Kategorie: Laufband

  • Auf dem Weg zu zirkulären Elastomeren: Covestro eröffnet Pilotanlage in Leverkusen

    Auf dem Weg zu zirkulären Elastomeren: Covestro eröffnet Pilotanlage in Leverkusen

    • Eine der weltweit ersten Pilotanlagen dieser Art für diese Materialklasse
    • Mehr als 90 Prozent ausgewählter Vulkollan®-Altmaterialien können recycelt werden – bei einer Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks um bis zu zwei Drittel gegenüber fossilbasiertem Neumaterial
    • Projekt im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich nutzt deutsche Chemie- und Ingenieurskompetenz, um die Technologie in Richtung industrielle Anwendung weiterzuentwickeln
    • Covestro ruft zur Zusammenarbeit beim Aufbau zirkulärer Wertschöpfungsketten für Elastomere am Ende ihrer Nutzungsdauer auf

    Covestro hat an seinem Standort in Leverkusen eine neue Pilotanlage für das chemische Recycling von Hochleistungselastomeren eröffnet. Mit dem Projekt im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich überführt das Unternehmen ein neuartiges Recyclingverfahren für Vulkollan® aus der Laborentwicklung in den Pilotbetrieb.

    Als eine der weltweit ersten Anlagen dieser Art für diese Materialklasse ist die Pilotanlage ein wegweisender Schritt hin zu zukunftsfähigen zirkulären Lösungen für Hochleistungselastomere. Das Projekt baut auf der starken deutschen Chemie- und Ingenieurskompetenz auf und unterstreicht das Bekenntnis von Covestro zu Leverkusen als Standort für industrielle Innovation.

    „Zirkularität in technisch robuste und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu überführen, ist ein zentraler Bestandteil der Strategie von Covestro“, sagte Monique Buch, Chief Commercial Officer von Covestro. „Mit dieser Pilotanlage bringen wir innovative Chemie einen Schritt näher an die industrielle Anwendung und reagieren auf die wachsende Nachfrage unserer Kunden nach zirkulären Lösungen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, welchen Beitrag die deutsche Industrie- und Ingenieurskompetenz zu resilienteren und zirkulären Wertschöpfungsketten in Europa leisten kann.“

    Vom Labormaßstab zur technischen Validierung

    Im Mittelpunkt des Projekts steht Vulkollan®, ein Hochleistungs-Polyurethanelastomer, das unter anderem in Gabelstaplerrollen, Bahnpuffern, Anschlagspuffer im Automobilbereich und Komponenten zur Schwingungsdämpfung eingesetzt wird. Oft kaum sichtbar, leisten diese Materialien einen wesentlichen Beitrag zum sicheren, zuverlässigen und langlebigen Betrieb von Fahrzeugen und Industrieanlagen.

    Das chemische Recyclingverfahren von Covestro zerlegt ausgewählte Vulkollan®-Altmaterialien in gereinigte chemische Bausteine, die erneut genutzt werden können. Unter definierten Prozess- und Einsatzstoffbedingungen können mehr als 90 Prozent des ausgewählten Materials bezogen auf die Masse recycelt werden. Gleichzeitig kann der CO₂-Fußabdruck des zurückgewonnenen Materials gegenüber fossilbasiertem Neumaterial um bis zu zwei Drittel reduziert werden.

    Mit der neuen Pilotanlage geht Covestro nun über den Labormaßstab hinaus. Das Unternehmen kann unterschiedliche Altmaterialströme testen, das Verfahren weiter optimieren und die notwendigen Daten für eine mögliche zukünftige industrielle Skalierung gewinnen.

    „Diese Pilotanlage ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Kommerzialisierung“, sagte Dr. Thomas Braig, Head of the Business Entity Elastomers bei Covestro. „Sie ermöglicht es uns, die technische Machbarkeit des chemischen Recyclings von Vulkollan® unter praxisnäheren Bedingungen zu demonstrieren, das Verfahren systematisch weiterzuentwickeln und die Grundlage für eine mögliche zukünftige industrielle Anwendung zu schaffen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern skalierbare zirkuläre Lösungen für Hochleistungselastomere zu entwickeln.“

    Aufbau einer zirkulären Wertschöpfungskette

    Covestro arbeitet mit Kunden, Recyclingunternehmen, Entsorgungsunternehmen, Logistikdienstleistern und weiteren Partnern zusammen, um die für zukünftige geschlossene Kreisläufe erforderlichen Sammel- und Rücknahmesysteme zu entwickeln.

    Diese Partnerschaften sind entscheidend, um geeignete Altmaterialien verfügbar zu machen, eine gleichbleibende Qualität der Einsatzstoffe sicherzustellen und eine wirtschaftlich tragfähige zirkuläre Wertschöpfungskette für Hochleistungselastomere aufzubauen.

    Aufbauend auf den Arbeiten mit Vulkollan® will Covestro die Pilotanlage zudem nutzen, um zirkuläre Lösungen für ausgewählte Spezial-Gießelastomere und thermoplastische Polyurethane (TPU) zu untersuchen.

    Mit der neuen Pilotanlage stärkt Covestro Leverkusen als Standort für nachhaltige Materialinnovationen und treibt zugleich sein Ziel voran, vollständig zirkulär zu werden.

    Quelle: https://www.covestro.com/press/de/auf-dem-weg-zu-zirkulaeren-elastomeren-covestro-eroeffnet-pilotanlage-in-leverkusen/

  • PVDF-Molekulargewicht als Schlüssel für geringeren Lösungsmittelbedarf

    PVDF-Molekulargewicht als Schlüssel für geringeren Lösungsmittelbedarf

    Nachhaltige Batteriezellproduktion stärken und Energieverbrauch senken

    Der Fluorkunstoff Polyvinylidendifluorid (PVDF) zählt zu den am häufigsten verwendeten Bindemitteln in positiven Elektroden von Lithium-Ionen-Batterien. Um ihn während der Zellproduktion verarbeiten zu können, ist jedoch das teure, gesundheitsschädliche, organische Lösungsmittel N-Methylpyrrolidon (NMP) erforderlich. Ein vielversprechender Ansatz, NMP zu reduzieren und damit den Energieverbrauch in bestehenden Herstellungsprozessen zu senken, ist es, die Eigenschaften des Bindemittels gezielt anzupassen. Ein Team des MEET Batterieforschungszentrums der Universität Münster hat deshalb untersucht, wie das Molekulargewicht von PVDF die Eigenschaften der Elektrodenpaste und der Kompositelektrode sowie die elektrochemische Leistung der Kathoden (basierend auf Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid: NMC622) beeinflusst.

    Niedriges Molekulargewicht bringt Vorteile

    Die Forschenden stellten fest, dass PVDF mit niedrigem Molekulargewicht einen deutlich höheren Feststoffgehalt während der Verarbeitung ermöglicht. „Im Ergebnis haben wir den Massenanteil von NMP in der Elektrodenpaste um 33 Prozent gesenkt“, erklärt MEET Wissenschaftlerin Johanna Kauling. Der absolute NMP-Verbrauch in der Elektrodenherstellung ließ sich dadurch um 41 Prozent reduzieren. Dr. Markus Börner, Leiter des Forschungsbereichs „System Zelle“ ergänzt: „NMP zu reduzieren, ist eine mittelfristige Strategie, um die Energiekosten zu senken und sicherere, umweltfreundlichere Batterieproduktionsprozesse zu fördern, ohne die Infrastruktur umfänglich anpassen zu müssen.“

    © Advanced Energy and Sustainability Research, Wiley

    Zudem analysierte das Wissenschaftsteam zwei unterschiedliche Partikelmorphologien des Aktivmaterials NMC622: einkristallin und polykristallin.  Besonders vielversprechende Ergebnisse erzielte PVDF mit niedrigem Molekulargewicht in polykristallinen Systemen. Bei diesen wurden unter anderem Migrationsprozesse des Bindemittels unterdrückt, was zu einer homogenen Verteilung der Kohlenstoff-Bindemittel-Domänen führte.  Die daraus resultierende Elektrodenstruktur ermöglichte eine um 37 Prozent verlängerte Zykluslebensdauer. Damit zeigt die Studie, dass sich durch die gezielte Wahl des Bindemittels sowohl der Materialeinsatz in der Produktion reduzieren als auch die Performanz der Elektrode verbessern lässt.

    Detaillierte Ergebnisse online verfügbar

    Die gesamte Studie haben die Forschenden Johanna Kauling, Dr. Candeniz Gercek, Jonas Fechner und Dr. Markus Börner, MEET Batterieforschungszentrum sowie Prof. Dr. Martin Winter, MEET Batterieforschungszentrum und Helmholtz-Institut Münster des Forschungszentrums Jülich, im Fachmagazin „Advanced Energy and Sustainability Research“ veröffentlicht.

    Quelle: https://www.uni-muenster.de/MEET/presse/news/PVDF_Molecular_Weight_Solvent_Consumption.shtml

  • Technologische Stärke für mehr Sicherheit: Land und EU fördern 24 Defence-Tech-Projekte

    Technologische Stärke für mehr Sicherheit: Land und EU fördern 24 Defence-Tech-Projekte

    Wirtschaftsministerin Neubaur eröffnet erstmals die EURO DEFENCE EXPO (EUDEX) in Essen

    Die Anforderungen an Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit haben sich grundlegend verändert. Wer seine Sicherheit gewährleisten will, muss deshalb auch technologisch souverän sein. Nordrhein-Westfalen verfügt über eine leistungsfähige industrielle Basis, innovative Mittelständler und eine starke Forschungslandschaft.

    Mit dem Förderaufruf „Defence.Tech.NRW“ bringt das Land diese Stärken zusammen: Eine unabhängige Jury hat nun 24 Projekte zur Förderung empfohlen, die an Technologien für die zivile und militärische Verteidigung arbeiten. Die Projekte reichen von Drohnenabwehr und KI bis zu Satellitenkommunikation und mobiler Produktion. Für ihre Umsetzung stehen insgesamt 28,4 Millionen Euro EU-Mittel aus dem EFRE/JTF-Programm NRW 2021–2027 zur Verfügung. Nordrhein-Westfalen war das erste Land, das einen solchen Wettbewerb ausgerufen hat. 

    Zum Start der erstmals in Essen stattfindenden EURO DEFENCE EXPO (EUDEX) wird damit sichtbar, woran Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen bereits arbeiten. Die EUDEX findet vom 22. bis 25. September 2026 statt und verbindet zivile und militärische Sicherheitstechnologien.

    Wirtschaftsministerin Mona Neubaur: „Wer Sicherheit will, muss die Technologien dafür selbst bauen können. Unsere Freiheit braucht eine starke technologische Basis. Genau das fördern wir mit Defence.Tech.NRW: 24 Projekte, die zeigen, wozu unser Land in der Lage ist – von Drohnenabwehr bis Cybersicherheit. Dahinter stehen keine abstrakten Konzepte, sondern Ingenieurinnen und Mittelständler, die an den Technologien arbeiten, auf die Europa angewiesen ist.“

    Zur Eröffnung der EUDEX sagte Ministerin Neubaur weiter: „Essen wird diese Woche zum europäischen Treffpunkt der Verteidigungsindustrie – und das ist kein Zufall. Unser Industrieland kann nicht nur Stahl und Maschinenbau, sondern auch die Sicherheitstechnologie von morgen. Für Nordrhein-Westfalen ist das mehr als ein Messetermin: ein Signal, dass wir in diesem Feld nicht mehr nur mitspielen, sondern vorne mitgestalten – wir haben die Industrie, die Wissenschaft und das Knowhow.”

    Von Drohnenabwehr bis Satellitenkommunikation

    Die 24 ausgewählten Vorhaben zeigen, dass moderne Verteidigungstechnologie weit über klassische Rüstung hinausgeht. Künstliche Intelligenz, Sensorik, Robotik, Cybersecurity, neue Werkstoffe und moderne Produktionstechnologien werden zu entscheidenden Bausteinen für Sicherheit und Resilienz.

    Ein wesentliches Merkmal von „Defence.Tech.NRW“ ist der Dual-Use-Ansatz. Viele der entwickelten Technologien können sowohl in der militärischen Verteidigung als auch im zivilen Bereich eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Systeme zum Schutz kritischer Infrastruktur, robuste Kommunikationslösungen, KI-gestützte Cyberabwehr oder Technologien für Katastrophen- und Kriseneinsätze.

    Damit stärkt die Förderung nicht nur die Verteidigungsfähigkeit, sondern auch die technologische und wirtschaftliche Resilienz Nordrhein-Westfalens und Europas. Ziel ist es, Schlüsselkompetenzen auszubauen, kritische Abhängigkeiten zu reduzieren und Lücken in europäischen Wertschöpfungsnetzen zu schließen.

    Mit „Defence.Tech.NRW“ unterstützen das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, die gemeinsam mit Hochschulen sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen High-Tech-Innovationen entwickeln. Gefördert werden Vorhaben der angewandten Forschung und der experimentellen Entwicklung mit einem klaren Bezug zur zivilen oder militärischen Verteidigung. Im Mittelpunkt stehen marktnahe Produkte, Verfahren und Dienstleistungen sowie deren Validierung, Demonstration und Skalierung.

    Die Original-Mitteilung und die zur Förderung empfohlenen Projekte finden Sie unter folgendem Link: https://www.wirtschaft.nrw/defencetech2026

    Die technologische Bandbreite der 24 zur Förderung empfohlenen Projekte ist beeindruckend: Von Sensorik und neuen Werkstoffen über KI und Robotik bis zu sicheren Kommunikationslösungen bringen die Teams ganz unterschiedliche Kompetenzen für mehr Sicherheit zusammen. Wir gratulieren den beteiligten Akteuren aus dem NMWP.NRW-Netzwerk herzlich zu ihren Innovationsprojekten und wünschen viel Erfolg bei der Umsetzung!

  • Forschende filmen erste Augenblicke auf dem Weg von Licht zu Strom

    Forschende filmen erste Augenblicke auf dem Weg von Licht zu Strom

    Physiker:innen des Forschungszentrums Jülich ist gemeinsam mit Kolleg:innen der Universität Graz und der Universität Marburg ein wissenschaftlicher Durchbruch gelungen. Erstmals konnte die Geburt von elektrischer Energie aus Licht gefilmt und theoretisch beschrieben werden.

    Eine halbkugelförmige Struktur mit einer Schicht aus Kugeln und Stäben, durch die farbige Lichtstrahlen verlaufen. (Mistral: Mistral Medium 3.5, 2026-09-01)
    Bei der zeitaufgelösten Photoemission Orbital Tomography erzeugt ein Pump-Laserpuls (blau) ein gebundenes Elektron-Loch-Paar (Exziton) im organischen Halbleitermaterial Alpha-Sexithiophen. Der nachfolgende hochenergetische UV-Laserpuls schießt ein Elektron aus dem Exziton, dessen Energie und Richtung gemessen wird.

    Die Arbeit ist von weitreichender Bedeutung, unter anderem für die Optimierung nachhaltiger Energiegewinnung aus Photovoltaik. Denn sie liefert fundamentale Bausteine für das Verständnis der physikalischen Prozesse, wie sie etwa in organischen Solarzellen stattfinden. Das Paper wurde in der Fachzeitschrift Physical Review X, einem der weltweit renommiertesten Journale für Physik, publiziert.

    Ob in Solarzellen oder bei der Photosynthese – wenn Licht auf eine Oberfläche trifft, werden seine Teilchen, die Photonen, vom Material absorbiert und regen dadurch Elektronen energetisch an. Dabei ändert sich deren räumliche Verteilung – die sogenannte Wellenfunktion –, und es entsteht eine Bindung zwischen jeweils einem Elektron und dem entstandenen Elektronenloch. Diese „angeregten Paare“ werden als Exzitonen bezeichnet. Sie spielen eine Schlüsselrolle in modernen optoelektronischen Materialien. Doch obwohl sie seit Jahrzehnten bekannt sind, blieb ihre innere quantenmechanische Struktur bislang weitgehend verborgen.

    „Nun ist es uns erstmals gelungen, die räumliche Verteilung und zeitliche Entwicklung der Wellenfunktion eines Exzitons in den ersten Augenblicken seines Lebens experimentell zu rekonstruieren“, berichtet Peter Puschnig, Professor für Elektronische Struktur von Nanomaterialien am Institut für Physik der Universität Graz. „Die Messungen zeigen, dass das Elektron-Loch-Paar nach seiner Entstehung über etwa drei Moleküle ausgedehnt ist und dann bereits innerhalb der ersten rund 400 Femtosekunden – Billiardstelsekunden – um zirka 25 Prozent schrumpft“, führt der Forscher aus.

    Um diese Entwicklung zu filmen, haben die Wissenschaftler:innen zuerst das Exziton mit Licht angeregt und dann die Elektronen mit einem hochenergetischen Laserpuls aus der Paar-Bindung herausgeschossen. Letzteres wird als Photoemission bezeichnet. „Misst man nun Energie und Richtung der Elektronen, lässt sich mit theoretischen Modellen auf ihren quantenmechanischen Zustand schließen. Durch das Variieren der Zeit zwischen der Anregung und dem folgenden Laserpuls erhält man unterschiedliche Momentaufnahmen des Exzitons, die sich zu einem Video der Quantenwelt zusammenfügen“, erklärt Puschnig.

    Internationale Spitzenforschung

    Die Arbeit entstand in enger Zusammenarbeit dreier international führender Forschungsgruppen. Stefan Tautz und sein Team am Forschungszentrum Jülich stellten die organischen Halbleiterproben her, charakterisierten sie und transportierten sie unter Ultrahochvakuumbedingungen nach Marburg, sodass ihre außergewöhnliche Qualität bis zur Messung erhalten blieb. „Bei den Proben handelt es sich um hauchdünne, geordnete Filme aus dem stäbchenförmigen Molekül 6T, die auf eine speziell präparierte Kupferoberfläche aufgebracht wurden. Die präzise Ausrichtung der Moleküle und ihre gezielte Entkopplung vom Substrat sind wichtig, um das Exziton lange genug zu erhalten und seine Entstehung sichtbar zu machen“, erklärt Monja Stettner, die die Proben im Rahmen ihrer Dissertation hergestellt und die Experimente an der Universität Marburg begleitet hat. Dort führte die Gruppe um Ulrich Höfer die hochpräzisen Photoemissionsexperimente durch und wertete die Messdaten aus.

    Am Institut für Physik der Universität Graz erarbeitete das Team von Peter Puschnig die theoretischen Konzepte zur Beschreibung der Photoemission aus Exzitonen, führte die quantenmechanischen Simulationen durch und entwickelte ein analytisches Modell, das die Interpretation der experimentellen Daten ermöglichte. „Mit unserem Modell lässt sich aus gemessenen Photoelektronenbildern direkt auf die räumliche Form und die innere quantenmechanische Phase der Exziton-Wellenfunktion schließen“, erklärt Siegfried Kaidisch, der im Rahmen seiner Dissertation einen zentralen Beitrag zu dieser Arbeit geleistet hat.

    Auch die den Forschungen zugrunde liegende experimentelle Methode der Photoemission Orbital Tomography (POT) ist in der Arbeitsgruppe von Peter Puschnig entwickelt und in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Jülicher Team um Stefan Tautz zu einem international etablierten Werkzeug für die Untersuchung elektronischer Zustände in organischen Materialien ausgebaut worden.

    EU-Forschungsprojekt

    Die aktuelle Publikation setzt einen der bisher wichtigsten Meilensteine im EU-Projekt „Orbital Cinema“. Das durch einen ERC Synergy Grant geförderte Forschungsvorhaben hat sich zum Ziel gesetzt, die Dynamik von Elektronen in Materialien mit bislang unerreichter räumlicher und zeitlicher Auflösung sichtbar zu machen. „Im nächsten Schritt wollen wir die Trennung von Elektron und Loch in sogenannten Donor-Akzeptor-Systemen beobachten. Dieser Prozess entscheidet darüber, wie effizient Licht in elektrischen Strom umgewandelt werden kann und steht damit im Zentrum zukünftiger Entwicklungen organischer Photovoltaik“, so Puschnig.

    https://orbital-cinema.eu/

    Originalpublikation

    Observing the spatial and temporal evolution of exciton wave functions in organic semiconductors
    Marcel Theilen, Siegfried Kaidisch, Monja Stettner, Sarah Zajusch, Eric Fackelman, Alexa Adamkiewicz, Robert Wallauer, Andreas Windischbacher, Christian S. Kern, Michael G. Ramsey, François C. Bocquet, Serguei Soubatch, F. Stefan Tautz, Ulrich Höfer, and Peter Puschnig
    Physical Review X (2026), DOI: 10.1103/3zmg-276c

  • Lieferkette für Fusionskraftwerke formiert sich

    Lieferkette für Fusionskraftwerke formiert sich

    Fusion kann zum wichtigen Baustein für eine klimaneutrale und zuverlässige Energieversorgung werden. Das birgt enormes Marktpotenzial. Weltweit ist der Wettbewerb um erste kommerzielle Fusionskraftwerke entbrannt, darin hat Deutschland eine sehr gute Startposition. Marktführerschaft wird daraus aber nur, wenn der Aufbau industrieller Prozess- und Lieferketten sowie der Wissensaustausch zwischen Forschung und Industrie sofort beginnen. Dafür bietet der Fraunhofer Industrietag Fusion 2.0 die passende Plattform. Am 15. und 16. Oktober 2026 bringt er Akteure aus der Industrie, Forschung, Politik, Beratung sowie dem Energie- und Finanzwesen in Aachen zusammen.

    Die Hightech Agenda Deutschland wird konkret – und mit ihr die Forschung und Entwicklung für ein Fusionskraftwerk in Deutschland. Im Mai hat die Bundesregierung eine Roadmap vorgestellt, die den Weg zur kommerziellen Nutzung der Fusion skizziert. Allein in der aktuellen Legislaturperiode steht dafür ein Förderbudget von 2,4 Milliarden Euro bereit. Fusion könne einen zentralen Beitrag zur klimaneutralen, sicheren und grundlastfähigen Energieversorgung leisten, die technologische Souveränität stärken und neue Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Exportpotenziale in Deutschland schaffen, heißt es in der Begründung.

    Mission Fusion nimmt Fahrt auf

    Mit der Roadmap und der Einrichtung von drei Hubs, an denen die Fusionsforschung sich in den nächsten Jahrzehnten konzentrieren und Innovationsökosysteme schaffen soll, nimmt die »Mission Fusion« nun Fahrt auf. Ziel ist es, das Energiesystem vom Kohlenstoffkreislauf zu entkoppeln. Fusionskraftwerke wären eine optimale Ergänzung zur günstigen, aber volatilen Wind- und Solarenergie. Letztere wird in Zukunft das Gros des rasant steigenden globalen Strombedarfs decken. Für eine zuverlässige Versorgung sind jedoch auch konstant liefernde Energieanlagen gefragt. Daher wird das Markpotenzial auf viele hundert Fusionskraftwerke weltweit geschätzt.

    Deutschland kann mit seiner starken photonischen und optischen Industrie, dem etablierten Miteinander von Grundlagen- und angewandter Forschung sowie seiner Fülle an industriellen Innovatoren eine entscheidende Rolle in diesem Zukunftsmarkt übernehmen. Dafür muss der Aufbau tragfähiger Prozess- und Lieferketten für Fusionskraftwerke sofort beginnen. Starke Innovationsökosysteme müssen zusammenfinden, um die Herausforderungen auf dem Weg zum Fusionskraftwerk zu lösen. Es braucht Technologiesprünge in Hochenergie-Lasertechnik und Optik, bei den Reaktormaterialien, neue hochautomatisierte Fertigungsverfahren sowie neue Ansätze für den Tritium-Kreislauf und die Injektion des Fusionsbrennstoffs aus den zwei Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium. All das bedarf hoher und riskanter Investitionen. Um die Risiken zu minimieren und den Entwicklungsaufwand zu refinanzieren, gilt es, Spinoff-Technologien in der Fusionsforschung zu identifizieren und schnellstmöglich in andere Märkte zu transferieren.

    Fraunhofer Industrietag Fusion 2.0 vernetzt relevante Akteure

    Die zukunftsweisende »Mission Fusion« setzt die intensive Zusammenarbeit von Akteuren aus der Industrie, Forschung und Wissenschaft, aus Politik, Beratung sowie aus der Energie- und Finanzwirtschaft voraus. Der Fraunhofer Industrietag Fusion 2.0 bietet hierfür am 15. und 16. Oktober 2026 die passende Plattform für den fach- und branchenübergreifenden sowie auch technologieoffenen Wissensaustausch. Es geht ebenso um Magnet- und Laserfusion wie um Ansätze rund um die Werkstoffe und den Fuel-Cycle künftiger Kraftwerke. 

    Quelle: Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

  • Förderbekanntmachung KMU-innovativ: Materialforschung (Mat2KMU) – Impulse für Innovation und Wachstum

    Förderbekanntmachung KMU-innovativ: Materialforschung (Mat2KMU) – Impulse für Innovation und Wachstum

    Eine Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Einreichungen sind bis zum 15. Oktober möglich.

    Innovative Materialien und Werkstoffe haben in nahezu allen Technologie- und Produktionsbereichen Schlüsselfunktionen. Sie sind entscheidende Voraussetzung, um neue Technologien zu entwickeln, und profitieren zugleich von den Fortschritten in anderen Technologiebereichen – von Kommunikationstechnologien bis zum Werkzeugmaschinenbau, von Sensormaterialien bis zur additiven Fertigung. Hier spielen häufig hochspezialisierte und interdisziplinär vernetzte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit ihrem hohen Umsatz- und Beschäftigungsanteil eine besondere Rolle.

    Mit dieser Fördermaßnahme verfolgt das BMFTR das Ziel, das Innovationspotenzial kleiner und mittlerer Unternehmen im Bereich der Materialforschung zu stärken sowie die Forschungsförderung auf der Grundlage des Fachprogramms „Materialinnovationen für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft“ (Mat2Twin) für KMU attraktiver zu gestalten.

  • Nordrhein-Westfalen-Plan: Landtag beschließt Investitionsoffensive für Künstliche Intelligenz in der Robotik

    Nordrhein-Westfalen-Plan: Landtag beschließt Investitionsoffensive für Künstliche Intelligenz in der Robotik

    Bis zu 100 Millionen Euro für landesweites Projekt KIRO.NRW

    Roboter, die Menschen in ihrem Zuhause oder im öffentlichen Raum, beispielsweise in Bibliotheken und Ämtern, unterstützen. Am Körper getragene Stützstrukturen – sogenannte Exoskelette – die Patientinnen und Patienten nach Operationen helfen, wieder laufen zu lernen. Oder Logistik-Roboter, die den Warenverkehr deutlich verbessern. All das soll bald Alltag werden. Hierfür muss unter anderem erforscht werden, wie Roboter dynamische Umgebungen wahrnehmen, Gelerntes auf neue Situationen übertragen und wie sie sich möglichst einfach und sicher bedienen lassen.

    Mit dem neuen Projekt „Infrastruktur für Forschung und Transfer in KI-basierter Robotik“ (KIRO.NRW) will Nordrhein-Westfalen eine national wie international wettbewerbsfähige Infrastruktur zu Künstlicher Intelligenz in der Robotik aufbauen, um durch Investitionen in Spitzenforschung den Transfer in marktfähige Innovationen zu beschleunigen. Das landesweite Konsortium unter der Koordination der Universität Bonn plant den Projektstart bis Ende 2026.

    Am Mittwoch, 16. September 2026, hat der Landtag die Landesregierung auf Antrag der regierungstragenden Fraktionen beauftragt, den Aufbau der neuen Infrastruktur für KI-basierte Robotik mit bis zu 100 Millionen Euro aus dem „Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur“ zu fördern. Der Nordrhein-Westfalen-Plan ist mit 60 Milliarden Euro das größte Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes. Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes hat am Mittwochabend im Plenum zur Bedeutung des Projekts und der Spitzentechnologie Stellung genommen.

    „Nordrhein-Westfalen hat eine europaweit einzigartige Dichte an leistungsstarken Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag auf Nordrhein-Westfalens Weg zum führenden KI-Land. Als Landesregierung fördern wir konsequent die Zukunftstechnologien – auch um unabhängiger von Staaten zu werden, die unsere Werte nicht teilen. KIRO.NRW ist ein wichtiger Baustein zu mehr technologischer Souveränität. Die beteiligten Einrichtungen werden noch enger zusammenarbeiten, ihre wissenschaftliche Exzellenz und Innovationsstärke weiter ausbauen. Davon profitieren die Menschen unmittelbar, wenn sie etwa präzisere Operationen und robotergestützte Therapien oder effizientere Baustellen erhalten. Ich freue mich daher sehr, dass der Landtag das Projekt unterstützt.“

    Wissenschaftsministerin Ina Brandes

    Die nordrhein-westfälische Hochschul- und Forschungslandschaft ist im Bereich KI-basierte Robotik bereits sehr gut aufgestellt. Unter KIRO.NRW haben sich acht führende Forschungsstandorte zusammengeschlossen. Neben der koordinierenden Universität Bonn sind die RWTH Aachen, TU Dortmund, Universität Bielefeld, Universität Duisburg-Essen, TH Köln, Fraunhofer-Institut IML Dortmund und Fraunhofer-Institut IAIS St. Augustin beteiligt. Konkret geplant ist die Errichtung von vier themengebundenen und standortübergreifend vernetzten Reallaboren: „KI-basierte Servicerobotik in Alltagsumgebungen“, „Produktion und Logistik“, „Medizin/Gesundheit“ sowie „Field Robotics“ (Landwirtschaft und Bauwesen). Mit dem Projekt wird zugleich die Basis gelegt, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, neue Produktionslinien aufzubauen und die Qualifizierung von Fachkräften im Bereich KI und Robotik voranzutreiben.

    Durch den Zusammenschluss der acht Standorte in vier dezentralen Reallaboren ergeben sich viele Vorteile. Beispielsweise wird durch die gemeinsame Bearbeitung von Fragestellungen die Datenmenge erhöht, die für das KI-Training benötigt wird. Zudem entstehen Synergien bei Querschnittsthemen wie der „Mensch-Roboter-Interaktion“. Roboter sollen unter realen Bedingungen mit Menschen interagieren und zunehmend komplexe Aufgaben in veränderlichen Umgebungen übernehmen – etwa in unterschiedlichen Räumen mit unterschiedlicher Möblierung. Sie lernen, auch Aufgaben zu bewältigen, die nicht vorhersehbar sind, also nicht vorab exakt programmiert werden. Die Ergebnisse können standortübergreifend genutzt werden.

    KIRO.NRW ergänzt die Maßnahmen, die der Bund als „KI-Robotik-Booster“ im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) angestoßen hat. Durch die Vernetzung der Forscherinnen und Forscher sind bereits neue Kooperationen entstanden, die zum Beispiel bei der HTAD-Ausschreibung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt für so genannte „Robo-Hubs“ gemeinsam ins Rennen gegangen sind. Robo-Hubs sind groß angelegte, themenzentrierte Transferzentren, die als praxisnahe Brücken zwischen Wissenschaft und Industrie fungieren und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu zukunftsweisenden Technologien ermöglichen sollen. Die fünf Bewerber-Teams aus Nordrhein-Westfalen oder mit NRW-Bezug haben alle eine Verbindung zu KIRO.NRW. Die Entscheidung über die Förderung der Robo-Hub-Konzepte wird der Bund Anfang Oktober bekannt geben.

    Quelle: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

  • Förderbekanntmachung: Industrielle, domänenspezifische KI

    Förderbekanntmachung: Industrielle, domänenspezifische KI

    Förderung von Transfer-Leitprojekten für die Nutzung von KI in industriellen Wertschöpfungsketten

    Künstliche Intelligenz bietet große Potenziale, industrielle Prozesse effizienter zu gestalten, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken. Dafür braucht es KI-Systeme, die auf die spezifischen Anforderungen, Daten und Prozesse einzelner Branchen und Anwendungsfelder zugeschnitten sind.

    Mit der Fördermaßnahme „Industrielle, domänenspezifische KI“ unterstützt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Transfer-Leitprojekte, die spezialisierte KI-Systeme entwickeln, in industrielle Wertschöpfungsketten integrieren und in realen Einsatzumgebungen erproben. Ziel sind leistungsfähige, verlässliche und praxistaugliche KI-Lösungen, die zur technologischen Souveränität und zur nachhaltigen Steigerung der Wertschöpfung am Standort Deutschland beitragen.

    Die Projektergebnisse sollen über die beteiligten Verbundpartner hinaus Wirkung entfalten. Dafür sollen übertragbare Lösungen und Blaupausen entwickelt werden, die auch von weiteren Unternehmen innerhalb der adressierten Domäne oder in angrenzenden Branchen genutzt werden können.

    Termine

    Projektskizzen können bis zum 1. November 2026 eingereicht werden. 

    Welche Themen werden gefördert?

    Gefördert werden risikoreiche industrielle Forschungs- und vorwettbewerbliche Entwicklungsvorhaben in Form von Verbundprojekten. Die Vorhaben müssen auf reale Anwendungsbedarfe ausgerichtet sein und folgende Schwerpunkte adressieren:

    • Entwicklung oder Anpassung domänenspezifischer KI-Modelle und -Systeme
    • Integration von Fachwissen, Prozesswissen und branchenspezifischen Daten
    • Aufbau von Datenpipelines und Integrationsschichten für industrielle IT-Systeme
    • Überwindung von Datensilos
    • Entwicklung offener Standards und tragfähiger Modelle für den Datenaustausch

    Die Lösungen sollen in einer relevanten industriellen Einsatzumgebung demonstriert werden und einen technologischen Reifegrad von TRL 6 bis 7 erreichen. Im Fokus stehen insbesondere industrielle Fertigung und Maschinenbau, Mobilität und Automobilindustrie, Chemie und Cleantech, Medizintechnik, Agrarwirtschaft sowie Informations- und Kommunikationstechnik.

    Der Neuheitswert der im Rahmen des Vorhabens zu erarbeitenden Lösung muss eindeutig ersichtlich hervorgehoben werden. Dabei sollen sowohl spezialisierte Sprachmodelle als auch neue KI-Ansätze zur Verarbeitung multimodaler Datenquellen unter Einsatz von Deep Learning, symbolischen Ansätzen und hybriden Modellen erforscht werden.

    Wer wird gefördert?

    Antragsberechtigt sind Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und weitere forschende Institutionen mit Sitz beziehungsweise Einrichtung in Deutschland.

    Gefördert werden ausschließlich Verbundprojekte mit substanzieller Industriebeteiligung. Die Vorhaben sollen maßgeblich von Unternehmen initiiert und koordiniert werden. Die Verbünde müssen die vertikale KI-Wertschöpfungskette von der methodischen Entwicklung über die technische Integration bis zur Anwendung und Erprobung in realen industriellen Prozessen abdecken. Eine starke Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen ist ausdrücklich erwünscht. Zur Sicherung der Praxisrelevanz ist zudem ein projektbegleitender Beirat aus Wissenschaft und Wirtschaft vorzusehen.

    Wie läuft das Förderverfahren ab?

    Das Antragsverfahren ist zweistufig. In der ersten Stufe reicht der vorgesehene Verbundkoordinator eine gemeinsame, deutschsprachige Projektskizze mit maximal 20 DIN-A4-Seiten über easy-Online ein. Positiv bewertete Verbünde werden anschließend zur Vorlage förmlicher Förderanträge aufgefordert. Eine vorherige Beratung durch den Projektträger wird empfohlen.

    Förderumfang und Laufzeit

    Für die Verbundprojekte wird in der Regel eine Gesamtzuwendung von 10 bis 20 Millionen Euro erwartet. Die erste Förderphase kann bis zu drei Jahre dauern. Nach etwa zwei Projektjahren erfolgt eine Meilensteinevaluierung. Bei positiver Bewertung kann eine zweite Förderphase von bis zu zwei Jahren zur Skalierung und zum weiteren Transfer der Ergebnisse anschließen.

    Was wird nicht gefördert?

    Nicht gefördert werden insbesondere generalistische Sprachmodelle ohne spezifischen Branchenbezug, reine Investitionen in Rechenzentrumshardware, die Entwicklung von KI-Hardware sowie KI-Anwendungen in bereits anderweitig adressierten Bereichen wie Personalwesen, Marketing, Kundenbetreuung, Predictive Maintenance, ziviler Sicherheit und Pflegerobotik.

  • Schlüsseltechnologie für photonische Quantum Prozessor Units: Universität Paderborn koordiniert neues Verbundprojekt

    Schlüsseltechnologie für photonische Quantum Prozessor Units: Universität Paderborn koordiniert neues Verbundprojekt

    Quantentechnologien in Deutschland machen enorme Fortschritte, insbesondere im Computing, in der Kommunikation und Sensorik. Die Forschenden und Entwickler*innen stehen jedoch vor vielen technischen sowie geopolitischen Herausforderungen in der Neu- und Weiterentwicklung. Mit der Fördermaßnahme „Enabling Technologies für resiliente F&E-Lieferketten in den Quantentechnologien“ fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) vorwettbewerbliche Verbundprojekte, die sich mit der Neu- und Weiterentwicklung der Grundlagentechnologien für Quantencomputer und Quantensensorik beschäftigen. Unter Koordination der Universität Paderborn startete jetzt das Verbundprojekt „Detector Engineering to Enable Quantum Technology” (DETEQT) und wird über einen Zeitraum von drei Jahren mit rund sechs Millionen Euro gefördert.

    Projekt definiert Skalierbarkeit und Interoperabilität neu

    Photonische Quantum Prozessor Units (QPUs) sind unentbehrlich im photonischen Quantencomputing, der Quantenkommunikation und Sensorik. Sie können zwar einen Vorteil gegenüber klassischen Elementen aufweisen, sind allerdings durch ihre Einzelphotonendetektorsysteme in ihrer Funktionalität oft eingeschränkt. Das Projekt „DETEQT“ hat das Ziel, diese Einschränkungen aufzuheben und die QPUs auf Basis von sogenannten Nanodrahteinzelphotonendetektoren (SNSPDs) ganzheitlich weiterzuentwickeln. 

    „Obwohl einzelne SNSPDs separat die strengen Leistungsmerkmale erreichen, photonische QPUs zu ermöglichen, bleibt es eine große Herausforderung, diese Leistung integriert in der QPU zu erhalten, und zwar auf der benötigten Skala. Aktuell stoßen photonische QPUs deswegen an klare Grenzen, sei es durch die begrenzte Detektor-Ausbeute, die kryogene Wärmebelastung, die verlustarme Integration mit anderen Bauteilen oder die mangelnde Photonenzahlauflösung, kurz PNR. Mit unserem Projekt wollen wir diese technischen Hürden ganzheitlich überwinden und das Problem der mangelhaften Interoperabilität lösen. So schaffen wir die Voraussetzung für eine praxistaugliche Integration“, erklärt Prof. Dr. Tim Bartley, Koordinator des Verbundprojekts und Gruppenleiter am Institut für Photonische Quantensysteme (PhoQS) und dem Department Physik der Universität Paderborn. 

    Starkes Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft

    Gemeinsam entwickeln und forschen in diesem Projekt die Universität Paderborn, die Technische Universität München, die Universität Heidelberg, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, die Swabian Instruments GmbH, die Munich Quantum Instruments GmbH, das Leibniz-Institut für Photonische Technologien, die Single Quantum Germany GmbH, die Universität Münster, die Pixel Photonics GmbH, die Quandela GmbH und der assoziierte Partner attocube systems GmbH.

    Zeitgleich startet auch das Cluster „Photonische Systemtechnik“ welches insgesamt sieben Verbundprojekte der Förderlinie umfasst und ebenfalls von der Universität Paderborn, unter Leitung von Prof. Bartley, koordiniert wird. Das Cluster repräsentiert die gebündelte Kraft von Forschungsinstituten, Universitäten, Start-ups und dem Mittelstand unter einer Dachmarke. Dieses Netzwerk steht für die strategische Bedeutung der Photonik als „Enabling Technology“ der Quantenforschung, das nicht nur den Wissenstransfer zwischen den Verbundprojekten fördern, sondern auch Brücken zu anderen Projekten im Bereich Quantentechnologie in Deutschland schlagen möchte.

    Kontakt

    Prof. Dr. Tim Bartley

    Institut für Photonische Quantensysteme (PhoQS)

    Mehr zur Person

  • Angebot für Forschungstalente im Ausland: Neue Förderrunde des Rückkehrprogramms gestartet

    Angebot für Forschungstalente im Ausland: Neue Förderrunde des Rückkehrprogramms gestartet

    Drei Forschende erhalten insgesamt 3,75 Millionen Euro für den Aufbau eigener Nachwuchsgruppen / Fokus auf Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität und vertrauenswürdige Informationsinfrastrukturen

    Hochqualifizierten Forschungstalenten, die derzeit im Ausland arbeiten, bietet das Rückkehrprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit, ihre wissenschaftliche Karriere in Nordrhein-Westfalen fortzusetzen. In der neuen Förderrunde können sich Forscherinnen oder Forscher bewerben, die zwischen zwei und sechs Jahren promoviert sind und bereits in Deutschland gearbeitet haben. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr die Forschungsthemen Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität und vertrauenswürdige Informationsinfrastrukturen. Dafür stellt das Land insgesamt 3,75 Millionen Euro zur Verfügung.

    „Der Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen bietet mit einer europaweit einmaligen Dichte an Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Forschungseinrichtungen exzellente Karrieremöglichkeiten für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Mit dem Rückkehrprogramm für herausragende Forscherinnen und Forscher, die zurzeit im Ausland arbeiten, bieten wir Post-docs die Möglichkeit, sich mit einer eigenen Forschungsgruppe an einer Hochschule in Nordrhein-Westfalen zu einer wissenschaftlichen Führungspersönlichkeit weiterzuentwickeln.“

    Wissenschaftsministerin Ina Brandes

    Die drei ausgewählten Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler werden über einen Zeitraum von fünf Jahren beim Aufbau einer eigenen Nachwuchsgruppe an einer Universität in Nordrhein-Westfalen unterstützt – jeweils mit bis zu 1,25 Millionen Euro. Bewerbungen sind bis zum 8. Januar 2027 möglich.

    Das Rückkehrprogramm gibt es in dieser Form nur in Nordrhein-Westfalen. Seit der ersten Ausschreibung im Jahr 2007 sind bereits 65 herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nach Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt. Die meisten von ihnen forschen und lehren heute an einer nordrhein-westfälischen Universität. Damit trägt das Programm nachhaltig dazu bei, internationale wissenschaftliche Expertise für Nordrhein-Westfalen zu gewinnen und den Wissenschaftsstandort zu stärken.


    Weitere Informationen finden Sie unter www.rueckkehrprogramm.nrw.de 

    Quelle: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen