standort vorhergesagt hat, sagt das mehr als jede Simulation.“

    Wiederbewaldung in allen Phasen praktisch erprobt

    Im Projekt „Garrulus“ sei die drohnengestützte Wiederbewaldung in allen Phasen praktisch erprobt worden, betont Professor Sebastian Houben. „Oft scheinen wir als einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Klimawandel machtlos gegenüberzustehen. Heute setzen wir mit Garrulus ein Zeichen, dass moderne Robotik und intelligente Umgebungswahrnehmung einen signifikanten Beitrag zur Klimaanpassung unserer Wälder liefern können. In unserem dreistufigen Ansatz aus Saatplatzauswahl, Saatabwurf und Verjüngungsmonitoring sind alle kritischen Fragen zur technologischen Machbarkeit behandelt worden.“

    „Garrulus ist ein Musterbeispiel dafür, was anwendungsorientierte Forschung und gelingender Transfer an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften leisten können“, sagte die Vizepräsidentin Internationales und Digitalisierung, Professorin Teena Hassan, im Arnsberger Wald. „Garrulus zeigt auch, wie KI und autonome Systeme neue Chancen bieten, um den großen Herausforderungen unserer Gegenwart zu begegnen. Das ist verantwortungsvolle KI aus NRW.“

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    Wiederaufforstung mit der Saatdrohne: Das Garrulus-Team demonstrierte Ministerin Silke Gorißen das Verfahren im Arnsberger Wald. Foto: Daniela Greulich

    Das Forschungsprojekt „Garrulus“ wird vom Land Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 1,78 Millionen Euro gefördert. Externer Kooperationspartner ist der Landesbetrieb Wald und Holz NRW, der die Forschenden mit Expertise, Infrastruktur und Versuchsflächen unterstützt. Das Forschungsprojekt wird an der H-BRS von Forschenden des Instituts für Technik, Ressourcenschonung und Energieeffizienz (TREE) durchgeführt.